Schwartz: Ich bin Rapper und habe immer auch geschrieben

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern bzw. mit Publishing?

Schwartz: Ich bin Rapper und habe immer auch geschrieben

Ich bin Schwartz, eigentlich Rapper beim Berliner Label Hirntot Records. Dort mache ich seit 2006 das, was man mit Funny van Dannen »menschenverachtende Untergrundmusik« nennen könnte, und hab über die Zeit einen recht beachtlichen Haufen Solo- und Colaboalben zusammengegrowlt.

Ich habe allerdings auch immer geschrieben, hauptsächlich Gedichte, aber auch Prosa. Veröffentlicht habe ich bisher die beiden Gedichtbände »In der U-Haft eines weiteren Abends« und »Vantablack«, ersteren bei KRASH: Neue Edition und letzteren im Ach Je Verlag.

Aktuell arbeite ich an einem weiteren Gedichtband, der Ende April erscheinen soll, und an mehreren Romanprojekten. Am Valentinstag erscheint meine Erzählung »Als der blaue Vogel blind wurde« als eBook; eine Social-Horror-Geschichte, die komplett auf Twitter spielt.

Schwartz: Ich bin Rapper und habe immer auch geschrieben

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Nach dem Brotjob arbeite ich meistens an Songtexten oder an den Büchern. Das ist von außen völlig langweilig: vor nem Textdokument sitzen und Worte reinhacken. Zwischendurch klicke ich mich durchs Internet, Wikipedia für Infos oder zu Inspirationszwecken, und auf Twitter landet unverarbeiteter Gedankenmüll. Wenn ich ‘ne Blockade habe gehe ich meistens spazieren.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Ich bin weitaus professioneller geworden. Früher war ich ein absoluter »L’art pour l’art«-Typ, dem es nur um das Kunstwerk selbst ging. Ich machte mir keine Gedanken darüber, wie man einen Text oder Song präsentieren kann oder muss, damit er funktioniert. Das hat sich geändert: wenn ich an neuen Sachen arbeite, überlege ich auch direkt, in welcher Erscheinungsform man das am besten präsentiert und denke über mögliches Marketing nach. Dabei mag ich digital und analog gleichermaßen. Es ist interessant, wie anders z.B. ein Song wirkt, wenn er nicht digital, sondern nur auf einem alten Tape erscheint. Das gleiche gilt für Texte. Die Texte in meinem Gedichtband »Vantablack«, bei deren Gestaltung ich mich von Instastorys und Marketingtypografien habe inspirieren lassen, funktionieren gelesen nur in dieser Optik.

Umgekehrt haben Marketingaspekte aber auch einen Einfluss auf das Kunstwerk. Das wird dann interessant, wenn man es als künstlerischen Metaaspekt mit einbezieht: Wir leben schließlich in einer Zeit des Sich-Präsentierens-und-Wahrgenommen-werden-Wollens.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Bezogen auf den Literaturbetrieb: dass ich als Autor nicht ernstgenommen werde, weil ich Rapmusik mache. Obwohl das inzwischen absolute Mainstream-Musik ist, haben die Leute immer noch komplett klischeebeladene Vorstellungen (hinter denen übrigens meist eine interessante bildungsbürgerliche Verachtung für bestimmte soziale Schichten steckt).

Als mein Verleger damals Rezensionsexemplare meines Buches anbot, bekam er wortwörtlich zu hören »Der ist doch kein echter Lyriker, der ist nur ein Rapper«. Da wäre es schön, wenn die Menschen sich von solchen personenbezogenen Vorurteilen ein wenig frei machen könnten.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Deutschlehrer. Mein Gedichtband »Vantablack« wird an einigen Schulen im Themenkomplex Moderne Lyrik eingesetzt. Bei den Schülern kommt das gut an. Ein Rapper ist da wohl interessanter als tote Dichterfürsten.

Wo finden wir Sie im Internet?

 

Foto (c) Marcel Lewandowsky


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