Simone Dalbert: Sex sells – aber nur heimlich

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

In den letzten Wochen war mit „Shades of Grey“ ein Roman auf der Bestseller-Liste gelandet, den man als „Pornographische Literatur“ einordnen kann. Auch wenn ich ihn ehrlich gesagt nicht schlimmer fand als so manch anderen Nackenbeißer. Was auch immer man von diesem Roman halten mag, er verkaufte sich prächtig. Aber nicht in unserer kleinen Vorortbuchhandlung. Ein Gespräch mit der Bibliothekarin vor Ort ergab, dass auch bei ihr noch niemand nach diesem Roman gefragt hatte. Warum wohl? Solche Bücher wollen die Leute anonym kaufen. Im Internet, oder einem Buchkaufhaus, aber nicht im Laden um die Ecke, wo sie mit „Grüß Gott Frau XY“ begrüßt werden und beim nächsten Besuch Gefahr laufen, gefragt zu werden, wie ihnen denn die letzte Bucherwerbung gefiel.

Eine Kundin fragte mich aber doch, nach einem schnellen Blick, ob auch ja niemand zuhört, ob ich es gelesen hätte. Als ich meinte „Ja, zum Teil“ schaute sie mich erst erstaunt an und fragte dann voller Neugier „Und? Wie war es?“ Als gerade sonst niemand da war, hat sie es dann auch gekauft, um sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich werde ihr aber den peinlichen Moment ersparen und sie beim nächsten Besuch nicht fragen, wie es ihr denn gefiel.

Bei einem anderen Kunden hatte ich mehr Mühe, mich zusammen zu reißen. Er kam an den Kassentresen und fragte nach einem Zettel. Notierte etwas darauf und schob in mir rüber. Wieder dieser Blicke nach rechts, nach links, jemand in Hörweite? In verschwörerischem Ton teilte er mir mit: „Zu diesem Thema suche ich etwas“. Ich gestehe, ich war jetzt wirklich gespannt, was er da wohl notiert hatte. Es war dann aber doch halb so tragisch, „Bad Fucking“ hatte mich damals mehr verwirrt. „Pornographie im Internet“ war das verheimlichte Interessengebiet. Wahrlich nichts Schlimmes, solche Themen wischen mir nicht das freundliche Lächeln aus dem Gesicht. Auch wenn es mich ein wenig gereizt hat, die bekannte Werbung für Verhüterli zu imitieren. „Tina, haben wir was über Pornographie im Internet da?“


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