Stefanie Maucher: Statt den Ideen-Zettel in den Papierkorb zu schmettern, werfe ich ihn meinem dotbooks-Lektor zu

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Stefanie Maucher: Statt den Ideen-Zettel in den Papierkorb zu schmettern, werfe ich ihn meinem dotbooks-Lektor zu

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin einer der kreativen Köpfe, die sich hinter einem spannenden Buch verstecken: die Autorin von Kalte Berechnung – Eine Rachegeschichte. Darin erzähle ich auf 56 Seiten eine Geschichte, die wirklich unter die Haut geht, thematisiere das heikle Thema Kindesmissbrauch aus der Sicht einer Mutter, die ihr Kind schützen möchte. Das Buch ist im Juli 2012 beim neuen Ebook-Verlag  dotbooks erschienen.

Kalte Berechnung ist eigentlich meine zweite Veröffentlichung, jedoch die erste bei einem professionellen Verlag. Darum betrachte ich es als mein eigentliches Debut. Mein erstes Manuskript, Franklin Gothic Medium – Aus dem Leben eines Kannibalen, sandte ich in gnadenloser Unkenntnis des hart umkämpften Markts und absolut überzeugt von mir selbst an genau einen Verlag. Anschließend wartete ich ein halbes Jahr, bis ich ein Standard-Absageschreiben aus dem Briefkasten zog. Auch mein nächster Versuch war nicht erfolgreicher. Nun muss man wissen: Ich bin nicht gerade die Geduldigste. Das dauerte mir alles zu lang, also habe ich das Buch selbst publiziert.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich bin „Nachwuchsautorin“, habe mit Kalte Berechnung ein Debut abgeliefert, auf das bislang ausschließlich begeisterte Reaktionen folgten. Damit steigt auch die Erwartungshaltung, schließlich will man mit dem nächsten Werk nicht enttäuschen. Folge dessen ist es gerade ein bisschen wie im Sandkasten. Oder besser gesagt, wie beim Ballspiel. Ich habe eine Idee, artikuliere diese in einem Word-Dokument, nenne es Manuskript oder Handlungsexposé und statt den Zettel zu zerknüllen und in den Papierkorb zu schmettern, werfe ich diesen Spielball meinem Lektor zu. Dann kommt der Ball zu mir zurück, ich streiche das Papier wieder glatt, entziffere die hilfreichen Zeichen und versuche, es noch besser zu machen, bevor der Ball wieder die Seiten wechselt. Meist vergehen ein paar Tage dazwischen.

Ich empfinde das Schreiben nicht als Arbeit im eigentlichen Sinn. Vielmehr habe ich das Talent, mit Worten zu jonglieren, mit ihnen zu spielen und andere Menschen damit auf eine Reise zu nehmen, die dahin geht, wo ich will. Es macht mir großen Spaß, es zu nutzen. Ein Tag, an dem ich schreibe, ist ein Tag, an dem ich etwas mache, das ich liebe. Ein typischer Arbeitstag hingegen ist einer, an dem ich meine Zeit nur deshalb mit etwas verbringe, weil man mich dafür bezahlt.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Es war nach wie vor mein Wunsch, einen seriösen Verlag zu finden, der mir hilft, das Beste aus meinen Texten herauszuholen und sie danach auch zu verkaufen. Als Indie-Autorin Fuß zu fassen, mag in Amerika gut funktionieren. Hierzulande ist es (noch?) schwierig und man wird eher belächelt. Also begann ich, mich online umzusehen, entdeckte eine für mich interessante Ausschreibung. Mit der Geschichte, die ich für einen Wettbewerb bei einem großen Publikumsverlag schrieb, war ich dann erfolgreich. Ich machte damit mehrere Verlage auf mich aufmerksam und konnte mir aussuchen, mit wem ich arbeiten möchte. Entschieden habe ich mich gegen einen Verlagsriesen, für einen Ebook-Verlag, der gerade erst entstand. Der kleine Verlag hatte einen großen Wettbewerbsvorteil: einen Lektor, der nicht nur kompetenter Vollprofi ist, sondern sich darüber hinaus für meine Art zu schreiben begeistert. Jemand, bei dem ich von Anfang an das Gefühl hatte, dass die Chemie stimmt. Timothy Sonderhüsken, der sich hier vor kurzem ebenfalls vorstellte.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Momentan feile ich am Spannungsbogen des nächsten geplanten Thrillers. Noch vermag er nicht völlig zu überzeugen. Es ist wie beim Kochen eines raffinierten Gerichts, für das man die richtigen Zutaten braucht, immer wieder abschmeckt und nachwürzt. Ich habe gerade gekostet. Irgendetwas fehlt da noch.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Stefanie Maucher


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