Simone Dalbert: Das Amt, das Verrückte macht

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Als Buchhändler steht man nicht nur im Laden, es gibt auch allerhand an Bürokram zu erledigen. Zum Beispiel müssen größere Schulbuchbestellungen öffentlich ausgeschrieben werden, damit sich jede Buchhandlung darauf bewerben kann. Auch wir bewerben uns um solche Aufträge. Jeder hat oft genug mit Ämtern zu tun und weiß, dass deren Papierkram einen an den Rand des Wahnsinns treiben kann. Das ist bei den Ausschreibungen nicht besser. Ein ganz besonderes Exemplar hatte ich allerdings diese Woche in Arbeit.

Es fing schon damit an, dass sie für die Ausschreibungsunterlagen gerne Geld hätten. Soweit ist das noch üblich. Sie hätten es gerne überwiesen. Auch gerne. Aber sie verraten einem nicht, wohin man es überweisen soll. Na gut, dann nutze ich doch die angegebenen Kontaktdaten und frage nach.

Den ersten Versuch unternahm ich per E-Mail. Es kam auch prompt eine Antwort, allerdings mit der Nachricht „E-Mail nicht zustellbar“. Vielleicht hatte ich mich in der Adresse vertippt? Dreimal kontrolliert, dreimal das gleiche Ergebnis, die E-Mail Adresse entsprach der angegebenen. Also ein zweiter Versuch an diese Adresse zu schreiben, es kam die gleiche Antwort zurück. Vielleicht hatte das Amt sich verschrieben?

Für den zweiten Versuch wählte ich den persönlichen Kontakt, eine Telefonnummer war ebenfalls angegeben. Auch zweimal wählen brachte immer das gleiche Ergebnis. Eine höfliche Stimme teilte mir mit, dass dieser Anschluss nicht existiert. Zwei Fehler in den Kontaktdaten? Wie wahrscheinlich ist das denn?

Eine Homepage hatten sie auch noch in den Kontaktdaten stehen. Also wollte ich den dritten Versuch der Kontaktaufnahme über diese Seite unternehmen. Vielleicht findet sich dort ja eine andere Telefonnummer oder E-Mail-Adresse. Hätte sich vielleicht, wenn die Seite existieren würde.

Inzwischen zweifelte ich daran, ob dieses Amt die Ausschreibung wirklich öffentlich machen wollte. Ohne Kontaktdaten kann ich die Unterlagen nicht anfordern, die ich für die Bewerbung brauche. Aber so leicht wird man mich nicht los.

Google, mein Freund und Helfer, suchte mir eine Seite mit verschiedenen Telefonnummern des zuständigen Amtes heraus. Ich wählte auf gut Glück eine davon und brachte mein Anliegen vor. Endlich war die Kontaktaufnahme geglückt, die Unterlagen müssten inzwischen auf dem Weg zu uns sein.

Mein Verdacht ist, dass es sich hierbei um eine Art Vorauswahl handelt. Nur wer nicht gleich aufgibt und sich den Problemen stellt, bekommt eine Chance auf den Auftrag. Wer kennt „Asterix erobert Rom“ und das Haus, das Verrückte macht? Genau so fühle ich mich bei diesen Ausschreibungen nicht selten.

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