Stephan Urbach: Ich verlege Bücher und konzipiere Tools, die Verlagen das Leben erleichtern sollen

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Stephan Urbach
Ich bin Stephan Urbach – auf Twitter als @herrurbach bekannt, im restlichen Internet nennt man mich tomate. Ich bin Inhaber des Ach je Verlag und verlege Bücher und konzipiere Tools, die Verleger*innen und Autor*innen das Leben erleichtern sollen und können – zum Beispiel ExLibris.cards. ExLibris.cards ist ein Portal, das zum Einlösen von eBook-Codes konzipiert ist. Die Codes werden aber von den jeweiligen Verlagen oder Autor*innen direkt verkauft – zum Beispiel auf schönen Karten, die dann auch signiert oder gewidmet sein können, was bei einer Email leider nicht geht. Das Portal wird im Augenblick nur von meinem Verlag genutzt, aber bald kommt der Selfservice-Bereich für andere Verlage und Autor*innen.

Zusätzlich vernetze ich mich mit anderen kleinen Verlagen aus Berlin; wir arbeiten an Möglichkeiten uns gemeinsam zu präsentieren. Momentan wurschteln wir alle vor uns hin und Vieles wird doppelt und dreifach gewurschtelt. Das muss ja nicht sein.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich bin nur nebenberuflich Verleger – eigentlich arbeite ich als Unternehmensberater. Wenn ich einen “Verlagstag” habe, also einen Tag, an dem ich nur Verlagsarbeit mache, stehe ich wie jeden Morgen um 6:30 auf und nach Frühstück, Hunderunde etc. sitze ich um 10 Uhr am Schreibtisch und arbeite so bis 18, 19 Uhr. Irgendwann zwischendurch muss meine Hündin Barbara nochmal raus und so erschaffe ich mir eine Pause. Meine Arbeit spaltet sich auf zwischen Versand der Bestellungen, Lesen neuer Scripte, Planen von Veröffentlichungen (hustet) und dem Satz/der Produktion der Bücher.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Ich hatte mal in den frühen 2000ern einen kleinen Untergrundverlag. Damals war ich noch viel mehr auf externe Dienstleister*innen angewiesen als heute. Viele Dinge kann ich selbst machen, sei es ONIX-Feeds zu bauen oder der Vertrieb über die eBook-Plattformen. Die Plattformen, die mich nur über einen Aggregator zulassen würden, bediene ich nicht, denn ich bin nicht bereit, für eine Dienstleistung, die ich auch selbst gut erbringen kann, Geld zu bezahlen. Meine Autor*innen wissen das alle auch. Das gesparte Geld zahle ich lieber an die Autor*innen aus.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Es sind mehrere Probleme mit für mich gleicher Wichtigkeit:

  1. Sichtbarkeit von kleinen Verlagen: sowohl im Buchhandel als auch bei den Endkunden. Das ist ja mit einer der Gründe, warum ich mich mit kleinen Verlagen vernetze und wir gemeinsam an etwas arbeiten.
  2. Automatisierung von Prozessen: vom Hochladen der eBooks bis hin zur Abrechnung der Autor*innen und der Überweisung ihrer Tantiemen/Honorare. Da entsteht gerade Software, die ich selbst betreiben kann.
  3. VG Wort für Online-Publikationen: sowohl aus meinem Verlag (wie antiberliner.com) als auch für Dritte. Da entsteht gerade ein Webtool, das demnächst in die offene Beta gehen wird, das das Einbauen der Marken und Melden der Zählpixel komplett wegautomatisiert, damit die Autor*innen das machen könne, was sie machen wollen: Schreiben.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Ich freue mich über gute Mansukripte – vor allem von Frauen, LGBTQI und People of Color. Diese dürfen sie per Email an mich senden, weiße Männer senden bitte einen Brief. Ansonsten freue ich mich über Kontakte zu Buchblogger*innen, Autor*innen, anderen Kleinverlagen und Leser*innen. Der Ach je Verlag macht noch nicht alles richtig und ich lerne jeden Tag immer noch sehr viel – das geht nur mit Feedback.

Und zu guter Letzt natürlich Verlage/Autor*innen, die ihre eBooks gerne als Download-Code anbieten wollen, und Blogger*innen, die gerne an dem Beta-Test für das Zählpixel-Projekt teilnehmen wollen. Diese müssen übrigens keinen Vertrag mit der VG Wort abgeschlossen haben, um daran teilnehmen zu können.

Wo finden wir Sie im Internet?

Bildquelle: Nadia von Prümern

One comment

  1. „weiße Männer senden bitte einen Brief“
    Hoffentlich ein Scherz, ich müsste mich sonst diskriminiert fühlen.
    Eine Anmerkung zur VG Wort: Einen Wahrnehmungsvertrag abzuschließen, kostet nichts. Es hat auch keine unangenehmen Folgen.

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