Pia Ziefle: Das originäre Schreiben funktioniert nur nachts

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Pia Ziefle, wobei mich das Netz eher unter meinem twitternamen @frauziefle kennt. Vor beinahe einem Jahr ist mein erster Roman “Suna” im Ullstein-Verlag erschienen, davor habe ich in meinen Berliner Jahren
allerdings was ganz anderes gemacht, nämlich Konzepte und Drehbücher für Computerspiele geschrieben. Damals, während der Pionierzeiten um die Jahrtausendwende war das, als Spiele speziell für Kinder neu waren, und noch auf CD-ROM erschienen sind – angesichts der Datenmengen, die inzwischen einfach so im Netz zugänglich sind, ist das unvorstellbar heute. Die dramaturgischen Anforderungen oder die ganz grundlegenden Aufgaben für Spieldesigner haben sich allerdings nach meinem Dafürhalten nicht geändert.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Wenn die Kinder aus dem Haus sind, schaue ich bei rivva rein, dann in den Feedreader, dann in die Netzwerke, dann in die Mails. Dann öffne ich die aktuelle Textdatei. Obwohl ich weiß, dass ich an einem normalen Familientag mit all seinen fragmentierten Aufgabenstellungen tagsüber nicht literarisch schreiben kann. Sobald ich von anderen Autoren gelesen habe, wie diszipliniert sie trotzdem ihre Arbeit angehen, versuche ich das wieder neu. Aber es geht nicht. Erst die Überarbeitungen kann ich zu normalen Zeiten machen, das originäre Schreiben hingegen funktioniert nur nachts. Wenn alles ruhig ist und garantiert keiner mehr klingelt. Tagsüber kümmere ich mich also um alles andere, was so ansteht, und um mein Blog.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Vieles ist leichter geworden. Recherche, beispielsweise. Musste ich damals in Berlin nach Fachbüchern für mein Gebiet noch mit der Lupe suchen, ist heute schnell alles übers Netz gefunden. Gleichzeitig relativiert sich aber auch Vieles und ich stelle mir viel öfter die Frage, warum ausgerechnet ich auch noch was zu Thema x oder y beitragen soll, und ob das, was ich gerne erzählen will, wirklich so dringend erzählt werden muss. Das ist so ein bisschen die Kehrseite der globalen Vernetzung, andererseits aber vielleicht auch eine Filterblase die entsteht, sobald man mit vielen anderen Autoren vernetzt ist. Was ich aber nie mehr missen will, ist der Austausch, das spontane Ping-Pong, die nächtliche twitter-timeline, oder die rasend schnellen Hilfen – und alle diese Buchblogs, ohne die ich vieles verpasst hätte, weil es in den Feuilletons oder Literatursendungen nicht vorkommt.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Im Moment bin ich mit dem zweiten Roman befasst, vor allem mit der Storyline. Vielversprechende Szenen sind schnell da, Dialoge auch, ebenso interessante Figuren. Aber alles zusammenzubringen, damit sie heraustreten aus der ersten Idee, die ich hatte, das ist das entscheidende Ziel für mich. Erst dann wird es notwendig, von ihnen zu erzählen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Im Netz findet man mich unter piaziefle.de, auf meinem Blog denkding.de, bei twitter als @frauziefle, bei facebook und bei Google+ (zur Zeit allerdings pausiert).

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Gerald von Foris

4 comments

  1. Mara says:

    Mit Verlaub, aber der Frieling-Verlag ist als bekannter Zuschussverlag keine Option für die Veröffentlichung. Da würde ich in digitalen Zeiten lieber zum Selfpublishing auf Amazon, Smashword oder XinXii greifen und in gutes Lektorat und Layout investieren, und kann mir die Schmach und die Kosten eines solchen Verlages sparen. Davon abgesehen, dass kein mir bekannter Buchhändler oder Online-Shop Bücher aus solchen Verlagen anbietet oder überhaupt ins Sortiment nimmt oder erfolgreich verkauft … Es gibt im Digitalen viel bessere Möglichkeiten. Oder welchen Vorteil hat Ihrer Meinung nach dieser Verlag für Autoren?

    • Stephan Martin Meyer says:

      Richtig. Bevor man sich entscheidet, einem Druckkostenzuschussverlag Geld in den Rachen zu werfen, ist eine Publikation über die oben genannten Tools ratenswert. Ich versuche mich gerade bei KDP und stelle fest, dass das einigermaßen funktioniert. Die anderen Anbieter habe ich noch nicht ausprobiert, bin aber gespannt auf die weitere Entwicklung dieser Tools.

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