Trude Schneider: “Literaturpower” ist die erste deutschsprachige Plattform für bibliotherapeutische Inhalte

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Trude Schneider

Ich bin Trude Schneider, freiberufliche Literaturwissenschaftlerin und betreibe seit Anfang 2018 die erste deutschsprachige Plattform für bibliotherapeutische Inhalte: Literaturpower. Der Begriff der Bibliotherapie ist hierzulande noch oft erklärungsbedürftig und das möchte ich gerne ändern. Einerseits ist die Bibliotherapie eine Form der Kunsttherapie, die mit Poesie und Literatur arbeitet. Im weiteren Sinne werden damit aber auch alle Leseprozesse bezeichnet, die uns inspirieren, bereichern oder auch mal herausfordern.

Ein Zitat, welches ich in diesem Zusammenhang sehr gerne mag, stammt von Franz Kafka: “Ein Buch muss die Axt sein, für das gefrorene Meer in uns.” Wir alle kennen Bücher, die unser Leben verändert haben, jedoch finden wir sie meist nur zufällig. Auf Literaturpower kategorisiere ich solche Bücher in einer Art und Weise, dass sie für Leserinnen und Leser gezielt auffindbar werden.

Neben der Webseite betreibe ich andere digitale Formate, um Menschen für Literatur zu begeistern. Eines davon ist #humansofbooks: Ein Foto- und Interviewformat auf Instagram, für das ich lesende Menschen auf der Straße, im Café oder in der Bahn anspreche, fotografiere, filme und zu ihren Leseinteressen befrage. Damit habe ich in kurzer Zeit schon sehr viele Menschen erreicht. Literatur macht die Welt in meinen Augen besser: Menschen werden empathischer, Mitgefühl und Verständnis werden geschaffen. Ich habe die Vision, mit meiner Arbeit die Bedeutung der Literatur in unserer Gesellschaft zu stärken und damit das Leben vieler Menschen zu bereichern.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Früher musste ich immer sehr früh aufstehen und weil das gar nicht zu mir passte, war ich ein ziemlicher Morgenmuffel. Seit ich selbständig bin, bin ich immer noch morgenmufflig, muss aber nicht mehr so früh aufstehen. (; Mein Wecker klingelt um 8. Frühstück und Morgenrituale sind mir wichtig. Spätestens 9 Uhr aber sitze ich mit Tee am eigenen Schreibtisch oder einem Ort zum Co-worken und beantworte Nachrichten.

Ich plane und strukturiere meine Tagesaufgaben sehr gewissenhaft. Dabei kommt dem Planen mehr Bedeutung zu, als dem starren Abarbeiten. Letzteres geht nämlich eigentlich gar nicht. Gerade bei kreativen Aufgaben (von denen ich zum Glück auch sehr viele habe) ist mir Flexibilität ein ganz wichtiger Wert. Natürlich darf ich für meine Arbeit sehr viel lesen und neue Veröffentlichungen sichten. Zum Schreiben meiner Artikel reserviere ich mir meist einige Stunden am Vormittag, weil das für mich die produktivste Zeit ist. Meine Mittagspause gestalte ich mir gerne sozial mit anderen Menschen und dann kommen nachmittags viele Verwaltungsaufgaben, Social Media und andere Projekte dazu. Ich arbeite zwar oft bis in die späten Abendstunden, versuche mir aber auch genug Zeit für meine Weiterbildung einzuräumen und hin und wieder ganz offline zu sein.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Literaturpower ist noch ein ganz junges Angebot und im Grunde spielt sich erst so nach und nach alles bei mir ein. Zu Beginn meiner Gründung habe ich vor allem viele Workshops und Seminare mitgemacht und Netzwerktreffen besucht. Als Einzelunternehmerin war es mir von Anfang an sehr wichtig, den Austausch zu suchen und von anderen zu lernen. Das ist natürlich immer noch so. Bücher und Menschen, das hängt für mich einfach zusammen.

Inzwischen habe ich viel Erfahrung mit Social Media und dem Betreiben einer Webseite gesammelt, so dass ich auch in diesen Bereichen meine Arbeit fokussieren und effizienter gestalten kann. Mich fasziniert der Lean-Startup-Ansatz: Der nächste Schritt beruht immer auf der gründlichen Auswertung meiner letzten Schritte. Kritik, Feedback und Evaluation sind feste Bestandteile meiner Arbeit und bringen mich jeden Tag ein kleines Stück voran.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Zum einen möchte ich dem Begriff der “Bibliotherapie” zu der Popularität und Beliebtheit verhelfen, die er auch schon in anderen Ländern hat. Frankreich, Skandinavien und der englischsprachige Raum: Dort ist längst angekommen, dass Literatur mehr kann als nur unterhalten. Sowohl auf kognitiven, als auch emotionalen Ebenen können wir viel beim Lesen für uns mitnehmen und das hat absolut nichts mit dubiosen Heilsversprechen zu tun. Im Deutschen schreckt vielleicht der Therapie-Begriff manche Leserinnen und Leser ab. Aber wenn wir uns erstmal mit der Thematik befassen, wird schnell klar, dass wir alle schon einmal in der ein oder anderen Weise Bibliotherapie betrieben haben.

Darüber hinaus wünsche ich mir in der Buchbranche noch mehr Offenheit für den medialen Wandel. Youtube, Podcasts, Social Media, Influencer-Marketing: Solche Begriffe sollten einen höheren Stellenwert erhalten. Der Youtuber Paluten hat mit seinem Jugendbuch wahnwitzig viele Kinder und Jugendliche erreicht, die vielleicht noch nie zuvor ein Buch gelesen haben. Was können wir von solchen Influencern lernen und wie können wir Konzepte entwickeln, die zu unserer Branche passen? Das sind Themen, die mich interessieren und beschäftigen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Ein Weg entsteht, wenn man ihn geht. Ich freue mich über jegliche Art der Vernetzung und Austausch, Ideen für gemeinsame Projekte, aber auch konkret über Vorschläge der Zusammenarbeit. Wer dieses Interview liest und denkt, mit Trude Schneider würde ich gerne mal zusammenarbeiten, ist herzlich eingeladen mir eine Email zu schicken. Darüber hinaus wünsche ich mir Kooperationen im Bereich der Kultur- und Leseförderung.

Wo finden wir Sie im Internet?

Bildquelle: (c) Rebecca Sampson

One comment

  1. Liebe Trude Schneider,
    Habe gerade mit großem Interesse über Ihre Arbeit, Ihre Ansätze gelesen. Bin KiJu Autorin von historischen Romanen aus dem 18. JH., der Colonie Verlag, mein eigener kleiner Verlag, vermittelt Geschichte durch Veranstaltungen mit Schauspielern und Musikern – spannend, die Sinne ansprechend, interaktiv.
    Ich bilde mich gerade im Bereich Social Media weiter – mit dem langfristigen Ziel, die sehr positiven Erfahrungen unserer Veranstaltungen, unsere Handschrift mit der Zielgruppe auf Social Media zu übertragen und darüber zu verbreiten.
    Bin noch sozusagen in der 1. Klasse Facebook und würde mich über den Austausch mit Ihnen freuen,

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