Asal Dardan: Ohne Gespräche könnte ich vieles gar nicht formulieren

Die folgenden sechs Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Asal Dardan

Heute würde ich mich als Autorin bezeichnen, aber ich bin auch Kulturwissenschaftlerin. Früher habe ich für Filmfestivals gearbeitet, vor allem als Kuratorin. In all dieser Zeit war ich aber schon immer Leserin. Ich eigne mir Bücher an, unterstreiche und kommentiere, werfe sie in meinem Kopf zusammen mit anderen. Ich nutze sie, um meine Gedanken zu schärfen und um eigene Texte zu schreiben. Ich habe einen Sammelband zur filmischen Erinnerung an den Holocaust bei Bertz + Fischer herausgegeben, ein paar Sachen lektoriert, im Moment arbeite ich an meinem ersten eigenen Essayband.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Meine Tage sind um meine Kinder herum strukturiert. Wenn sie zu Hause und wach sind, arbeite ich nicht. Ich habe keine typischen Arbeitstage. Manchmal lese oder recherchiere ich mehr, dann schreibe ich. Ich wechsle auch immer die Orte, an denen ich arbeite, mir ist Routine einfach fremd.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Meine Arbeit ist einsamer geworden, früher habe ich mit Menschen gearbeitet, in Büros, Kinos und auf Bühnen, später in Seminaren. Heute bin ich mir selbst überlassen. Aber es wäre falsch, zu denken, dass Texte, oder zumindest meine Texte, nicht immer auch in der Auseinandersetzung mit anderen entstehen. Ohne Gespräche mit Menschen meines Vertrauens könnte ich vieles gar nicht formulieren. Aber ich muss das schon selbst machen, mir sagt niemand mehr, was von mir verlangt wird.

Was ist ein Problem, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich glaube nicht so sehr an Lösungen, mir reicht es schon, wenn ich Probleme besser verstehe. Ich glaube, ich möchte dazu beitragen, dass sie in ihrer Komplexität gesehen werden, damit zumindest einfache Lösungen weniger naheliegend erscheinen. Darum geht es häufig in meinen Texten und in meiner Arbeit.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Für Tabletalk Europe (früher An einem Tisch), suche ich immer Kontakt zu Menschen, die über ihre Erfahrungen mit Migration und Exil sprechen möchten. Ansonsten freue ich mich über alle, die Texte von mir haben oder fördern möchten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Im Moment vor allem auf Twitter und auf mojoreads, wo ich vor allem Bücher zu den Themen Pluralismus und Erinnerungskultur bespreche und empfehle.

Bildquelle: Asal Dardan

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