Otto la Ber: Meine Kernaufgabe ist die Arbeit eines Literaturagenten mit den Mitteln des ‘neuen digitalen Zeitalters’

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Otto la Ber: Meine Kernaufgabe ist die Arbeit eines Literaturagenten mit den Mitteln des 'neuen digitalen Zeitalters'

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Otto la Ber und ich studierte noch zu analogen Zeiten Medienpädagogik. Was sich jedoch bis heute – im digitalen Zeitalter – nicht verändert hat: Ein gutes Buch stellt immer noch wesentlich mehr dar als nur ein Stück bedrucktes Holz…

Im letzten Jahr stieß ich zu einem kleinen Entwicklerteam hinzu, das sich Zulu-Ebooks nennt, und das sich der schnellen Verbreitung kostenloser bzw. CC-lizenzierter Ebooks widmete. Meine Erfahrung als Online-Marketing-Berater für eine große westösterreichische Verlagsanstalt bzw. Buchhandlungskette und die Begeisterung, die im „Team Zulu“ vorherrschte, ließen mich sehr schnell Feuer fangen für ein Projekt, das sich nun als www.zulu-agency.com manifestierte.

Meine Arbeit ist eigentlich schnell erklärt. Ich arbeite freischaffend bei Zulu-Agency als sog. „klassischer Agent für phantastische Literatur“ und biete professionelles Know-how und Marketingpraxis für neue, aber auch ‚mit der Buchbranche unzufriedene AutorInnen’ an. Meine Kernaufgabe besteht darin, Synergien zwischen ‚Bucharbeitern’ zu schaffen bzw. vermeintlich unverkäufliche Bücher so zu tunen, daß sie als „Edition Zulu Ebooks“ in neuem Glanz erstrahlen.

Auf der Internetseite manage ich den Marktplatz für Autoren, Leser und traditionelle Verlage, denn ich betrachte Ebooks derzeit immer noch als eine Art von Produktionszwischenstufe hin zum gedruckten Buch.

Mein Ziel ist es, auf die unschlagbaren Kernkompetenzen etablierter Publikumsverlage hinzuarbeiten: Buchhandlungs-Vertrieb, Lektorats-Know-how und die sog. ‘unersetzbaren Verlegertugenden’. So unverschämt reaktionär das auch klingen mag, aber den traditionellen Verlagen möchte ich letztendlich zuarbeiten, und damit auch den Autoren und Lesern, indem Zulu-Agency Manuskripte als Ebooks zum Kauf anbietet, währenddessen diese gleichzeitig auch vermittelt werden! So soll ein „ebay-Effekt“ für Manuskripte entstehen, bei dem jede und jeder selbst mitbieten kann, egal ob Leser oder gar Verlag.

Ein keckes Beispiel: Eine Autorin veröffentlicht für 2,99 Euro auf einer sog. „Selfpublishing-Plattform“. Die Verkäufe halten sich in Grenzen. Sagen wir, sie verkauft gute 500 Stück. Doch was dann? Ich glaube, daß genau dann das sog. „Selfpublishing“ (egal ob via Ebook oder BoD usw.) an seine natürlichen Grenzen stößt. Die maximale Ausschöpfung der Selfpublishing-Marktmöglichkeiten ist erreicht. Jenseits dieses ‘begrenzten Marktes’ beginnt aber erst die Buchbranche, denke ich. Und genau da setzt meine Vermittlungstätigkeit an:

Ich versuche kompetente Buchpartner via „Provisionsmodell“ zueinander zu bringen und damit Synergien auszulösen. Ganz im Sinne des „Teilens des Web 2.0“. Dadurch entsteht grenzüberschreitendes Marketing. Ein einzelner Selfpublishing-Autor kann dieses geballte, aber unbedingt notwendige Know-how nie aus eigener Kraft heraus entwickeln. Gemeinsam jedoch ist dies möglich. Zu verlieren hat der Autor jedenfalls dabei nichts… Ganz im Gegenteil, denke ich.

Ich suche nach Synergien durch das Prinzip der Vorauslese, die natürlich immer subjektiv ist, und durch das Prinzip der Vermittlung. Gerade Letzteres ist meine Kernaufgabe: Die klassische Arbeit eines Literaturagenten, jedoch mit den Mitteln des ‘neuen digitalen Zeitalters’. Mein Vorbild ist dabei ganz sicher der Verleger und Berliner Buchhändler Otto Loewenstein, der im Jahr 1868 die erste Literaturagentur überhaupt gründete. Seine Internetseiten damals waren sog. Feuilleton-Korrespondenzen. Gedruckte Magazine, die Manuskripte zum Kauf für jedermann anboten…

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Emails, Social Media, Branchennews, Börsenblatt und Google Alerts etc. checken. Auf Selfpublishing-Plattformen nach Autoren suchen, die einerseits die deutsche Grammatik beherrschen, und andererseits „Phantastisches“ zu berichten haben. Manuskripte lesen und etwaige Autoren für unseren Blog suchen bzw. kontaktieren. Abrechnungen der hauseigenen Ebook-Buchhandlung durchgehen.

