Tobias Gohlis: Ich bin u.a. Begründer und Sprecher der KrimiZEIT-Bestenliste

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin u.a. Begründer und Sprecher der KrimiZEIT-Bestenliste. Zweck dieser Bestenliste, auf der wir monatlich die zehn besten Krimis vorstellen, ist die Förderung literarisch interessanter, thematisch ausgefallener Kriminalliteratur. “Es gibt ein Lesen jenseits von Donna Leon und Henning Mankell” ist mein Motto. In der Jury sind seit der Gründung als “KrimiWelt-Bestenliste” 2005 auf Kriminalliteratur spezialisierte Kritiker aus Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreten. Zur Zeit sind wir 18. Einen Überblick findet man unter wikipedia.org/wiki/KrimiZEIT-Bestenliste. Ich suche nach immer neuen Wegen, interessante Bücher und Autoren vorzustellen und habe deshalb u.a. für den ZDF-Infokanal Porträts von Kriminalschriftstellern gedreht. Seit 2001 schreibe ich die Krimikolumne in der ZEIT und bin außerdem für verschiedene andere Medien tätig.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Zum Glück für meine Mitmenschen arbeite ich allein zu Hause. Ich frühstücke lange und lese dabei mein erstes dickes Pensum. Wenn ich keine Deadline habe, checke ich am Schreibtisch zunächst Mails und Blogs, dann heißt es wieder Lesen und Schreiben. Da die KrimiZEIT-Bestenliste immer am ersten Donnerstag des Monats in der ZEIT veröffentlicht wird, ist mein Leben drei Wochen zuvor schon von festen Terminen bestimmt: Anfordern der E-Mail-Voten der Jury, Überprüfen und Auszählen der Voten, Lesen der mir noch nicht bekannten neuen Titel auf der Bestenliste, Kommentierung der neuen Titel und Zusammenstellung der Liste. Dann folgen Produktion und Interviews zur Bestenliste. Und das Ganze wieder von vorn. Erstaunlich ist, dass die Jurymitglieder mit ihren weit ausgefahrenen Antennen immer wieder neue interessante Kriminalromane entdecken, so dass trotz der notwendigen Routine Langeweile nicht aufkommt. Toll sind die Tage, die von diesem Schema nicht bestimmt sind: Reisen zu Autoren, Moderationen bei Festivals. Und natürlich die Lektüre aus Lust und Freude.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Nicht viel. Wichtiger ist die Wahrnehmung der Social Media geworden. Aufgrund des Krimi-Tsunamis ist allerdings die schiere Masse potenzieller Beobachtungsobjekte gewachsen. Als wir 2005 anfingen, gingen wir von 700 Neuerscheinungen pro Jahr aus, heute rechnen wir mit 2.000.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Lösungen für Probleme kann man ja eigentlich nur selber finden. Aber ich wünsche mir, dass es den Presseabteilungen bzw. Lektoraten besser gelingen möge, das literarisch oder thematische Besondere herauszuarbeiten. Das würde meiner Trüffelschwein-Nase die Arbeit erleichtern.

Wo finden wir Sie im Internet?

Die KrimiZEIT-Bestenliste wird unter www.zeit.de/krimizeit-bestenliste und beim Nordwestradio unter radiobremen.de/nordwestradio/serien/krimizeit veröffentlicht. Meine Rezensionen und Reiseberichte findet man auf meiner Homepage www.togohlis.de.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: (c) Marco Grundt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.