Sophie Burger: Ich bin Gründerin der Audiowalk-Plattform Storydive

Die folgenden Fragen unserer Interviewreihe werden seit 2009 regelmäßig von interessanten Menschen beantwortet, die „was mit Büchern“ bzw. Publishing machen, und hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf Buchmenschen und Publisher*innen lenken und die zum anderen Veränderungen und Herausforderungen in den unterschiedlichsten Bereichen des Publishing sichtbar werden lassen. Unser Ziel damit ist es, die Menschen noch enger in den Kontakt und Austausch zu bringen.

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern oder im Bereich Publishing?

Sophie Burger

Sophie Burger: Ich bin Gründerin der Audiowalk-Plattform StorydiveIch bin Gründerin der Audiowalk-Plattform Storydive und unterstütze Autor*innen dabei, das Format Audiowalk für sich zu entdecken. Ein Audiowalk lässt seine Zuhörer*innen in die Fußstapfen der Hauptfigur schlüpfen und macht dabei die Umgebung zum Schauplatz. Das bietet einige Herausforderungen, aber auch tolle Möglichkeiten beim Erzählen.

Zum Audiowalk habe ich über mein interdisziplinäres Studium der Theater-, Film- und Medienwissenschaft gefunden. Er verbindet Literatur, Theater, filmisches Erzählen, Hörspiel und neue Medien. Gerade die Nähe zum Film überrascht viele, aber welches andere Medium nutzt das räumliche Setting so geschickt, um Emotionen und Konflikte erfahrbar zu machen? Bevor ich Storydive gegründet habe, war ich Kinobetreiberin und davor Mitglied eines Kollektivs für ortsspezifische Performance. Das Thema umgebungsbezogenes Erzählen und die Wirkung von Orten begleiten mich also schon eine ganze Weile.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Meine Aufgaben bewegen sich zwischen Organisation, Lektorat und Öffentlichkeitsarbeit, das heißt ich verbringe viel Zeit am Schreibtisch und (vor Corona) auch viel unterwegs, um Autor*innen zu treffen und Audiowalks vor Ort zu konzipieren oder auszuprobieren. Zu meinem Arbeitstag gehört auf jeden Fall ein Spaziergang am Nachmittag. Ich kann beim Laufen einfach am besten denken und planen.

Wie verändert sich Ihre Arbeit durch die fortschreitende Digitalisierung?

Früher habe ich selbst Audiowalks für Auftraggeber wie Theater und Museen geschrieben und produziert, war aber frustriert darüber, wie kompliziert der Zugang dazu war und wie eng das Format gedacht wurde. Man musste diese Arbeiten zum Beispiel zu festen Zeiten hören oder sich ein Gerät ausleihen. Das Publikum kam über die Institutionen und war entsprechend wenig divers.

Jetzt verfüge ich mit der Storydive App über eine eigene Plattform, die näher an den Nutzer*innen dran ist und gleichzeitig das Format für viele Autor*innen überhaupt erst spannend macht, weil es wirklich ums Erzählen geht und nicht um Wissensvermittlung. Die App haben wir nach dramaturgischen Anforderungen entwickelt. Es gibt zum Beispiel zwei getrennt voneinander laufende Tonspuren, um Geschwindigkeits- und Stimmungswechsel dynamisch gestalten zu können sowie die Möglichkeit, interaktiv zu erzählen.

Als ich vor 10 Jahren angefangen habe, Audiowalks zu schreiben, gab es dazu kaum Hilfestellungen und die verwendeten Technologien waren eher Hürden als eine Entlastung. Ich habe mir jede Menge Strategien und Arbeitsabläufe selbst erarbeitet. Dieses Wissen gebe ich jetzt weiter. Ich schreibe zum Beispiel einen Blog, gebe Workshops und entwickle Tools, die anderen dabei helfen, eigene Audiowalks zu verfassen.

Sophie Burger

Welche Erfolge konnten Sie in letzter Zeit feiern?

Mitte September 2020 haben wir die Storydive App mit zehn Audiowalks in acht Städten gelauncht. Fünf dieser Audiowalks sind im Rahmen unseres Ideenwettbewerbs »Unter dem Pflaster liegt der Strand« entstanden, für den wir mehr als hundert Einreichungen hatten. Für die Umsetzung haben wir erstmals mit Autor*innen in ganz Deutschland zusammengearbeitet. Coronabedingt alles remote. Das hat erstaunlich gut geklappt.

Außerdem konnten wir beim »Junge-Innovatoren«-Programm des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg überzeugen und erhalten damit nach dem Exist-Stipendium des Bundes eine weitere Jahresförderung für Storydive.

Wo hakt es? Was ist eine Herausforderung, für die Sie eine Lösung suchen?

Wir stehen vor der klassischen Plattform-Herausforderung: wie können wir für Nutzer*innen relevant sein, obwohl wir erst wenige Inhalte haben? Und wie können wir Autor*innen zum Schreiben begeistern, solange die Nutzerzahlen noch relativ klein sind? Das ist eine Art Henne-Ei-Problem, aber wie es aussieht, sind die Autor*innen bereit, den Weg mit uns zu gehen.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren? Welche Art von Kontakten wäre hilfreich?

Wir sind auf der Suche nach Multiplikator*innen – Menschen, die sich für das Format Audiowalk begeistern und uns helfen möchten, es bekannter zu machen. Aktuell haben wir Audiowalks in Berlin, Hamburg, München, Frankfurt, Karlsruhe, Radolfzell, Wolfenbüttel und Kassel, die darauf warten, gehört zu werden. Jede*r, der/die uns Feedback dazu gibt, hilft uns dabei, Storydive besser zu machen.

Projektideen von Autor*innen, Publishern, Städten, Institutionen oder lokalen Unternehmen sind natürlich ebenfalls willkommen. Wir suchen Menschen, die Lust haben, gute Geschichten in einem spannenden Medium zu erzählen. In der App gibt es Platz für alle Genres – vom Krimi oder Thriller über die Liebesgeschichte bis hin zu Fantasy und Science-Fiction. Besonders spannend ist das Format auch für Cross Media Storytelling.

Wo finden wir Sie im Internet?

Mehr über Storydive und die einzelnen Audiowalks finden Sie unter www.storydive.de. Dort gibt es außerdem meinen Blog für Autor*innen zum Thema Audiowalk-Schreiben.

Die App können Sie über:

Auf Social Media sind wir hier aktiv:

Wen sollten wir auch mal fragen? Wer macht Zukunftsweisendes im Publishing?

Unser Mentor, Prof. Dr. Michael Müller vom Institut für angewandte Narrationsforschung an der Hochschule der Medien in Stuttgart wäre sicher ein spannender Interviewpartner.

Die Abschlussfrage darf natürlich nicht fehlen: Welches Buch hat Sie zuletzt beeindruckt?

Gerade lese ich »Utopia Avenue« von David Mitchell.

 

Foto (c) Fabian Eck


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