Schließlich in unserem internen Forum und via persönlichem Kontakt den einen oder anderen Autor anschreiben oder einfach nur mit ihm/ihr quatschen (macht Spaß!). Die Zahl meiner Verlagskorrespondenzen hält sich noch in überschaubaren Grenzen, da noch kein exklusives „Edition Zulu Ebook“ vorliegt. Ich beginne mit Zulu ja bei Null. Gibt es eine größere Motivation?

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Als ich voriges Jahr die Idee für unsere Agentur umsetzen half, wunderte ich mich sehr, daß gewisse branchenübliche Praktiken immer noch in Gebrauch sind, obwohl sie eigentlich aus dem „analogen“ Jahrhundert stammten.

Stichwort: „verbrannte Manuskripte“. Ursprünglich wollte ich ja „nur“ unveröffentlichte Texte über unsere Agentur vermitteln. Ganz nach dem Branchen-Usus, daß „verbrannte Manuskripte“ nichts mehr wert seien. Irgendwann stellte ich mir aber die Frage, warum das denn so sei? Warum sollten gute „alte“ Texte (nicht nur Backlists) zu nichts mehr „taugen“? Weil sie vielleicht 500 oder 2000 Mal verkauft wurden? Ist dieser Umstand nicht viel mehr ein Indiz dafür, daß deren Potential möglicherweise brach liegt?

Ja, glaube ich. Seither gilt für mich das Prinzip: Wenn ein Verlag oder ein Autor mit den Verkaufserfolgen seines Buches zufrieden ist, dann bin ich nicht der richtige Ansprechpartner!

Ich kümmere mich nur um Bücher bzw. Ebooks, die entweder neu sind, oder eben um Bücher, die seit Jahren in den „(digitalen) Lagern verstauben“, aber deren Geschichten mich bzw. das Zulu-Team in besonderen Maße überzeugen. Diese möchte ich tunen und selbst in unserer „Edition Zulu Shop“-Buchhandlung zum Kauf anbieten. Dazu gehört auch, daß wir neue Konditionen verhandeln und etwaig an sog. „Zweitverwerter“ vermitteln versuchen.

Ich denke, daß die Grenzen „Verlag“ und „Buchhandlung“ im Web 2.0 aufgebrochen werden müssen, da die sog. „Verfügbarkeit alter Texte“ nicht mehr vom Faktor Geld abhängt. Sprich: Das Wort „Neuauflage“ verliert seine Bedeutung. Es wurde zu einem Widerspruch in sich. Alle digitalen Werke sind immer „Neuauflagen“. Was es braucht sind digitale Buchhändler oder eben ungewöhnliche Agenturen, die sich um die ungeschliffenen und unbeachteten Buch-Juwelen der jährlich rund 100.000 Neuerscheinungen kümmern.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mein größtes Problem ist das Vermitteln des Faktums, daß Zulu-Agency keine Selfpublishing-Plattform ist.

Ich versuche unsere Autoren nach traditioneller ‘Verlegertradition’ auszuwählen und investiere ins individuelle Buch-Marketing. Reine „Masse“, wie bei solchen Plattformen üblich, könnte ich bzw. das Zulu-Team allein gar nicht stemmen, denn der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Individualisierung, denke ich. Ich verdiene nichts, wenn keine größeren Umsätze entstehen. Nicht nur das unterscheidet Zulu-Agency von sog. Selfpublishing-Seiten. Erst die Synergieleistung der erfolgreichen Zusammenarbeit von kompetenten Partnern, und zu diesen gehören nicht nur freie Lektoren, Coverdesigner usw., sondern auch und nicht zu letzt der Leser, verschafft Anerkennung und Gelingen. Vom Autor nehme ich bzw. das Zulu-Team erst recht kein Geld. Es sollte ja genau andersrum sein…

Wo finden wir Sie im Internet?

Mein persönliches Profil auf facebook: www.facebook.com/wortmaler

Zulu-Agency – die andere Literaturagentur für Phantastik: www.zulu-agency.com

Bildquelle: Otto la Ber


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