Präraffaelitische Girls kommen in deine Gegenwart und machen Stress – mit gutem Grund

Von Christiane Frohmann

Konzept

Die jungen Frauen auf Gemälden präraffaelitischer Maler sehen immer gleichzeitig attraktiv und entseelt aus. Als »schöne Leichen« verkörpern sie das Weiblichkeitsideal des späten 19. Jahrhunderts. Ich animiere die präraffaelitischen Girls zurück aus der Zukunft, indem ich sie eigensinnige Betrachtungen zu digitalkulturellen, allgemeinen ästhetischen und aktuellen gesellschaftspolitischen Phänomenen anstellen lasse. So weise ich einerseits auf zurückliegende Ungerechtigkeit hin und versuche andererseits, die Gegenwart nicht wieder zum Spukschloss voller stummgemachter Menschen werden zu lassen – Ersteres performativ, Letzteres performativ und inhaltlich.

***Präraffaelitische Girls wollen aber nicht über den kunsthistorischen Begriff des »Präraffaelismus« diskutieren, alle Bilder sind von ihnen konzeptuell de- und rekontextualisiert worden.***

 

Präraffaelitische Girls kommen in deine Gegenwart und machen Stress – mit gutem Grund

 

Ist »Girl« nicht ein problematischer Begriff?

Ja, er ist das neue »Fräulein«, aber genau deshalb nutze ich ihn mit einer Geste maximaler Selbstermächtigung, lasse sie »girlsplainen«. Sobald Vergangenheit und Gegenwart zufriedenstellend überarbeitet worden sein werden, kann man gern auf den Begriff »Girl« verzichten, im Augenblick leistet er der performativ aufklärerischen Sache gute Dienste. Als PGexplaining sprechen außerdem keine physisch realen Frauen, sondern virtuelle Characters.

 

Präraffaelitische Girls kommen in deine Gegenwart und machen Stress – mit gutem Grund

 

Ist das ein Meme?

Der optischen Erscheinungsform nach ja, der Produktionsform nach nicht, weil es nur eine einzige Urheberin gibt und explizit nicht zur Nachahmung angehalten wird. Es sieht aus wie ein Meme, ist aber keines.

Ist das Wissenschaft?

Dem Inhalt, also den vermittelten Erkenntnissen nach, relativ oft, der Form nach absolut nicht. Ich könnte zu den Themen auch wissenschaftliche Aufsätze oder Essays schreiben, würde damit aber nur einen Bruchteil der Leute erreichen. Da es mir primär um die Vermittlung von Denkanstößen, nicht um meine persönliche akademische Reputation geht, habe ich die zugänglichere kurze und unterhaltsame Hybridform gewählt.

Ist das Literatur?

Ja, genuin digitale Literatur, zumindest meinem Verständnis nach.

 

Präraffaelitische Girls kommen in deine Gegenwart und machen Stress – mit gutem Grund

 

Ist das urheberrechtlich geschützter Inhalt?

Die mit und in den Texten formulierten neuen Konzepte, neuen Begriffe sowie die Texte und mit Text versehenen Bilder selbst sind mein geistiges Eigentum.

***Teilt, so viel ihr wollt, aber wenn ihr etwas woanders hin mitnehmt, zitiert bitte ordentlich.***

Die unbearbeiteten Bilder sind gemeinfrei.

***Nein, ich beantworte weder, wo ich sie gefunden habe noch, wer die Maler sind, denn ich bin keine unbezahlte Assistentin des Internets. Mir sind die Bilder ja auch nicht einfach zugeflogen, die Präraffaelitischen Girls sind sehr viel Arbeit, diese geschieht überwiegend unbezahlt. Quellen nenne ich nur, wenn die Bilder von Malerinnen stammen, dann veranschlage ich das aufklärerische Interesse höher als den Schutz meiner Arbeit.***

 

Wo kann ich die Präraffaelitischen Girls lesen?

online

Twitter (überwiegend in deutscher Sprache)

Instagram (in English language)

PRÄRAFFAELITISCHE GIRLS ERKLÄREN SCHÖNHEITS-ARBEIT UND -GEFÜHL, Reihe im I LOVE YOU MAGAZINE, seit Februar 2019

Ab 19. Januar 2020 jeweils am Sonntag hier bei ORBANISM: die Instagram-Posts der letzen Woche zusammengefasst, zusätzlich in deutscher Sprache

offline

Präraffaelitische Girls erklären das Internet, KLEINE FORMEN: Berlin 2018, Hardcover mit Lesebändchen, 148 Seiten, davon 70 in Farbe, ISBN: 978-3-944195-96-4, EUR 29,90

Christiane Frohmann

Pre-Raphaelite Girls Explain the Internet, translated by Eric Jarosinski (aka NeinQuarterly), KLEINE FORMEN: Berlin 2019, hardcover edition with ribbon, 149 pages, 70 in colour, ISBN: 978-3-944195-96-4, EUR 29,90

Christiane Frohmann

»Präraffaelitische Girls erklären heimlich-unheimliche Ikonografien«, in: Katrin Lange / Nora Zapf (Hg.), Screenshots. Literatur im Netz, edition text + kritik: München, November 2019, 182–189

 

Real-Life-Lesungen

17. Mai
Burg Hülshoff, Havixbeck
(genauere Info folgt)

In der Vergangenheit haben die Präraffaelitischen Girls u. a. schon im Literarischen Colloquium am Wannsee, beim Zündfunk Netzkongress, beim ersten Insert Female Artist-Festival in Köln, bei KOOKread in Berlin und an der Universiät Greifswald gelesen.

 

Kontakt

Rezensions-PDF-, Lesungs- und Interviewanfragen bitte an Christiane Frohmann (cf at orbanism com) richten.



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