Lucas Lüdemann: Ich würde mich als Geburtshelfer für Bücher bezeichnen – eine Hebamme für Bücher sozusagen

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Lucas Lüdemann Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Lucas Lüdemann. Meine Tätigkeit wird als Buchredakteur, Lektor und manchmal als Projektmanager bezeichnet. Um meinen Beruf auf den Punkt zu bringen, würde ich mich als Geburtshelfer für Bücher bezeichnen. Ich sorge dafür, dass Bücher in gedruckter oder digitaler Form gesund auf die Welt kommen. Eine Hebamme für Bücher sozusagen.

Mein Schwerpunkt sind das bebilderte Sachbuch in den Bereichen Kunst, Kultur, Reisen und Lifestyle und mittlerweile würde ich mich auch als E-Book-Spezialist bezeichnen. Ich bin selbstständig und arbeite freiberuflich als Berater und Dienstleister für Verlage und Agenturen. Das mache ich unter dem Namen BOOKAMORE zusammen mit meiner Kollegin Dania D’Eramo. Wir setzen für Verlage Buch-Projekte um, sowohl im Print-, als auch im E-Book-Bereich. Unter der Geschäftsbezeichnung eBooklabs dagegen kümmere ich mich mit der Grafikerin Yvonne Schmitz um die Technik und die Konzeption von E-Books, ebenfalls als Dienstleister.

Darüber hinaus habe ich mit Dania D’Eramo und Anke von Heyl einen regionalen Kulturblog mit dem Namen divercityguides gestartet. Seit letztem Dezember sind wir online. In naher Zukunft wollen wir auch E-Books veröffentlichen. Deren Umsetzung wird eBooklabs übernehmen. Einige sehr interessante multimediale Projekte sind in Planung. Daraus soll ein E-Book-Verlag werden rund um Kultur- und Reisethemen, die einen starken regionalen Bezug haben.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich arbeite von zu Hause aus. Da ich für mein Büro ein eigenes Stockwerk habe, kann ich ungestört arbeiten, aber bei Bedarf private Dinge schnell klären. Diese Flexibilität ist mir sehr wichtig.

Mein Arbeitstag wird von der Arbeit für Kunden und eigenen Projekten bestimmt und findet in der Regel an meinem Arbeitsplatz vor dem Computer statt. Meine Arbeit besteht aus viel Organisation in Form von Telefonaten, E-Mails und Videokonferenzen, dazu kommt die Erstellung von Konzepten, Briefings und die redaktionelle Arbeit an Bildern und Texten. Obwohl ich allein in meinem Büro arbeite, stehe ich in regelmäßigem Austausch mit Arbeits- und Branchenkollegen. Ich wünschte, Verlage würden die Möglichkeiten, die Skype, Google Hangout oder Teamviewer bieten, auch nutzen. Das würde manchmal die Abstimmung erleichtern.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Seit dem Beginn meiner Selbstständigkeit im Juni 2011 hat sich vieles für mich, aber auch vieles in meiner Branche geändert. Der Medienwandel hat nochmal an Fahrt zugenommen, die Verlage kämpfen weiter mit sinkenden Verkaufszahlen für ihre gedruckten Bücher.

Neben meinem Tagesgeschäft habe ich mich über die Entwicklung im digitalen Markt und der technischen Fortentwicklung auf den neuesten Stand gebracht, in für mich neue Themenfelder eingearbeitet wie Social Media, E-Book-Technologien und -Geschäftsmodelle und mich stetig über die Veränderungen und Ankündigungen in der Branche auf dem Laufenden gehalten.

Ich setze mich selber sehr unter Druck, weil ich immer den Eindruck habe, nicht genug gelesen zu haben. Die Informationsflut ist enorm. Das hat dazu geführt, dass ich im Oktober 2012 ein Manual über E-Book-Formate und Lese-Geräte geschrieben habe, eine Übersicht für Verlage, um sich im digitalen Format- und E-Book-Dschungel zu orientieren, das ich kostenlos zum Download anbiete.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wer für bebilderte Sachbücher digitale Konzepte und Geschäftsmodelle sucht, kennt das Problem. Es gibt noch kein E-Book-Format, das eine angemessene digitale Darstellung bebilderter Bücher geräteübergreifend unterstützt. EPUB 3 hat sich noch nicht durchgesetzt. iBooks Author bedient bisher nur die Apple-Nische. Man muss sehr erfinderisch sein und sehr genau überlegen, in welchem E-Book-Format man seine Inhalte veröffentlicht. Dabei verstehe ich bis heute nicht, warum kein einziges Gerät die Absatzkontrolle beherrscht, also die Steuerung des Textumbruchs, damit z. B. Überschriften nicht auf der letzten Zeile einer Seite zu stehen kommen. Damit würde man schon einen guten Schritt in Richtung guter E-Book-Typographie machen.

Die Suche nach individuellen Lösungen und die Beratung von Verlagen gehört in dieser unübersichtlichen Marktsituation zu meinen Aufgaben.

Wo finden wir Sie im Internet?

Blog: www.divercityguides.de

Redaktionsbüro: www.bookamore.de

E-Book-Produktion: www.ebooklabs.de

Twitter.com/LLuedemann

Facebook.com/EBooklabs

Facebook.com/divercityguides

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Lucas Lüdemann

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