Uwe Wittstock: Ich bin Literaturkritiker und Literaturredakteur

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Uwe Wittstock Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Literaturkritiker und Literaturredakteur. Begonnen habe ich vor über 30 Jahren in der Literaturredaktion von Marcel Reich-Ranicki in der FAZ. Nach knapp zehn Jahren gab Reich-Ranicki die Leitung seiner Redaktion ab und ich ging als Lektor für deutschsprachige Gegenwartsliteratur zum S.Fischer Verlag. Auch das machte zehn Jahre Freude – und bevor sich die erschöpfte, wechselte ich ins Feuilleton der “Welt”, für das ich als Kulturkorrespondent aus Frankfurt berichtete. Seit 2010 bin ich jetzt Literaturredakteur des “Focus”. Was mache ich mit Büchern? Ich lese sie und versuche mir über sie eine Meinung zu bilden – vor dem Hintergrund der anderen Bücher, die ich in meinem Leben gelesen habe und vor dem Hintergrund dessen, was ich über Literatur weiß. Und dann versuche ich diese Meinung so präzise, so verständlich und so interessant wie möglich aufzuschreiben, um potentielle Leser über das Buch zu informieren.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Seit ich bei “Focus” arbeite, gibt es eigentlich keinen typischen Arbeitstag mehr für mich. 3 – 4 Tage pro Woche bin ich in der Berliner Redaktion des Focus. 1-2 Tage wöchentlich in der Frankfurter Redaktion, denn in Frankfurt wohnt meine Familie. Das Pendeln hat Nachteile, aber auch viele Vorteile, die Bahnfahrten schaffen eine Menge Zeit für das Lesen, das Kulturangebot gleich zwei großer Städte wahrnehmen zu können, ist wunderbar. Dazu gibt es in einem Nachrichtenmagazin wie “Focus” immer wieder andere Möglichkeiten und Notwendigkeiten über Literatur zu berichten – so dass sich wenig Routine einstellt. Aber ein Punkt blieb und bleibt sich immer gleich, egal ob ich für die FAZ, den S.Fischer Verlag, die “Welt” gearbeitet habe oder jetzt für Focus arbeite: Es ist zum allergrößten Teil Schreibtischarbeit.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Früher habe ich bei der FAZ und der “Welt” für Tageszeitungen gearbeitet. Focus erscheint wöchentlich. Das ändert die journalistische Perspektive. Tageszeitungen sind viel stärker an Tagesereignissen orientiert und haben Chronistenpflichten. Ein Wochenmagazin hat da mehr Freiheiten. Aber leider auch viel weniger Platz.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wie kann man noch mehr Bücher in noch weniger Zeit lesen – ohne oberflächlich zu werden oder sie nur noch lieblos in sich reinzufressen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Hompage: uwe-wittstock.de
Blog: blog.uwe-wittstock.de
Twitter: @UweWittstock

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Uwe Wittstock

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