Sylke Tannhäuser: Ein bisschen verrückt sollte man sein, wenn man sich auf einen Autorenverein einlässt

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Sylke Tannhäuser: Ein bisschen verrückt sollte man sein, wenn man sich auf einen Autorenverein einlässt

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin eine Büchertante, schreibe selbst Krimis und helfe buchstabenwütigen Mitmenschen beim Lernen der Grundzüge des literarisches Schreibens. Außerdem bin ich in verschiedenen Autorenverbänden aktiv: FürWort, Mitteldeutsche Autorinnenvereinigung, Mörderische Schwestern, Syndikat.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Typisch ist zunächst mein Hauptbroterwerbsberuf als Angestellte im öffentlichen Dienst. In der Regel bin ich von 7.00-16.30 Uhr in meinem Büro der Stadtverwaltung Leipzig und organisiere, dass die städtischen Gebührenforderungen, Rechnungen u.ä. beglichen werden. Martialisch ausgedrückt heißt das „Vollstreckung“. Ab 20.00 Uhr beginnt mein Schreiberblut zu brodeln. Dann sitze ich in meinem häuslichen Arbeitszimmer und bringe Leute um – buchstäblich. Gewöhnlich halte ich das bis 22.00 Uhr aus, danach kümmere ich mich um andere schreibwütige Menschen und deren Texte.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Vor allem durch die Mitarbeit in verschiedenen Vereinen liegt mein Fokus nicht mehr allein auf dem Leser, sondern auch auf Veranstaltern von Lese-Events und Krimi-Festivals. Auch kann ein Autor zwar alleine vor sich hinwerkeln, aber mir liegt das nicht. Daher ist mir der Austausch mit anderen Autoren und meinen Lesern sehr wichtig geworden.

Unsere Vereine sind Heim und Forum, Probierstube, Bühne, Lehrkabinett, Schmelztiegel und manchmal auch ein Spektakel. Ein bisschen verrückt sollte man also sein, wenn man sich auf einen Autorenverein einlässt. Wir organisieren Lesungen bis hin zu ganzen Lesereihen. Bei den Mörderischen Schwestern heißt das Ladies Crime Nights. Manchmal lesen 13 Schwestern im Fünf-Minuten-Takt. Echt spannend. Das jährliche Krimifestival heißt Krimadonna. Auch das Syndikat veranstaltet jährlich ein internationales Festival – die Criminale. FürWort ist vor allem in Mitteldeutschland aktiv. Da gibt es ein treues Stammpublikum. Manchmal schockieren wir auch, denn schließlich sind wir Krimileute. Will unser Kartoonist ein Blutbild von den Zuhörern zeichnen, runzeln die Leute die Stirn. Wird dann auch noch zur Blutspende aufgerufen, herrscht blankes Entsetzen. Dabei ist das ‚Blut’ rote Tinte – also völlig ungefährlich. Wenn das aufgelöst wird, geht ein befreites Lachen durch die Reihen. Das sind die Momente, in denen das Eis bricht. Und genau das wollen wir, denn wir sind Autoren zum Anfassen. Viele Veranstalter liegen da mit uns auf einer Wellenlänge. Einer hatte „Leichen“ zur Untermalung in den Räumen drapiert. Ein anderer hatte ein Skelett organisiert. Mordwerkzeuge gab es ebenso. Manche Autoren verkleiden sich. Da gibt es ein Sherlock-Holmes-Double und einer tritt in der Uniform eines Schutzmannes auf. Das Vereinsleben ist bunt und immer für Überraschungen gut. Wie sagte einmal ein Polizist, der eine unserer Autorinnen auf der Autobahn gestoppt hatte, worauf sie ihm erklärte, dass sie ganz schnell zu einer Lesung muss? ‚Na, dann fahren Sie mal, Miss Marple.’ Auch ein Gesetzeshüter kann also ein Literaturfreund sein. Deshalb geben wir die Hoffnung nicht auf und bleiben am Ball, um noch mehr Menschen für die Literatur allgemein und den Krimi ganz speziell zu begeistern.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Recherche, Recherche, Recherche. Klar muss das sein, um glaubwürdig zu schreiben. Aber das bindet eben auch Zeit, die ich viel lieber mit Schreiben ausfüllen würde. Eine Lösung gibt es dafür wohl nicht, also Augen zu und durch.

Wo finden wir Sie im Internet?

Althergebracht unter meiner eigenen Homepage  www.schreibconsulting.de. Bei Facebook bin ich dabei – mehr aber auch nicht. Ich gebe zu, da habe ich Nachholbedarf. Ansonsten findet man mich auf verschiedenen anderen Homepages (www.emons-verlag.dewww.leipzig-krimi.de, www.mord-ost.de) und natürlich auf den Homepages der Autorenvereine.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Sylke Tannhäuser


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