#endclickbait für verschiedene Lerntypen

Liebe Internetmenschen,

der Rechtsruck geht von Personen und Gruppen aus, die nur sich und »ihren Leuten« ein gutes Leben gönnen und dafür andere in deren Existenz angreifen. Medial verstärkt und dadurch gesellschaftliche Realität wird er aber auch von Menschen, die genau solch eine unsoziale Position kategorisch ablehnen. Es gibt eine negative Form von Partizipation, die sich dem eigenen Getriebensein, der Gier nach Aufmerksamkeit und Sichlebendigfühlen verdankt. Diese zerstörerische Form findet sich geballt im Phänomen Clickbait.

Ich habe seit 2018 in unterschiedlichen Textformen, -stilen und -tönen versucht, Clickbait zu »erklären«, damit möglichst viele Menschen beschließen, sich die Mitwirkung daran aktiv abzugewöhnen. Es war nicht sehr erfolgreich. Deshalb poste ich einige Varianten noch einmal in einem Sammeltext, vielleicht wirken verschiedene Perspektiven zusammen ja plausibler.

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I Ästhetisierter Tweet

#endclickbait für verschiedene Lerntypen
Quelle: https://twitter.com/PGexplaining/status/1036542769664352256?s=20

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II Sachlicher Text: End Clickbait

Clickbait ist, wenn Medien(häuser) gegen besseres Wissen in einem Teaser oder einer Überschrift grell andeuten, was oft in direktem Widerspruch zum im Artikel Gesagten steht, um unspektakuläre Inhalte spektakulär interessant erscheinen zu lassen.

Clickbait ist, wenn Medien(häuser) gegen besseres Wissen in einem Teaser oder einer Überschrift grell andeuten, was Menschen(gruppen) diskriminiert und oft in direktem Widerspruch zum im Artikel Gesagten steht.

Clickbait ist, wenn Medien(häuser) Artikel oder Bücher mit reißerischen Inhalten veröffentlichen, nicht um aufzuklären, sondern um aufzuwiegeln, was Klicks, Aufmerksamkeit, Relevanz als Werbemedium, Geld bringt.

Clickbait ist, wenn Medien(häuser) sich bewusst journalistisch, wissenschaftlich oder/und moralisch untragbare Schreibende halten, weil diese wie Kampfhunde auf andere losgehen, was zu Entrüstung führt und Klicks, Aufmerksamkeit, Relevanz als Werbemedium, Geld bringt.

Clickbait ist, wenn Medien(häuser) marginalisierte Menschen, die ihnen eigentlich schnuppe sind, vorübergehend schreiben, sprechen, publizieren lassen, sie also objektifizierend vor den eigenen Karren spannen, weil es gerade Trend ist und Klicks, Aufmerksamkeit, Relevanz, Geld bringt.

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Clickbait führt dazu, dass Menschen immer weniger komplex und differenziert Medien konsumieren, rezipieren, analysieren, was sie nachhaltig in ihrem Urteilsvermögen deformiert. Es ist das Gegenteil von Aufklärung und widerspricht dem journalistischen und publizistischen Ethos.

Die einzig vernünftige Reaktion auf Clickbaiting ist, den Köder nicht zu schlucken. Auch nicht ab und zu. Auch nicht, wenn man gerade etwas außer Affektkontrolle ist. Einfach nicht.

Die sofort wirksame, vernünftige Maßnahme, um Clickbait strukturell vorzubeugen, ist das vielfältige Besetzen von Redaktionen und Verlagen.

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Es ist jetzt die moralische Pflicht von Individuen und die professionelle von Strukturen, sich bewusst zu deprogrammieren und auf Clickbait zu verzichten.

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Quelle: https://mojoreads.de/articles/End-Clickbait–253f1773-74b4-4743-9f85-8c4087c6aa2f

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III Witziger Tweet mit sachlichem Hashtag

#endclickbait für verschiedene Lerntypen
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Quelle: https://twitter.com/FrauFrohmann/status/1179750227051462658?s=20

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IV Twitter-Thread mit unterhaltsamer Hashtagaktion

Ein Vorschlag. Wenn ihr euch über wirklich skandalöse Sachen aufregen wollt, die aber ganz klar vor allem Clickbait sind, so wie gestern der den Gedenktag instrumentalisierende Politiker oder heute der Komiker gegen junge Aktivistinnen, dann …

… teilt keine Links, nennt keine Namen, zitiert nicht, SONDERN UMSCHREIBT. Seid kreativ, dafür ist Twitter doch da. Und benutzt nicht das Hashtag, das die Lurche wollen, sondern #lurchcontent.

