Tobias Rothenbücher: Am meisten gefällt mir an der Selbständigkeit, dass die Arbeit wieder mehr Spaß macht

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin freier Lektor und Übersetzer und mache insofern eine ganze Menge mit Büchern – und auch an Büchern, in Büchern, für Bücher, neben Büchern und manchmal auch unter Büchern. Ich heiße sogar Rothenbücher, aber das ist wahrscheinlich Zufall. Wie man sich das so vorstellt, bearbeite ich Texte und prüfe, ob sie gut verständlich sind und sich angenehm lesen lassen. Wenn ich übersetze, versuche ich, aus einem englischen Text einen guten deutschen zu machen, dem man nicht anmerkt, dass er aus einer anderen Sprache stammt. Soweit wahrscheinlich keine Überraschungen. Daneben kann ich auf sehr unterschiedliche Weise für Bücher da sein: zum Beispiel indem ich passende Abbildungen für sie suche, ihren Inhalt aktualisiere oder Texte für sie verfasse. Und ab und zu lese ich sogar eins, nur so zum Spaß.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich komme mit dem Fahrrad ins Büro. Ein Kaffee zum Wecken muss daher nicht sein. Der erste Gang führt also zum Wasserkocher, denn ich bilde mir ein, dass grüner Tee einen gewissen Zen-Faktor mit sich bringt, der zu einer ruhigen und ausgeglichenen Arbeitsweise verhilft. Das klappt erstaunlich oft. Wenn ich gerade an einer Übersetzung arbeite, nehme ich sie mir immer als erste Aufgabe des Tages vor, denn die besten Formulierungen gelingen, wenn der Kopf ganz erfrischt ist. Meistens verbringe ich den Vormittag mit dem momentan wichtigsten Projekt. Mit administrativen Dingen beschäftige ich mich nach dem Mittagessen, das in ausgelasteten Zeiten auch manchmal am Schreibtisch stattfindet. Am frühen Nachmittag melde ich mich bei möglichen neuen und bewährten Kunden – zumindest, wenn das dringend mal wieder sein muss. Oder ich tüftele aus, wann ich was für welches Geld erledigen kann, und verhandele neue Aufträge. Danach kommt dann wieder die Textarbeit an die Reihe. Analog zur Tageszeit wird auch der Tee dunkler. Im Schein der Schreibtischlampe kommt es manchmal spontan zu einem späten Energieschub.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Die größte Veränderung in den letzten Jahren war die Selbständigkeit. Am meisten gefällt mir daran, dass die Arbeit wieder mehr Spaß macht: Ich schaue nicht mehr so oft auf die Uhr, um zu sehen, wann ich endlich gehen darf – manchmal sehe ich auch nach, wie lange ich noch bleiben kann.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich schaffe oft noch nicht, den Preis auszuhandeln, den ich eigentlich für eine Aufgabe bekommen müsste. Sei es, dass ich den Aufwand oder die Qualität des Ausgangstexts unterschätze, sei es, dass ich meinen Wunschpreis nicht durchsetzen kann. Und oft gefällt mir ein Projekt zu gut, um nein sagen zu wollen. Hier übe ich noch. Wenn Sie ein möglicher Auftraggeber sind, möchte ich Sie bitten, dies nicht schamlos auszunutzen – dann könnte dies der Beginn einer wunderbaren Partnerschaft sein.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.tobias-rothenbuecher.de

Bildquelle: Tobias Rothenbücher

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