Vito von Eichborn: Wer klagt, hat selbst Schuld

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Vito von Eichborn Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Vito von Eichborn. Weil ich a) als Dichter nicht besser wäre als andere, b) auf allen Feldern halbgebildet und für nichts Spezialist bin, mache ich c) alles rund ums Buch. Und manches andere. Ich bin: Leser bzw. Zeitungs-, Bücher- und Manuskriptefresser. Bin: Verleger, Herausgeber, Lektor, Literaturagent, Scout, Autorenberater, Publizist, Produzent von Sonderausgaben, außerdem Ks: Kommaficker, Klappentexter, Klinkenputzer, Klugscheißer. Schreibe über Mallorca und derzeit die Holsteinische Schweiz. Ein bißchen viel? Stimmt, ich verzettel mich ständig. Meine Stärke: Ideen am laufenden Meter. Die Schwäche: Alles gleichzeitig zu wollen. Macht aber Spaß; wer klagt, hat selbst Schuld.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den gibt’s nicht. Die Woche hat sieben Tage. Morgens: Kaffee und Zeitungen. Stundenlang. Lektüre Books on Demand. Lektüre auf dem Tablett, diesunddas, ein schweres Str8ts, Publisher’s Weekly, Manuskripte. Von eins bis sieben: Bücher machen oder vermitteln. Zwischendurch: Kamin und Vögel füttern, Kater streicheln, auf den Markt oder schwimmen gehen. Abends? Dummes Zeug glotzen. Bei lauter Musik Unangenehmes wegarbeiten. Was Schönes lesen. Den Kater fürs Fußende holen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Sie hat sich vollständig in den Laptop verlagert. Als ich vor sechs Jahren vom täglichen Gang ins Büro befreit war, zog ich aufs Land an einen See. Ich arbeite viel – jedoch weitgehend nach Laune -, bastele ständig an neuen Projekten, überlasse den Verdrängungswettbewerb um Novitäten den Jüngeren, suche nach zu Unrecht vergriffenen Büchern. Daraus werden gedruckte Neuausgaben oder Ebooks, demnächst auch auf wiederlieferbar.de, oder ich vermittle die Inhalte dahin, wo sie am besten aufgehoben sind.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Nicht die Fülle an Mist ist das Problem – sondern die ungeheure Menge lesens- und lohnenswerter Inhalte.

Und Ordnung! Nach vielen Jahrzehnten mit Sekretariat – wie macht man eine Ablage? Eine Wiedervorlage? Einen Terminkalender? Sortiert die Mailadressen? Und, Hilfe: Wer pflegt meine Internetseiten?

Wo finden wir Sie im Internet?

Mich unter www.vitovoneichborn.de. Den Verlag unter www.vitolibro.de. Meinen Spleen einer Non-profit-Internetzeitung unter www.tanteziska.de. Für Neuausgaben den Shop www.wiederlieferbar.de.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Quelle 1. Bild: Nicki Wambolt
Quelle 2. Bild: Vito von Eichborn

One comment

  1. Uwe Ross says:

    Noch immer auf der Suche nach vergriffenen Büchern? Sehr schön, bin ich wenigstens nicht der Einzigste.

    Ja, wer sich einen Kater ins Haus holt, braucht sich über warme Füße keine Gedabken zu machen.

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