Nikola Hahn: Im Hauptberuf bin ich Kriminalkommissarin; mein Zweitberuf ist Schriftstellerin

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Nikola Hahn: Im Hauptberuf bin ich Kriminalkommissarin; mein Zweitberuf ist Schriftstellerin

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Nikola Hahn und arbeite seit fast dreißig Jahren in zwei Berufen: Im Hauptberuf, der mir bis heute als „Brotberuf“ dient, bin ich Kriminalkommissarin; mein Zweitberuf ist Schriftstellerin. Ich habe „nebenbei“ auch mehrere Jahre als Lokaljournalistin gearbeitet, war Redaktionsmitglied der „Hessischen Polizeirundschau“ und in einer Literaturzeitschrift. Mein erster Roman erschien 1998 im Verlag Marion von Schröder; es folgten zwei weitere Romane, die – durch diverse Zu- und Verkäufe des Verlagskonzerns – abwechselnd, teils auch gleichzeitig, bei Marion von Schröder, Heyne und Ullstein-Econ-List erschienen und heute bei Ullstein verlegt werden. Insbesondere meine beiden historischen Kriminalromane, die die Anfänge der Kriminalistik in Deutschland und die Geschichte des Kriminalromans nachzeichnen, sind recht bekannt und werden nach wie vor aufgelegt. Neben den Romanen veröffentliche ich regelmäßig „Nischenprodukte“ (Lyrik, Kurzgeschichten, Märchen) on Demand selbst. Über diese Schiene und auch durch mein Interesse für Fotografie und Zeichnen fand ich schon früh Freude daran, Bücher nicht nur zu schreiben, sondern auch zu „machen“. Für meinen jüngsten Roman „Der Garten der alten Dame“ nutzte ich erstmals ein professionelles Layoutprogramm, auch ein Fachbuch über Vernehmungstaktik, an dem ich derzeit arbeite, layoute ich selbst.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Um viertel nach fünf aufstehen, fünfzehn Minuten Yoga, ausgiebiges Frühstück und spätestens um halb sieben auf der Autobahn, um dem morgendlichen Stau zu entgehen. Von ca. 7.30 – 16.30 Uhr (wenn ich Seminare gebe, auch länger) Arbeit als Fachlehrerin an der Polizeiakademie, danach eine Stunde Rückfahrt und nach dem Nachhausekommen ein „Break“. Am liebsten eine halbe Stunde Schlafen, Meditation oder Spazierengehen. Abendessen, falls nicht schon erledigt, und danach an den PC. Erst Mails, Anfragen etc. beantworten, Website aktualisieren, ggfs. bei Facebook & Co vorbeischauen, danach dann bis mindestens Mitternacht Recherchieren, Redigieren, Layouten, Schreiben …

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Mein erstes Manuskript schrieb ich noch mit der Schreibmaschine, mein Debütroman entstand auf einem „Atari“ mit Disketten. Eine Festplatte mit 30 MB kostete damals ein kleines Vermögen. Heute kann ich mir (für beide Berufe) nicht mehr vorstellen, ohne PC auszukommen. Ich nutze das Internet nicht nur zu Recherchezwecken, sondern natürlich auch zur Vernetzung. Eine Website habe ich seit zwölf Jahren, betreue sie komplett selbst. Außerdem betreibe ich (unter anderem) zwei Blogs, bin mit Profil und Seite bei Facebook und Mitglied einer Online-Galerie, in der ich eine Auswahl meiner künstlerischen Werke ausstelle. Mein Schreiben und meine Lektüregewohnheiten haben sich durch das Internet (noch) nicht verändert; nach wie vor lese ich sehr viel offline, die Überarbeitung meiner Manuskripte erfolgt in der Endphase ebenfalls auf Papier. Was sich geändert hat, ist das Umfeld: Ich komme wesentlich schneller an benötigte Informationen oder auch Literatur. So ermöglichte mir die Internetrecherche den Kauf eines Originalwerkes aus den 1920er Jahren in Israel – noch vor wenigen Jahren wäre das undenkbar gewesen. Was sich ebenfalls verändert hat, sind die Möglichkeiten des Layoutens. Waren meine ersten „Books on Demands“ noch „Versuchskaninchen via Word“, habe ich für meinen aktuellen Roman, wie erwähnt, mit einem professionellen Layout-Programm gearbeitet und, vom Cover über die Innenillustrationen, alles selbst gemacht. Auch die Möglichkeit, diesen Roman eigenständig als eBook herauszubringen, wäre ohne die Entwicklung der digitalen Medien respektive der entsprechenden Anbieter, noch vor wenigen Jahren undenkbar gewesen. Für mich selbst war die Herausgabe eines Romans (erst einmal) nur als Kindle eBook eine besondere Herausforderung, und ich habe die ursprünglich für eine Printversion vorgesehene Version, was die Illustrationen betrifft, komplett umgearbeitet. Ich bin mir sicher, dass die Entwicklung des eBook-Marktes noch für einige Überraschungen sorgen wird. Und ich habe mir inzwischen einen „Kindle“ gekauft J

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Obwohl ich mit meinen Romanen sehr gute Auflagen hatte (bis heute rund 350 000 verkaufte Exemplare), habe ich mich bewusst dafür entschieden, mein Schreiben nicht auf verlags- und marktgängige Stoffe zu beschränken. Für Autoren, die mehrere Genres bedienen (wollen), die noch dazu Freude am Büchermachen haben, bieten sich mittlerweile auch ohne Verlag sehr gute Publikationsmöglichkeiten, aber es ist ein Problem, die jeweils passenden Leser zu erreichen. Ich bin zwar gut vernetzt und habe auch einen recht umfangreichen Verteiler für Interessenten – die meisten sind aber Leser meiner historischen Romane, während ich die Leser für den aktuellen Roman eher in der Schiene „Der geheime Garten“ oder „Der kleine Prinz“ verorte. Ich bin zwar mit der Entwicklung des Projekts zufrieden, glaube aber, dass der Roman noch mehr Leser finden würde, wenn sie denn davon wüssten. Das Problem des Selfpublishing sehe ich weniger im professionellen Bücher-Machen (das sich erlernen oder „einkaufen“ lässt), sondern in den fehlenden Möglichkeiten des professionellen Marketings. Trotz hoher Präsenz im Netz stößt man als Einzelperson sehr schnell an Grenzen. Ich glaube, dass auf diesem Gebiet noch ein weites und lukratives Feld für neue Geschäftsmodelle liegt, insbesondere auf der Schiene „Buchhandel“ und „Leser“. Ich verfolge die Entwicklung neugierig und wäre sicher sofort dabei, ansprechende Angebote zu nutzen!

Wo finden wir Sie im Internet?

www.nikola-hahn.com (Website)
www.facebook.com/nikola.hahn.schreibstube (offizielle Seite)
www.nikola-hahn-schreibstube.blogspot.de (Blog)
www.mygall.net/Baumgesicht (Online-Galerie)

Bildquelle: Nikola Hahn


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