Jasmin Zipperling: Ich habe mich voll und ganz der „Autorenwelt“ verschrieben

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Jasmin Zipperling. Ich bin Autorin, Bloggerin, Teammitglied der Autorenwelt und freies Redaktionsmitglied der Fachzeitschrift Federwelt.

Als Autorin schreibe ich Bücher, als Bloggerin lese und rezensiere ich sie. Oder ich teile auf Twitter mein Leseerlebnis. Mein Prinzip ist: Wenn mir etwas gefällt, dann sage ich es und ich sage es laut.

Bei der Autorenwelt gehöre ich zu den Menschen, die die Facebook-Seite und den Twitter-Account pflegen. Ich bin also immer auf der Suche nach Blogbeiträgen, Podcasts oder Videos, die für Autorinnen und Autoren einen Mehrwert bieten, um sie auf diesen Kanälen zu teilen. Besonders freut es mich, wenn ich anschließend begeisterte Rückmeldungen erhalte, weil ich dem oder der Verfassenden dadurch mehr Reichweite generieren konnte.

Für die Literaturwettbewerbe bin ich ebenfalls zuständig. Allerdings nur für die, bei denen man ein Preisgeld, ein Stipendium oder einen Sachpreis gewinnen kann. Die laufen bei uns unter „Förderung“. Es gibt in Deutschland hervorragende Distributoren, mit deren Hilfe man Bücher im Selfpublishing veröffentlichen kann – so wahnsinnig attraktiv ist es da nicht mehr, wenn die GewinnerInnen mit ihren Geschichten einfach nur in einer Anthologie landen. Mal ehrlich: Hold my chocolate – das kann ich selbst! Bei den Förderungen schreibe ich also die Organisationen an und bitte sie die Ausschreibungen auf www.autorenwelt.de einzutragen. Anschließend weisen wir in unserem Newsletter auf diese Wettbewerbe hin. Und der hat immerhin mehr als 25.000 AbonnentInnen.

Für die Federwelt pflege ich den Twitter-Account, schreibe Artikel und halte auch immer ein Ohr offen. Ich besuche einige Veranstaltungen für AutorInnen und BloggerInnen – ich dürfte mit meinem rosa Autorenwelt-Shirt mittlerweile für viele ein gewohnter Anblick sein. Meistens sieht man mich da mit meinem Handy in der Hand – das ist da festgewachsen. Ich twittere gerne, was ich dort sehe und erlebe. Und anhand der Reaktionen auf die Tweets oder was alles unter dem Hashtag zur Veranstaltung auftaucht, kann ich sehen, was die Buchmenschen bewegt.

Fällt mir auf, dass ein Thema die Menschen dort besonders umtreibt, petze ich es meiner Federwelt-Chefredakteurin Anke Gasch – oder Sandra Uschtrin, falls es etwas für unsere andere Zeitschrift, den selfpublisher, sein könnte. Manchmal springt dabei ein Artikel raus. Nicht immer schreibe ich ihn selbst. Das wäre erstens langweilig und zweitens hat auch mein Tag nur 24 Stunden. Interessant ist doch, dass verschiedene Autorinnen und Autoren für unser Magazin schreiben. Deshalb ermuntere ich meine KollegInnen auch immer wieder, nicht vor Ehrfurcht zu erstarren sondern sich ruhig bei Anke zu melden, wenn sie einen Artikelvorschlag für die Federwelt haben. Bitte einfach in einer E-Mail erzählen wer man ist, welches Thema man für die Federwelt hat, wie man sich den Beitrag vorstellt (Interview, Artikel, Erfahrungsbericht …), welchen roten Faden es gibt, worauf man mit dem Beitrag hinaus will, welchen Mehrwert er für die AbonnentInnen bietet … sowas halt. Das Schlimmste, das passieren kann? Anke sagt freundlich nein. Oder: „nein, aber könnten Sie sich vorstellen …?“ Im besten Fall schreibt man für die Federwelt und da kann ich aus Erfahrung sagen, dass das ein wahnsinniges Gefühl ist.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

