Christoph Koch: Ich mag das Format des Selbstversuches oder das Leben als „Social Stuntman“

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Christoph Koch Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Christoph Koch, ich arbeite als Journalist für Magazine wie NEON, brand eins, GQ oder das SZ-Magazin. 2010 erschien mein Buch „Ich bin dann mal offline – Leben ohne Internet und Handy“ im Blanvalet Verlag, ein Selbstversuch über das analoge Leben, mit dem ich es bis auf die SPIEGEL-Bestsellerliste geschafft habe. Was mich aber noch mehr gefreut hat, waren die vielen Zuschriften, die ich von Lesern erhalten habe, die sich in dem Buch wiedergefunden haben und denen meine Gedanken über unsere immer größere Abhängigkeit von digitalen Gadgets, von Google, Mail und Facebook gefallen haben. 2012 erschien dann „Sternhagelglücklich – Wie ich versuchte, der zufriedenste Mensch der Welt zu werden“ (ebenfalls bei Blanvalet). Ich mag das Format des Selbstversuches oder das Leben als „Social Stuntman“, wie es ein Freund einmal genannt hat: Sich einem Thema zu nähern, nicht nur indem man recherchiert, Fachliteratur liest und Experten interviewt (was ich ja auch tue). Sondern auch indem man es am eigenen Leib ausprobiert – und nachschaut, was beispielsweise passiert, wenn man wochenlang ohne Internet und Mobiltelefon zu leben versucht.

Mein neuestes Buchprojekt ist deshalb wieder ein Selbstversuch: Es wird, so viel kann ich schon verraten, um das spannende Thema Männlichkeit gehen. Wer mehr erfahren möchte, kann hier meinen monatlichen Newsletter abonnieren.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Sehr unterschiedlich, da ich meine Zeit aufteile: Einerseits bin ich Journalist und arbeite an ständig wechselnden Themen – da sitze ich meist am heimischen Schreibtisch oder bin auf Recherche unterwegs. An meinen Büchern schreibe ich am liebsten in der Bibliothek, da herrscht Handyverbot und WLAN gibt es nur bei vorheriger Registrierung. Das kommt meiner Konzentration sehr zugute. Außerdem halte ich in letzter Zeit öfter Vorträge, zum Beispiel zu den Themen meiner Bücher. Das bedeutet auch wieder häufige Reisen – ich kann aber zum Glück auch im ICE inzwischen relativ gut arbeiten.

Grundsätzlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass mir das Schreiben vormittags leichter fällt – wenn der Kopf noch nicht voll ist mit Alltagsgeplapper, Newshappen und Mailfloskeln. Nachmittags ist dann die Zeit für den Kleinkram: Leute zurückrufen, Mails beantworten, die Steuer machen, twittern und twottern, den wieder mal nicht funktionierenden Drucker an die Wand werfen und dergleichen. Wenn der Vormittag gut war, genieße ich als Freiberufler aber auch das Privileg, nachmittags in einem Café zu sitzen und zu lesen, joggen zu gehen oder ein Schläfchen zu machen. Profis sagen „Power-Nap“ dazu, aber wem wollen die eigentlich mit so was imponieren?

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

  • Dank Cloud-Diensten wie Dropbox habe ich nicht mehr panische Angst, dass meine Festplatte kaputtgeht, während ich gerade an einem Text arbeite.
  • Dank Online-Notizbüchern wie Evernote habe ich einen Ort, an dem ich alles sammeln kann, was mir so an interessantem Material begegnet, egal ob ich es für eine aktuelle Recherche brauche oder für den großen Ordner „halb- bis drittelgare Ideen“.
  • Dank der beiden genannten Dienste plus Smartphone und/oder Laptop kann ich von fast jedem Ort der Welt so gut (oder schlecht – kommt auf die Tagesform an) arbeiten wie vom eigenen Schreibtisch.
  • Dank Blog, Twitter, Facebook, Amazon, Plattformen wie Goodreads oder Lovelybooks und all dem andere Internetgedöns bin ich als Autor (sowohl im Journalismus als auch mit meinen Büchern) präsenter und für meine Leser ansprechbarer. Das ist eine starke Veränderung zum klassischen Bild des Schreibers im stillen Kämmerlein, aber zu 99 Prozent eine Bereicherung.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Bessere Ideen haben. Die guten Ideen seltener vergessen. Die gemerkten Ideen pointierter aufschreiben. Sich seltener verzetteln. Schneller sein. Mutiger sein. Einzigartiger sein. Also vermutlich dieselben Probleme, mit denen sich alle Schreiber herumschlagen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Auf meinem Blog www.christoph-koch.net, bei Twitter als @christophkoch. Meine Bücher sind bei Facebook: facebook.com/ichbindannmaloffline und facebook.com/sternhagelglücklich. Außerdem verschicke ich einen monatlichen Newsletter mit Lesungsterminen, Verlosungen, Artikelempfehlungen und anderen Informationen, den man hier abonnieren kann.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Foto: Urban Zintel / Blanvalet Verlag

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