Riky Stock: Ich leite das German Book Office New York und das “LitAg” der Frankfurter Buchmesse

Die folgenden sechs Fragen unserer Interview-Reihe werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Riky Stock Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Riky Stock, leite seit September 2002 das German Book Office New York, Inc. und seit Januar 2013 zusätzlich das “LitAg” der Frankfurter Buchmesse und ich mache vor allem was mit Buchmenschen, aber auch was mit Büchern.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Das ist eine schwierige Frage. Der Anfang ist immer ähnlich. Ich steige aus der U-Bahn, hole mir einen Café Latte bei Ceci-Cela (und widerstehe der Versuchung, mir eines der besten Croissants in NYC zu kaufen), stelle mich dann in die immer lange Aufzugsschlange in der 72 Spring Street in Soho. Die ist so lang, weil nicht Goethe hier wohnt – wir sind Untermieter des Goethe Instituts – sondern weil auch Modedesigner Marc Jacobs seine Büros hier im Gebäude hat. Models wollen halt hoch hinauf. Zu uns in den 11. Stock, wo sich auch die Bibliothek des Goethe-Instituts befindet, kommen die allerdings nicht. Ich habe noch nie einen “Marc Jacobler” mit einem Buch gesehen. Dafür mit iPhones und iPads.

Dann begrüßen wir uns erstmal alle, die Kolleginnen und Kollegen vom Goethe-Institut, die in diesem schönen Loft an ihren Schreibtischen sitzen und dann das GBO Büro mit Thomas Minkus, VP der Frankfurter Buchmesse, Hannah Johnson, Publishing Perspectives und den Damen im GBO (meine Assistentin Grace Moss und unsere Praktikantin (alle 3 Monate wechselnd) sowie Sales Managerin Michelle Turnbach, die für die Frankfurter Buchmesse amerikanische Aussteller betreut.) Und dann geht die Arbeit los bzw. ist schon in vollem Gange, da Deutschland uns ja durch die Zeitverschiebung weit voraus ist und alle schon fleißig gemailt haben.

Ich denke jetzt mal chronologisch und da das Buchjahr mit der Frankfurter Buchmesse beginnt (und da bin ich auf derselbigen und von Alltag kann man überhaupt gar nicht mehr sprechen), fange ich mit den Tagen und Wochen nach der Frankfurter Buchmesse an, wenn die Messenachbereitung abgeschlossen ist:

Letztes Jahr im November waren wir auf der Suche nach Nachwuchsübersetzern und haben am 12.12. einen Übersetzerwettbewerb veranstaltet. Gewonnen hat Kurt Beals, ehemals Lektor bei New Directions. Außerdem haben wir Manuskripte an Leser hier vor Ort geschickt und deren Meinungen eingefordert. Auf diese haben wir uns beim New Yorker Jury Meeting bezüglich der Auswahl deutscher Belletristik für new books in german, zusammen mit den reports, die wir aus England von der Herausgeberin von new books in german erhalten haben, bezogen. Dann haben wir noch die von Geisteswissenschaften International ausgewählten Sachbücher in unserer Nonfiction Rights List zusammengestellt, die sich vor allem an amerikanische University Presses richtet.

Im Januar 2013 habe ich die Verantwortung für das LitAg der Frankfurter Buchmesse übernommen und bin also jetzt deren neue Herbergsmutter.

Im Februar war Thomas Meinecke in den USA auf Lesereise, im Februar wurde ich in die LitAg-Geheimnisse eingewiesen und im Februar befanden wir uns dann im Endspurt für die Vorbereitungen des Festival Neue Literatur. Ab sofort nehmen wir übrigens Autoren- und Buchempfehlungen für das nächste Jahr, 2014, entgegegen.

März ist ein wichtiger Monat im Kinderbuchbereich, weil dann die Kinderbuchmesse in Bologna stattfindet. Deswegen widmen wir uns diesen März auch dem Thema Kinderbuch und planen wieder eine Kinderbuchlektorenreise, die uns vom 16. bis 22. Juni nach Frankfurt und NYC führen wird. In Frankfurt wollen wir wie letztes Jahr eine Ignite/Speeddating Session veranstalten und bitten alle in Deutschland verstreuten Kinderbuchverlage, die dieses Interview lesen, sich den 18. Juni schon einmal vorzumerken. Die Teilnahme läuft über Einladung.

Im April, da mach ich was ich will und erstmal eine Woche Urlaub mit 3 kleinen, schreienden Kindern. Dann erstellen wir unsere Kinderbuch-Rights List, ich spreche auf einem PEN World Voices Panel und wir planen unseren Auftritt auf der amerikanischen Buchmesse BEA.

Im Mai veranstalten meine KollegInnen von Publishing Perspectives eine Marketing Konferenz in New York und da werden wir vom GBO auch mit anpacken. Und es finden die schon erwähnten Events, BEA und Kinderbuchlektorenreise, statt.

Im Juli, August und September widmen wir uns dann ganz und gar den Vorbereitungen für die Frankfurter Buchmesse. Zwischendurch verschicken wir unsere Book of the Months Picks, Book Trailer, wählen wieder Titel für new books in german aus, stellen wieder eine Nonfiction Rights List zusammen, planen mit Partnern noch ein paar Literaturveranstaltungen und dann ist die Messe und dann geht alles wieder von vorne los bzw. ist alles wieder offen.

Wie hat sich Ihre Arbeit über die Zeit verändert?

Sie hat sich mit der Zeit verändert. Erst habe ich die Manuskripte, die ich prüfen musste, als ausdegruckte pdfs in der U-Bahn gelesen, während rings um mich noch das Papier der NY Times raschelte. Dann lasen ich und die Frauen um mich herum, die früher ihre Romance Novels hinter Schutzumschlägen versteckten, irgendwann auf E-Readern und mittlerweile bin ich cool und lese auf einem Tablet.

Wir posten auf facebook, tummeln uns auf youtube, bündeln unsere Ressourcen und arbeiten enger mit Partnern zusammen. Es hat sich die Form geändert, aber nicht unsere Ziele und unsere Anliegen.

Was ist ein Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Übersetzungen aus dem Deutschen spielen nur eine marginale Rolle in den USA. Man muss immer wieder gegen neue Widerstände ankämpfen: es gibt weniger Geld für Übersetzungsförderung, große Verlage suchen große Erfolge und keine kleinen literarischen Romane und so weiter und so fort.

Wer sollte Sie ggf. kontaktieren – welche Art von Kontakten wäre zurzeit hilfreich für Sie?

Falls es noch englischsprachigen Lektoren gibt, die bereit sind deutsche Bücher zu verlegen und mich nicht kennen, bitte melden!

Alle die Geld haben, um sample translation und Übersetzungsförderung zu gewährleisten, bitte melden!

Und alle Literaturagenten, die noch keinen Tisch im LitAg haben, bitte melden!

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter www.buchmesse.de und auf facebook findet man uns natürlich auch unter dem Namen German Book Office.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Riky Stock

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