Claudia Dürr: Ich forsche zu Gegenwartsliteratur und Praktiken im literarischen Feld

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Claudia Dürr

Ich bin Literaturwissenschaftlerin und forsche zu Gegenwartsliteratur und Praktiken im literarischen Feld. Aktuell stelle ich am Wiener Institut für Germanistik mit Kollegen eine Kommentierte Werkausgabe des österreichischen Schriftstellers Werner Kofler fertig und bin mit Fragen digitaler Editionswissenschaft befasst. Zudem arbeite ich seit einigen Jahren zum Thema Social Reading. Wie sprechen Leserinnen und Leser in privaten Lesekreisen über ihre Lektüren? Das untersuchen wir in einem Team an der Universität Klagenfurt empirisch.

Ab Herbst beschäftige ich mich in einem intermedial angelegten Forschungsprojekt u.a. mit der digitalen Vermittlung von Hörspielen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Die methodischen Herausforderungen der jeweiligen Projekte sind unterschiedlich: Für die Erstellung des Kommentars zur Werner-Kofler-Werkausgabe recherchiere ich am Computer, in Bibliotheken oder arbeite am Nachlass am Robert-Musil-Archiv in Klagenfurt. Die Anspielungen im Werk Koflers, die wir erläutern, reichen vom literarischen Zitat über historische Details bis zu Comics und regionalen Sagen, das bringt die Arbeit an diversen Quellen mit sich! Momentan finalisieren wir die Online-Version des Kommentars, das bedarf entsprechender Arbeitssitzungen mit unseren Kooperationspartnern für Programmierung und Grafik.

Für die empirische Lesekreis-Forschung nahm ich als teilnehmende Beobachterin regelmäßig an den Treffen einer Wiener Gruppe teil, um Daten zu erheben. Mittlerweile bereiten wir die Publikation zur Studie vor, und ich schreibe an Vorträgen zum Thema.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Manchmal gehen individuelle Forschungsinteressen mit größeren Entwicklungen und entsprechender Förderpolitik einher, wie im Fall von Digital Humanities, für mich auch künftig ein relevanter Forschungsbereich, nicht nur im Zusammenhang mit digitalen Editionen. Wie wird die computergestützte Analyse von Texten unsere Vorstellung von literaturwissenschaftlicher Tätigkeit verändern?

Der Fokus meiner Arbeit hat sich in den letzten Jahren von der intensiven Beschäftigung mit kreativen Schaffensprozessen hin zur Rezeption verschoben, vom Erforschen des Schreibens hin zum Lesen. Diese Bewegung korrespondiert auch mit aktuellen Fragestellungen der Buchbranche: Ich denke, wir brauchen eine Rezeptionstheorie mit Blick auf konkrete, reale Leserinnen und Leser.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Geisteswissenschaften sind regelmäßig damit konfrontiert, ihre gesellschaftliche Relevanz unter Beweis zu stellen. Ich halte Vermittlungsarbeit für ausgesprochen wichtig und notwendig. Wie man mit teils polemischer Wissenschaftskritik und Forderungen nach breitenwirksamer Komplexitätsreduktion wissenschaftlicher Erkenntnisse umgeht – ja, dafür suche ich Lösungen und gerne Mitstreitende.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Nicht nur konkrete Forschungsvorhaben profitieren von Kooperation und Austausch, vor allem Debatten mit gesellschaftspolitischer Dimension wie jene um den Stellenwert von Literatur und Literaturwissenschaft sind nur gemeinsam zu führen. Zudem interessiert mich die Schnittstelle Wissenschaft/Literaturbetrieb – und entsprechende verbindende Initiativen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf der Seite der Universität Wien oder via Twitter.

Bildquelle: Claudia Dürr

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