5 Uhr, der Wecker klingelt. Der erste Griff geht – na klar – zum Handy. Hab ich Nachrichten bekommen? Was läuft auf Twitter? Danach bin ich wach und nach einem Abstecher ins Bad sitze ich vor meinem Laptop. Ich beantworte E-Mails oder schreibe selbst welche, bediene auch das eine oder andere soziale Netzwerk (Twitter!!!), schreie in die Welt hinaus, was mir gefällt und was ich mag (Bücher, Autorinnen und Autoren, liebe Kolleginnen und Kollegen aus der Branche, Kinderschokolade), suche nach Blogbeiträgen für die Autorenwelt.

Wenn ich total vorbildlich bin, arbeite ich an meinem Manuskript und springe dann zur Straßenbahn, denn um 9 Uhr muss ich bei meinem Brotjob im Büro sitzen. Ich arbeite in Vollzeit als Sekretärin in der Verwaltung einer öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalt in Köln.

12 Uhr, Mittagspause. Da kann man mich manchmal am Rhein finden, vertieft in ein Buch. Denn wie soll ich in die Welt hinausschreien, welche Bücher und Schreibsuchtis ich toll finde, wenn ich nicht lese?

17 Uhr, Feierabend. Jetzt geht’s entweder aufs Laufband oder nach Hause, wo ich natürlich wieder vor dem Laptop sitze. E-Mails, social media, Manuskript, WhatsApp, Interviews, Telefonate … Meistens falle ich dann um 22 Uhr ins Bett.

Falls es auch der Beginn eines neuen Monats sein sollte, kümmere ich mich um die Literaturwettbewerbe für die Autorenwelt. Ich suche die Ausschreibungen heraus, schreibe E-Mails, halte in einer Tabelle nach, wer sich bei uns eingetragen hat und wo ich noch einmal nachfassen möchte. Ich muss zugeben, dass hier auch die Sekretariats-Jasmin durchkommt, denn meine Wiedervorlage funktioniert.

Falls es der Anfang eines geraden Monats sein sollte, gehe ich in den ersten Tagen unter. Kann man kaum anders sagen. Denn in den geraden Monaten erscheint die neue Federwelt und ich muss den Twitter-Kanal mit neuen Infos aus dem aktuellen Heft versorgen. Ich muss das Magazin also aufmerksam lesen, prüfen, ob die AutorInnen der Beiträge auf Twitter zu finden sind, Tweets planen … hach ja. Es ist anstrengend, aber ich liebe es.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Puh, das ist schwer … Ich bewege mich ja tatsächlich erst seit vier Jahren unter Autorinnen und Autoren und seit zwei Jahren in der Branche.

Ich denke, dass sich meine Aufgabengebiete grundsätzlich verändert haben. Mein Amt als Regionalkoordinatorin beim Bundesverband junger Autoren und Autorinnen e. V. (kurz: BVjA) habe ich zum Beispiel mittlerweile niedergelegt, weil ich schlichtweg zu wenig Zeit hatte. Da war meine Aufgabe, Autorenstammtische zu gründen. Einige AutorInnen kennen mich auch daher, weil ich sie damals angeschrieben habe. Mittlerweile mache ich das nicht mehr, weil ich mich voll und ganz der Autorenwelt verschrieben habe.

Dort habe ich zunächst nur beim Twitter-Account und der Facebook-Seite mitgeholfen, dann kamen die Literaturwettbewerbe hinzu. Mittlerweile repräsentiere ich die Autorenwelt auch nach außen. Wenn ich eine Veranstaltung besuche, laufe ich konsequent in meinem rosa Autorenwelt-Shirt herum. Dadurch bin ich ansprechbar und nun werde ich auch gebeten, bei Veranstaltungen und Panels aktiv mitzuwirken. Das macht großen Spaß und ich lerne immer wieder dazu.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

So sehr ich es liebe, meinen Kolleginnen und Kollegen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen – manchmal hört mein Handy nicht auf zu brummen. Da kommt eine Nachricht nach der anderen. Ich habe den Anspruch, zeitnah zu antworten, merke aber auch, dass meine eigenen Sachen liegen bleiben, wenn ich dauernd für andere da bin. „Nein“ ist das magische Wort, dass ich öfter sagen müsste. Ich werde das aber bestimmt noch lernen.

