Rebekka Kirsch: Ich kopier mich mal arm

Rebekka Kirsch: Ich kopier mich mal arm

Rebekka Kirsch hat sich in die Buchbranche verliebt. Auf dem Weg, ein Teil von ihr zu werden, stolpert sie als Studentin der Buchwissenschaft/Ökonomie über den ein oder anderen Stein, der dem Nachwuchs vor die Füße geworfen wird, – auch wenn sie versucht, ein paar Steine mit LooksIntoBooks aus dem Weg zu räumen. Sie erzählt uns hier nun Anekdoten aus dem Leben eines ambitionierten Nachwuchsmenschens.

Wer studiert, der benötigt Unterlagen. Entweder sind das die Powerpoint-Präsentationen, Manuskripte, Zusammenfassungen der Folien, Texte aus Lehrbüchern, Übungsaufgaben oder Bücher. Bücher zu kaufen ist eine der leichtesten Unternehmungen, wenn der Geldbeutel denn mitspielt. Aber auch die Möglichkeit, die Bücher in der Bibliothek zu schnappen und einmal durchzukopieren, während man ein Gefühl für monotone Arbeit bekommt, ist nicht gerade günstig.

Ich habe vorher an der WU in Wien studiert und musste für die ersten zwei Semester meine Unterlagen kaufen. Ich klickte mich online durch, druckte die Liste aus und marschierte in den nächsten Uni-Laden. Während ich dann abwechselnd Folienmanuskript, Übungsmanuskript und Buch auf meine Arme schaufelte, kam mir der Gedanke, dass es ja teuer sein könnte. An der Kasse hyperventilierte ich leicht, als ich sah, dass ich 219,- Euro für Unterlagen von 11 Klausuren ausgeben würde. Aber zusätzlich dazu hatte ich online noch bis zu 1.000 Probefragen pro Kurs, alte Klausuren und Folien. Ich war also bis unter die Zähne bewaffnet für die anstehenden Kurse und Klausuren. Und pleite.

Wenn man dann denkt „Ach, ich kopier da mal ‘n paar Seiten, das kommt mich günstiger“ dann hat man noch nicht die Stapel lebensnotwendig verkaufter Unterlagen gesehen. Mal 20 Seiten hier, dann 4 da, 17 da, 9 hier, die gesamten Folien zu jeweils viert auf eine Seite gequetscht und nochmal 25 Seiten davon. Und das für einen Kurs. Da man aber nicht nur einen Kurs pro Semester hat und manche Kurse auf sehr viel Text basieren, kann es gut sein, dass „ein paar Seiten ausdrucken“ eben mal kurz 50,- Euro kosten kann. Über das Semester verteilt kommen da noch ein paar Unterlagen dazu: die Folien – die noch nicht online waren – und Texte, die jeweils für die Session online gestellt werden. Ach, ich vergaß: Für die Hausarbeiten, die man schreibt, braucht man natürlich auch noch Materialien.

Man entwickelt sich als Student während des ersten Semesters schon zu einem „Copy-Shop-Dauergänger“, zu einem Druckfarbe-Schnüffler und Ausdruck-Einstellungs-Profi. Wenn man dann nicht im Chaos der Ausdrucke zu ertrinken droht. War jetzt „Mut zur Typografie“ bei „Lesen und Leser“ oder bei „Grundlagen der Typographie”? Und welcher „Saxer-Text“ gehört zu welchem Seminar um Gottes Willen? Da ist Talent in büroähnlicher Organisation gefragt, um nicht den Überblick zu verlieren.

Ich mache es immer ganz einfach: Ich drucke einfach nichts aus und warte bis kurz vor den Klausuren, wenn alle Folien online sind. Die fasse ich dann vom PC aus schriftlich zusammen und arbeite damit. Wenn ich Geld über habe, dann arbeite ich gerne mit echtem Papier, markiere Textstellen und suhle mich in den geordneten Unterlagen, die meine Ordner füllen. Aber weil mir auch noch die Zeit dazu fehlt, sitze ich da und starre mit rotunterlaufenen Augen in meinen PC. In meinem anderen Fach Ökonomie kauf ich mir die Bücher oder drucke die Folien aus – da basiert fast jede Vorlesung nämlich auf einer haupstächlichen literarischen Quelle wie Mankiw oder auf den Folien wie BWL.

Ich frag mich nur, was ich mit dem ganzen Papier anstellen soll, wenn ich fertig studiert habe. Anstatt wie Bücher oder echte Manuskripte, kann ich meine Ausdrucke nicht nach erfolgreicher Klausur wiederverkaufen. Ich hab mich also nicht nur arm kopiert, sondern auch noch einen essentiellen Beitrag zur sinnlosen Verschwendung von Papier geleistet. Da muss ja förmlich als Belohnung ein Job dabei herausspringen!

Bildquelle: Rebekka Kirsch
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