Es ist #lurchcontent und muss wie #lurchcontent behandelt werden. Amüsiert euch ruhig, regt euch auf, aber verstärkt bittebittebitte nicht reaktionäre Bewegungen.

Diejenigen, die schon wissen, worum es geht, nehmen dann auch #lurchcontent und reden mit. Die, die noch bei »Häh?« sind, reißen sich kurz zusammen, klicken nicht wie wild rum, sondern fragen bei Person, die #lurchcontent benutzt hat per DM nach.

#lurchcontent kann man nur mit #lurchcontent bekämpfen. Es könnte wunderschön werden. #endclickbait

Wenn zu Beginn, bis man gecheckt hat, dass es Clickbait ist, ein paar Leute klicken – kein Problem. Es zählt, dass von Mal zu Mal immer weniger Menschen Clickbait klicken, sondern stattdessen #lurchcontent verbreiten. Dann könnte das ernsthaft nach und nach uninteressant werden.

Bitte auch nicht einzelne Leute abkanzeln, die aktuellen Clickbait noch nicht erkannt haben, das merken die dann schnell selbst, wenn #lurchcontent kommt – und, seid ehrlich, niemand ist jeden Tag gleich gut vor Clickbait gefeit.

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Quelle: https://twitter.com/PGexplaining/status/1222140005973446658

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V Sachlicher, naja, leicht ungehaltener Twitterthread

Performativer Widerspruch ist, in einem Tweet mit Hashtag zu fragen, warum komplett bedeutungslose Person plötzlich Bedeutung haben soll. Darum.

Im gleichen Moment fragen auch noch 1.000 andere in einem Tweet mit Hashtag, warum komplett bedeutungslose Person plötzlich Bedeutung haben soll. Darum.

Einen Moment später fragen schon 10.000 andere in einem Tweet mit Hashtag, warum komplett bedeutungslose Person plötzlich Bedeutung haben soll. Darum.

Wenn es inhaltlich reaktionär ist, schreibt spätestens dann auch die Arschpartei einen Tweet, der sich rasend schnell verbreitet. Und jetzt die schlechte Nachricht. Die tun mit Vorsatz das, was die 11.001 anderen in ihrem gerechten Zorn unabsichtlich getan haben.

Eine komplett bedeutungslose Person bekommt in aller Regel plötzlich Bedeutung, wenn Clickbait ihr dazu verhilft.

Solange ihr jeden Tag den Clickbait – sehr oft eines ganz bestimmten Medienhauses – verbreitet, wird es gesellschaftlich immer menschenverachtender werden. Die Grenzen des Sagbaren verschieben sich vor allem, weil die Unsäglichkeiten Einzelner instant umfassend verbreitet werden.

Seht mal in den Spiegel und fragt euch, ob ihr wirklich die unbezahlten Praktikannt*innen des Rechtsrucks sein möchtet. #endclickbait

Hier im Account mindestens schon zehnmal erklärt. Trotzdem jeden Tag vor allem auch Journalist*innen ganz vorne dabei, entrüstet Hetze zu verbreiten. Als ob man solchen Clickbait-Rotz noch analysieren müsste. Hallohallohallo: Auch performativ NICHT MIT RECHTEN REDEN.

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Quelle: https://twitter.com/PGexplaining/status/1223243348674338821

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VI Vordergründig leichtfüßiges Gedicht

#endclickbait für verschiedene Lerntypen

CLICKBAIT-ALLEGORIE
Eigentlich mag ich kein Mon Chéri,
aber ich habe trotzdem neun gegessen.

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Quelle: https://twitter.com/FrauFrohmann/status/1223313448928514048?s=20

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Uff.

Wisst ihr was – vielleicht muss es einem ja gar nicht mit Witzen und partizipativem Fun schmackhaft gemacht werden, sich vernünftig zu verhalten und etwas ausnahmsweise mal nicht Ambivalentes, sondern ganz klar Richtiges zu tun. Vielleicht bekommt man das ja aus eigenem Antrieb hin, weil man doch 24/7 bemüht ist, sein Gutsein zu performen. Das wäre doch mal was.

End clickbait.



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