Carolin Schmidt und Margaret Schlenkrich: Unser Konzept der installativen Literaturausstellung gibt es bislang noch nicht

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Wir sind das Kollektiv »kaboom«, bestehend aus der Literaturwissenschaftlerin Carolin Schmidt und der Szenografin Margaret Schlenkrich. Unser Ziel ist es, Texte durch Kunstaktionen sowie Installationen zum Leben zu erwecken und so einen neuen, sinnlichen Zugang zu Literatur zu schaffen. Insofern spielen Bücher bei uns vor allem zu Beginn des Prozesses eine Rolle. Im Ergebnis steht der inszenierte Text im Vordergrund, der in neuem Gewand erscheint.

Um einmal ein Beispiel zu nennen: Wir haben gerade das Food-Art-Konzept „A Poem for Dinner/ Ein Gedicht – Ein Gericht“ entwickelt. Die Idee: vier Kreuzberger Restaurants und ihre Köch:innen bekommen ein Gedicht vorgesetzt und komponieren ein davon inspiriertes Gericht, das für jeweils einen Monat auf der Speisekarte zu finden sein wird. Als Gedicht haben wir „This is Just to Say“ von Willim C. Williams gewählt, da es bei einem Minimum an Worten ein Maximum an Bedeutungsebenen eröffnet. Wir haben uns gefragt, ob diese Klarheit und dieser Witz in ein Gericht übersetzt werden kann. Zudem wird das englische Gedicht, passend zur jeweiligen Küche, in drei Sprachen/ Dialekte übersetzt: Deutsch, Schweizerdeutsch und Arabisch.

Wer Lust hat, ein Gedicht zu kosten, ist herzlich zum Eröffnungsdinner am 14. Dezember um 19 Uhr in das Restaurant Wildeküche eingeladen.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Immer wieder neu. Wir haben beide andere Projekte nebenher. Zwei Tage in der Woche arbeiten wir zusammen, ansonsten kommunizieren wir über unsere (viel zu volle) Dropbox. Die Arbeit besteht bislang hauptsächlich aus der Recherche neuer Texte und Autor:innen, aus Antrag schreiben, Antrag schreiben, Antrag schreiben, aus Netzwerken und aus der Konzeption unserer Projekte.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Wir sind zwar nicht neu im Kulturbetrieb, aber unser Konzept der installativen Literaturausstellung gibt es bislang noch nicht. Diese Freiheit ist oft beflügelnd, aber auch manchmal anstrengend, weil es keine „passende Schublade“ für uns gibt. Wir bewegen uns zwischen verschiedenen künstlerischen Disziplinen und tasten so neue Möglichkeitsräume ab.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Wir suchen noch jemanden, die/der sich gerne mit Zahlen beschäftigt und uns bei der Antragstellung unserer Projekte unterstützt. Außerdem gibt es noch kein Netzwerk, das Autor:innen, Künstler:innen und Ausstellungsorte verbindet – das wollen wir ändern.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Wir sind immer interessiert an Autor:innen und ihren Texten, aber auch an der Kooperation mit Künstler:innen und anderen Kulturschaffenden. Ansprechen können uns Museen, Literaturhäuser oder Galerien; Menschen, die Schaufenster besitzen und diese mit installativer Literatur gestalten lassen möchten; aber natürlich auch Sponsor:innen oder Interessierte.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.freethetext.de, Instagram: @kollektiv_kaboom, E-Mail: kaboom@freethetext.de

 

Fotos: 1. Foto: © Claudia Katzmarski 2. Foto: © Kollektiv »kaboom«

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