Ansonsten fände ich es super, wenn viele mal von dieser schrecklichen Bedien-mich-Mentalität wegkämen. Ich werde einfach oft um Dinge gebeten, da denke ich: „Wieso macht der das nicht selbst, wie jeder andere auch?!“ Das sind dann auch Situationen, in denen ich mittlerweile tatsächlich nein sagen kann. Aber bitte: Können wir nicht einfach mal alle mehr Respekt für einander und die Zeit der anderen entwickeln? Und ich rede jetzt nicht nur von mir. Nehmen wir zum Beispiel mal meine Blogger-KollegInnen. Wenn man dort wegen einer Kooperation oder Rezension anfragt, dann – BITTE! – kann man nicht einfach respektieren und bedenken, dass die nicht den ganzen Tag auf diese eine E-Mail warten? BloggerInnen sind freilaufende Wesen, die in ihrer natürlichen Umgebung auch einiges zu tun haben (verdammte Axt!). Überhaupt der Umgang zwischen AutorInnen und BloggerInnen – da läuft noch einiges schief. Da würde ich mich freuen, wenn noch mehr Menschen verbreiten könnten, wie ein respektvolles Miteinander möglich ist.

Bei der Autorenwelt könnten wir noch ein paar helfende Hände gebrauchen. Ja, es wäre ehrenamtlich. Das heißt aber nicht, dass man keinen Mehrwert davon hat. Wir arbeiten in einem tollen und toleranten Team und ich kann nur aus ganzem Herzen sagen, dass mir nichts in der Branche mehr Vorteile gebracht hat als meine Arbeit für die Autorenwelt.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Möglicherweise klingt das jetzt blöd, aber jeder Kontakt zu einem Menschen, der was mit Büchern kann und weiß ist mir nützlich. Entweder kann ich Menschen miteinander bekannt machen, die sich gegenseitig helfen oder einfach nur gut verstehen würden oder es könnte hilfreich für die Autorenwelt, die Federwelt oder den Selfpublisher sein.

Aber es geht ja auch nicht nur um mich: Überhaupt vernetze ich Menschen gerne miteinander, wenn ich denke, dass sie füreinander gut sein könnten. Mein jüngster „Erfolg“ in der Richtung (und ich gebe zu, dass ich mir dafür immer noch auf die Schulter klopfe): Tanja Rörsch von der Agentur „mainwunder“ und Alice Högner, die „AuthorWing“ gegründet hat. Ich habe die beiden einander vorgestellt und dabei ist der Blitz eingeschlagen. Das war fast Liebe auf den ersten Blick. Mittlerweile arbeiten sie sogar zusammen und starten jetzt im Juli 2018 ein Sommerbootcamp für AutorInnen. Der passende Hashtag dazu lautet #Autorenbootcamp18. Und ich? Meeeeega stolz auf diese beiden wunderbaren Frauen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Foto-Credits in der Reihenfolge: Miriam Wagner, Valentin Bachem (CreativeCommons-Lizenz CC-BY 2.0), Jenny vom Blog Bücherpanda, Nicole Körtgen

2 comments

  1. Cathy says:

    Sehr, sehr spannend. Interessant auch wie ähnlich unser Tagesablauf ist, wenn inhaltlich auch nicht ganz identisch. ^^
    Aber Zippi, sein Shirt ist doch nicht rosa! Das ist beere und somit viel schöner als rosa. 😉
    Und jetzt muss ich mich doch tatsächlich mal informieren, was man bei der Autorenwelt so ehrenamtlich machen kann.

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