Tilo Gehrke: Wir erleichtern mit MyPoolitzer jungen Autoren den Zugang zu Verlagen

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Tilo Gehrke und ich bin der Gründer von MyPoolitzer. MyPoolitzer ist ein digitaler Marktplatz, auf dem sich Autoren und Verlagslektoren begegnen können. Wir erleichtern jungen Autoren den Zugang zu Verlagen. Und wir sorgen gleichzeitig dafür, dass Verlagslektoren mit wenigen Mausklicks passende Texte und Autoren finden können. Wir kümmern uns also im Kern um leichteren Marktzugang und höhere Effizienz.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Alles Konzeptionelle versuche ich gleich am Morgen anzugehen. Zu diesem Zeitpunkt gelingt es mir noch, sorglos draufloszuschreiben. Danach starte ich meist mit der Akquisitionsarbeit, für die ich unbedingt den Schwung des Vormittags brauche. Kurz vor dem ersten Mittagstief kümmere ich mich um lästige Administration wie Buchhaltung, Steuern oder Überweisungen. Und nachmittags sind häufig Besprechungen und Termine angesetzt. Abends, wenn es ruhiger wird, lese ich Brancheninfos. Dabei interessieren mich vor allem Einschätzungen zur Zukunft des Verlagswesens. MyPoolitzer unterstützt ja die Verlage in ihrer Funktion als Kuratoren und Entwickler von Literatur. Wir glauben, dass verlegerisches Expertentum unerlässlich für Qualität und Innovation in der Literatur ist. Aber ich studiere auch die Gegenseite, die meint, Verlagsarbeit durch Algorithmen ersetzen zu können.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Die Digitalisierung erlaubt mir, viele Aufgaben und Transaktionen vergleichsweise schnell, einfach und direkt auszuführen. Zudem ist es leichter geworden, als Unternehmen auf sich und sein Produkt aufmerksam zu machen. Nicht ohne Grund schießen überall Startups aus dem Boden. Aber das setzt voraus, dass man die Dinge wirklich selber macht, weil anderenfalls die Effizienzvorteile wieder verpuffen würden. Deshalb bin ich oft Mediaplaner, PR-Agent, Verkäufer, Buchhalter und Webdesigner in einer Person. Auf der anderen Seite verlangen Aufgaben wie Autorenmarketing und Verlagsakquisition ein intensives und langfristiges Engagement. Alles in allem bestimmt für mich weiterhin – trotz technischer Erleichterungen und Multitasking – konzentriertes und nachhaltiges Arbeiten den Erfolg.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Derzeit werden Exposés nur innerhalb eines Landes oder Sprachraumes angeboten. Unsere Idee ist dagegen, die Präsentation und Akquisition von Originalmanuskripten jenseits aller Sprach- und Landesgrenzen zu ermöglichen. In Zeiten von DeepL & Co. wird es immer einfacher, unveröffentlichte Originaltexte global anzubieten respektive zu verwerten. Das erweiterte nicht nur den direkten Aktionsradius von Autoren und Verlagen, sondern schüttelte auch preistreibende Kostgänger ab. Wir arbeiten derzeit an einem globalen Marktplatz und wollen bereits im Herbst eine erste Version vorstellen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Die Umsetzung eines globalen Marktplatzes ist vor allem eine große Marketingaufgabe, denn die Plattform muss innerhalb kurzer Zeit ausreichend bevölkert sein. Das gilt gleichermaßen für die Autoren- und die Verlagsseite. Wird aber die Sockelmenge an Nutzern nicht erreicht, kommen auch die Vorteile der Plattform nicht zum Tragen und die Leute wenden sich ab. Daher freuen wir uns über Kontakte, die uns helfen, unsere Idee und unser Produkt in die Welt zu tragen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Sie finden uns unter www.mypoolitzer.com und auf Facebook.

Foto: Tilo Gehrke

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