Linus Giese: Ich arbeite als quereinsteigender Buchhändler in der Buchbox in Berlin

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Linus Giese

Ich bin Linus Giese, ich bin 32 Jahre alt und habe in meinem ersten Leben Germanistik studiert. Momentan arbeite ich als quereinsteigender Buchhändler in der Buchbox in Berlin. Nebenbei betreibe ich seit sieben Jahren den Literaturblog Buzzaldrins Bücher, auf dem ich – mittlerweile leider nicht mehr ganz so regelmäßig, aber immer noch mit derselben Leidenschaft – Bücher vorstelle, von Veranstaltungen berichte oder Autoren und Autorinnen interviewe.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Einen typischen Arbeitstag verbringe ich in der Buchbox zumeist so: ich buche neue Bücher ein, verräume die Ware, berate Kunden und Kundinnen und kümmere mich um alles, was anfällt. Da wir eine kleinere inhabergeführte Buchhandlung sind, besteht mein Job aus sehr viel mehr als dem Verkauf von Büchern. Ich trage mehr Verantwortung, habe dadurch aber auch mehr Selbstständigkeit und größere Freiheiten, indem ich zum Beispiel bestimmen kann, welche Bücher ich für meine Abteilung – ich betreue bei uns das Sachbuch – einkaufen möchte.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Ich arbeite erst seit eineinhalb Jahren im Buchhandel, verfolge die Branche aber bereits seit mehreren Jahren. Die Digitalisierung hat auch vor der Buchbranche nicht halt gemacht: eine eigene Website ist mittlerweile Pflicht, um als Buchhandlung konkurrenzfähig zu bleiben – viele Buchhändler und Buchhändlerinnen sind darüber hinaus auf allen möglichen digitalen Kanälen aktiv. Was mir zudem auch auffällt, ist, dass durch das Angebot von Lieferdiensten wie Amazon Prime die Erwartungen und Ansprüche der Kunden und Kundinnen gestiegen. Im Vergleich zu vielen anderen Branchen, gelingt es dem Buchhandel zumeist, ein Buch von dem einen auf den anderen Tag zu bestellen – und trotzdem empfinden das einige noch als zu langsam.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich blogge seit sieben Jahren über Bücher und auch wenn das Buchbloggen mittlerweile ein ganz anderes Standing hat, als noch vor sieben Jahren, sind wir weit davon entfernt, das Bloggen über Literatur zu monetisieren. Was sicherlich auch daran liegt, dass das Publikum für das, was wir tun, am Ende des Tages begrenzt ist. So kommt beispielsweise auch immer wieder das Gerücht auf, wir Literaturblogger und Literaturbloggerinnen würden uns doch eh nur selbst lesen. Mich treibt schon lange die Frage um, was ich tun kann, um noch mehr Leute für meine Inhalte zu interessieren.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Ein Thema, das mir besonders am Herzen liegt, sind Kinderbücher – ich gehe online sehr offen damit um, dass ich als trans Mann lebe und versuche tagtäglich Bücher zu finden und zu empfehlen, die es Kindern, Jugendlichen und auch Erwachsenen erleichtern können, ihre eigene Identität aber auch ihre eigene Sexualität zu entdecken. Ich freue mich über Kontakt zu Menschen, denen Kinderbücher ohne klassische Geschlechterrollen am Herzen liegen und die meinen Wunsch teilen, mit Buchempfehlungen die Welt vielleicht ein kleines bisschen besser zu machen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meinem Blog buzzaldrins.de, auf meinem Twitteraccount, bei Instagram – und wer mag, der kann auch meinen Blog ichbinslinus.de besuchen. Ich freue mich, von euch zu lesen!

Foto: Bob Sala

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