Stephan Martin Meyer: Für alle künstlerischen Berufe gibt es eine fundierte Ausbildung – nur nicht für Autoren in diesem Umfang

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Stephan Martin Meyer: Für alle künstlerischen Berufe gibt es eine fundierte Ausbildung - nur nicht für Autoren in diesem Umfang Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Seit 2007 arbeite ich freiberuflich als Texter und Autor. In dieser Zeit habe ich zwei Jugendromane geschrieben, die aber von den Verlagen abgelehnt wurden. Im Dezember 2010 wurde ich von einem Kollegen angesprochen, ob ich mit ihm zusammen einen Afrika-Thriller schreiben wolle. Die Chance habe ich mir nicht entgehen lassen, mich sofort in die Recherchen und auf den Plot geworfen und eine wahre Orgie an Impfungen über mich ergehen lassen. Im Sommer 2011 sind wir dann gemeinsam nach Uganda gereist, um dort zu recherchieren. Danach begann die eigentliche Arbeit: Das Schreiben. Und das war langwieriger und anstrengender als ich gedacht habe. Aber es ist von Erfolg gesegnet: Seit Anfang November ist der Roman MONDBERGE auf dem Markt und verkauft sich richtig gut.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Im Grunde habe ich keinen einheitlichen Arbeitstag. Jeder Tag ist anders. In der Phase der intensiven Textarbeit am Thriller bin ich morgens aus dem Bett direkt an den Computer gekrochen, einen Kaffee in der einen, die Maus in der anderen Hand. Und dann habe ich bis spät abends gearbeitet. Textstellen streichen, Kapitel neu schreiben, Anmerkungen der Lektorin einarbeiten. Immer wieder dem Prinzip folgend: Kill you darlings! Wer sich zu starr an seinen bisherigen Ideen festhält, steht sich selbst im Wege.

Zur Zeit konzipiere ich wieder neue Storys. Das ist eine Phase, in der ich viel von Hand schreibe und den Computer zur Seite stelle. Auf diese Weise fühle ich mich flexibler.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Ich habe gelernt. Von meiner Lektorin, von meinem Coach, in Seminaren. Aber auch von meinen Freunden. Für alle künstlerischen Berufe gibt es in Deutschland eine fundierte Ausbildung an den Hochschulen. Schauspieler, Musiker, bildende Künstler, Sänger, Designer, Tänzer – sie alle lassen sich zu Profis ausbilden, werden dabei intensiv mit Kritik und Lob versorgt. Und sie lernen das Handwerkszeug ihres Faches. Nur die Autoren haben diese Chancen nicht in diesem Umfang. Das Meiste müssen wir uns selber aneignen. In den USA wird das seit vielen Jahrzehnten anders gehandhabt und diese Denke kommt nur langsam zu uns.

Im Kölner Filmhaus habe ich meine ersten Schritte als Drehbuchautor gewagt und musste mich viel kritisieren lassen. Aber das ist gut so. Denn nur auf diese Weise kann ich meine Fähigkeiten verbessern. Ich habe daraus gelernt, dass konstruktive Kritik die Grundlage für einen richtig guten Text ist.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Die Verlage in Deutschland werden mit Manuskripten überhäuft. 2.000 Manuskripte pro Monat sind angeblich bei den großen Verlagen keine Seltenheit. Wie also schaffe ich es, mit meinem Text auf dem Stapel zu landen, der intensiver von den Lektorinnen gelesen wird?

Zugleich stellt sich mittlerweile auch die berechtigte Frage, ob Autoren in dieser Zeit überhaupt noch zwingend einen Verlag benötigen. Die Umsatzbeteiligung ist in der Regel so gering, dass ein würdiges Überleben kaum möglich ist. Die diversen E-Book-Anbieter und Print-On-Demand-Druckereien leisten dabei oft deutlich mehr. Allerdings muss sich der Autor dann auch um Lektorat, Korrektorat, Titelgestaltung und das Marketing kümmern.

Faktisch suche ich also nach den Möglichkeiten, vom Schreiben guter Texte zu leben. Ich bin sicher, dass das möglich ist. Sowohl mir als auch den anderen, die hart an dieser Perspektive arbeiten.

Wo finden wir Sie im Internet?

Meine Website: www.stephan-martin-meyer.de

Der aktuelle Roman: www.mondberge.de

Und natürlich auf facebook und Xing.

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Stephan Martin Meyer


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