Heiko Fischer: Ich bin im Programmbereich Natur im Franckh-Kosmos Verlag tätig

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern bzw. mit Publishing?

Ich heiße Heiko Fischer und bin im Programmbereich Natur im Franckh-Kosmos Verlag tätig. Der Beruf hieß früher Lektor, heute Produktmanager, aber mir klingt das zu technokratisch. „Produzent“ finde ich eigentlich ganz gut.

Die Branche kenne ich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven: Ich bin gelernter Buchhändler, habe aber auch als Übersetzer gearbeitet und PR für Verlage und Titel gemacht. Außerdem habe ich branchenfremden Menschen geholfen, Verlage zu gründen. In UK habe ich Kunst studiert und dort einige Jahre gelebt und in der sogenannten freien Szene Theater gemacht. Aus dieser Zeit bringe ich sehr wertvolle Erfahrungen mit, die mich bis heute prägen. Was die Bedingungen und Spielregeln von Kreativität angeht, habe ich da viel gelernt, auch wenn ich mich schließlich wieder – sehr gerne! – den Büchern gewidmet habe.

Nun bin ich mit Programmarbeit befasst – das betrifft nicht nur unsere Naturführer-Reihen, die wohl mit Titeln wie „Was blüht denn da?“ jedem geläufig sein dürften. Hier betreue ich den Programmbereich Pilze. Pilze haben ein etwas kauziges Image, das kann ich gut verstehen. Mit John Cage und Peter Handke bin ich bei den Pilz-Freaks allerdings in bester Gesellschaft. Und gute Bücher fallen auch hier nicht vom Himmel. Es steckt eine Menge Kreativität und Engineering in einem gut gemachten Pilzführer. Und schließlich sind es diese Werkzeuge, die die Portale zur Natur darstellen. Die wenigsten haben einen Opa, der einen mit den in den Wald nimmt. Eigentlich wäre ich gern dieser Opa.

Aber unsere Aufgaben umfassen noch mehr: Es geht darum im gesamten Sachbuch-Bereich, neue Formate für die Geschichten, die man über die Natur erzählen kann, zu finden. Exemplarisch dafür ist „Birding für Ahnungslose“ von Vero Mischitz, das wir gerade fertig gemacht haben: eine Einführung in die Vogelkunde aber als Graphic Novel! Solche Projekte sind in Zeiten, in denen unserer Beziehung zur Natur mehr und mehr gesellschaftspolitische Brisanz bekommt, spannende Aufgaben, die ich als wichtig und sinnstiftend empfinde.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ja, auch bei uns wird Kaffee (in meinem Fall Grüntee) getrunken und es werden Emails beantwortet und wir gucken auf Bildschirme mit Office-Anwendungen. Aber unser Arbeitsalltag ist darüber hinaus sehr von Team-Arbeit geprägt. Gute Ideen entstehen meiner Erfahrung nach in Netzwerken und sind keine Leistung einzelner. Auch hier sind Pilze mit ihrem alles verbindenden Mycel ein schönes Bild. Nur wenn das Ökosystem stimmt, bilden sich Fruchtkörper. Und man kann viel dafür tun, dass es stimmt. Entsprechend viel Raum nehmen Besprechungen mit Kollegen ein.

Dazu kommt natürlich die Steuerung ganz konkreter Projekte. Das reicht von der Konzeption von Titeln zusammen mit den Autoren bis zu Lektorat und Produktion und schließlich zur Zusammenarbeit mit Marketing, Presse und Vertrieb. Auch digitale Formate wie Webinare und Apps denken wir dabei mit. Da gibt es dann Bücher die aufwändig und anspruchsvoll zu machen sind, während bei anderen viele Abläufe schon feststehen. Und bei jedem Buch hat man wieder mit einer neuen Konstellation an Kolleginnen und Autoren zu tun.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Veränderung ist etwas, dem ich während meiner beruflichen Laufbahn eigentlich andauernd ausgesetzt war. Zudem war ich in sehr unterschiedlichen Bereichen tätig, also gab es auch in meiner beruflichen Biografie eher Wandel als Kontinuität, so Früher-Heute-Vergleiche sind nichts für mich. Stagnation wäre ja auch grauenhaft! Und trotzdem: wenn ich in einem Antiquariat stöbere, was ich sehr gerne tue, bin ich manchmal verblüfft, mit was für hochspezialisierten Titeln auch große Publikumsverlage vor zwanzig oder dreißig Jahren Geld verdienen konnten (oder das Risiko eingingen, solche Titel ins Programm zu nehmen). Aber die branchenüblichen Herausforderungen sind ja hinlänglich bekannt, da braucht es meinen Senf nun wirklich nicht auch noch.

Ich denke lieber über die Möglichkeiten nach, die die Digitalisierung mit sich bringt: zum Beispiel war es noch nie so einfach, wirklich nah an einer Zielgruppe zu sein und sie sogar in die Entwicklung von Titeln einzubinden. Diese Dinge erfordern ein neues Nachdenken in und über Strukturen, an die man sich gewohnt hat. Da muss man schon so manchen kognitiven Klimmzug machen, um wirklich neue Perspektiven muss man ringen. Aber auch hier helfen Begegnungen und Gespräche. Und vor allem Zuhören.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Crowdfunding und Crowdsourcing-Strukturen auf eine effiziente Weise in den laufenden Betrieb eines großen Verlagshauses einzubauen. Das wäre so eine Baustelle, über die ich im Moment viel nachdenke.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Es dürfen mich gerne alle kontaktieren, die glauben, wir sollten uns kennenlernen. Natürlich suchen wir immer Autorinnen und Autoren mit guten Ideen oder einer speziellen Kompetenz – gerade im Bereich Natur. Das reicht von „harter“ Naturwissenschaft bis hin zu Menschen, die neue Formen des Umgangs mit der Natur erproben. Auch Illustratoren, Fotografen oder jede andere Art von Storytellern, die die Offenheit mitbringen, mit uns zusammen spannende Produkte zu entwickeln, dürfen sich gerne melden.

Wo finden wir Sie im Internet?

Man findet mich zunehmend weniger in den Sozialen Medien, aber im Moment noch auf Facebook (Heiko M. Fischer) und auf Instagramm (@empathic_empire). Am liebsten würde ich sagen: sucht mich in den Wäldern rund um Stuttgart, aber das ist wahrscheinlich nicht so effektiv.

Fotos (c) Stanislav Krupar, Sonja Schuberth, Ulrike Bohnet


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