Dania Schüürmann: Ein ewiges Problem sind die recht mageren Honorare für Literaturübersetzer

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Dania Schüürmann

Ich bin Literaturübersetzerin aus dem Portugiesischen und Niederländischen. Bisher übersetze ich vor allem aus dem Portugiesischen, dem europäischen und dem brasilianischen, stehe noch ganz am Anfang einer Übersetzerlaufbahn, möchte mich aber zukünftig auch stärker um Projekte aus dem Niederländischen und ggf. dem Französischen und Spanischen bemühen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

An einem typischen Arbeitstag gehe ich erstmal meiner übrigens sehr freudvollen „Lohnarbeit“ im Büro einer Sprachschule nach. Dort bin ich als Koordinatorin für den Bereich Deutsch als Fremdsprache tätig. Wenn ich am Nachmittag nach Hause komme, bearbeite ich meine E-Mails, trinke einen Tee und sortiere mich ein wenig. Dann arbeite ich ca. zwei bis drei Stunden konzentriert an einem Text. Am Wochenende mache ich einen Tag frei, meistens den Samstag, und gönne mir am Sonntag dann den Luxus, den ganzen Tag in Texten zu verschwinden.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Ich arbeite erst seit ca. zwei Jahren als Literaturübersetzerin, da hat sich noch nicht so viel getan. Allerdings lese ich inzwischen die Mehrheit zu begutachtender Originaltexte in der elektronischen Version, seit ich auf meinem Tablet mit einem Stift in PDFs Notizen machen kann. Vor allem für die Entdeckung neuer Stoffe, wenn ich mich durch die Neuerscheinungen etwa der brasilianischen Verlage lese, finde ich das sehr praktisch. Für mich macht diese Möglichkeit E-Books erst so richtig interessant.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Naja, Geld ist ein ewiges Problem bzw. die recht mageren Honorare für Literaturübersetzer. In der Praxis bedeutet das, dass ich die eigene Arbeit als Übersetzerin nur machen kann, weil ich auch in einer festen Anstellung arbeite. Die Arbeitsbelastung ist dadurch ziemlich hoch. Nur vom Übersetzen zu leben, bedeutet aber auch, dass man ständige Geldsorgen hat und eigentlich jeden Auftrag annehmen muss, da habe ich jetzt mehr Unabhängigkeit. Ich würde mir jedoch wünschen, dass Literaturübersetzer so bezahlt werden, dass sie auch von ihrer komplexen und anspruchsvollen Arbeit leben können.

Außerdem interessieren mich natürlich die Umbrüche auf dem Buchmarkt sehr. Ich bin ja überzeugt, dass für eine Übersetzung als Text im Bereich E-Book sehr viel mehr möglich wäre. Wenn man eine Übersetzung als eine eigene literarische Gattung betrachten würde, könnte man sich spezifisch Gedanken dazu machen, wie die Möglichkeiten eines elektronischen Buches hier genutzt werden könnten – zum Beispiel durch die zusätzliche Verfügbarkeit von Materialien, die der Übersetzer während seiner Arbeit konsultiert, durch die Einblendung des Originals an bestimmten Stellen oder eine Interlinearübersetzung etc. Ich würde gerne in diese Richtung denken und etwas entwickeln und suche noch nach Möglichkeiten das umzusetzen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Mich würden vor allem Kontakte zu anderen Leuten interessieren, die sich mit Übersetzung und den Möglichkeiten des E-Books beschäftigen. Sowieso – jeder darf mich gerne kontaktieren. Ich freue mich immer über produktive und geistreiche Begegnungen!

Wo finden wir Sie im Internet?

Man findet mich unter www.daniaschuurmann.de. Auf meinem Blog PALAVRARA versuche ich regelmäßig das Eine oder Andere zu posten. Auf Facebook und Twitter bin ich auch vertreten.

Foto: Dania Schüürmann

3 comments

  1. Gerald says:

    Ist es üblich, dass Übersetzer am Erfolg eines Buchs beteiligt werden? (Dann sollte zumindest bei Bestsellern ein gutes Honorar herausschauen.)

    Freundliche Grüße

    • Hallo Gerald! Ja, Übersetzer werden üblicherweise am Erfolg eines Buchs beteiligt. Sofern ein Verlag die 2014 beschlossenen Gemeinsamen Vergütungsregeln (GVR) beachtet, auch schon ab dem ersten Exemplar. Allerdings halten sich viele Verlage nicht an diese Regeln und für einen Großteil der Bücher wird dann erst eine Beteiligung gewährleistet bei über 5000 oder 10000 verkauften Exemplaren und die Mehrheit der Bücher wird eben nicht so gut verkauft. Hat man das Glück einen wirklichen Bestseller übersetzt zu haben, kann sich das aber lohnen! Grüße, Dania

      • Gerald says:

        Danke Dania für deine Auskunft! Dann wünsch ich dir bald den passenden Bestseller – und einen guten Vertrag!

        Vielleicht gibt’s im Selfpublishing-Umfeld Autoren, die sich über ein Übersetzungsangebot freuen würden.

        Herzliche Grüße

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