Hermann Borgerding: Schreiben ist ja auch eine Sucht

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Hermann Borgerding: Schreiben ist ja auch eine Sucht

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Guten Morgen. Ich bin Hermann Borgerding. Schreiberling. Gedichte, Prosa, Blog. Wie fast jeder Autor, jede Autorin habe ich eigentlich schon immer geschrieben. Hatte leidlichen Erfolg in der damaligen sogenannten Social-Beat-Szene, zog mich aber in den Neunzigern zurück und ging in der Arbeit als Krankenpfleger auf. Als ich 2007 an Mundhöhlenkrebs erkrankte und nicht mehr arbeiten konnte, entdeckte ich die Schreiberei wieder für mich. Einerseits als autotherapeutisches Medium, andererseits als Kommunikationsform im Internet (durch eine Gaumen- und Oberkieferresektion war ich artikulatorisch sehr eingeschränkt, die Tipperei war sozusagen mein Gesprächsersatz). Und aus der Passion wurde immer mehr eine Art Berufung, die mich jetzt dazu bringt, zu behaupten, dass die Schreiberei mein Beruf ist, auch wenn ich meinen Lebensunterhalt da nicht von bestreiten kann.

Ich habe bei der Edition PaperONE, ein Kleinverlag aus Leipzig, zwei Bücher veröffentlicht: „Mein Mittelfinger dem Krebs“ (Gedichte) und „Ausgehöhlt – Im Krebsstrudel“ (Roman). Und momentan scheint sich mein Bekanntheitsgrad täglich zu steigern. Ich bin so eine Art Insider-Tipp geworden. Das macht schon Spaß und erfüllt mich mit einem gewissen Stolz.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Das ist schwer zu sagen. Ich brauche morgens immer zwei Stunden, bis ich mich an den Schreibtisch setze. Kaffee, Zigaretten, Hundegang, Frühstück und so. Dann gucke ich erst mal meine Mails durch, mache n bisschen bei Facebook rum und öffne schließlich die Dokumente, an denen ich gerade arbeite. Drei, vier Stunden intensive Tipperei, immer wieder unterbrochen, da meine Kondition nicht so richtig mitspielt. Danach ein langer Spaziergang mit meiner Hündin, Essen, Haushaltskram, kurzer Nachmittagsschlaf und wieder an den Schreibtisch. Irgendwann dann kommt meine Frau von ihrer Arbeit und ich genieße unsere Zweisamkeit so weit und so nah wie möglich. Ein- zweimal die Woche packt es mich und ich mache eine Nachtschicht am Schreibtisch. Das sind dann meine produktivsten Momente.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Seit meiner Berentung ist es mir möglich, mich hauptsächlich auf die Schreiberei zu konzentrieren. Schreiben ist ja ein Fulltime-Job mit Überstunden. Ich stecke also so viel Energie und Arbeit wie möglich ins Schreiben. Im Normalfall arbeite ich an drei, vier Projekten gleichzeitig: Rezensionen (hauptsächlich andere Underground-Autoren und Sachen aus Kleinverlagen, die sind darauf besonders angewiesen), mein Blog, Gedichte und der nächste Roman. Seit der Bekanntheitsgrad steigt, steigen auch die Verpflichtungen. Und der Ehrgeiz, immer mehr zu machen. Schreiben ist ja auch eine Sucht. Und ich bin da momentan voll drauf und genieße den Rausch.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wir Schreiber und Dichter wollen hauptsächlich eine Sache machen. Schreiben. Um Erfolg dabei zu haben und einen möglichst großen Leserkreis zu bekommen sind aber andere Sachen mindestens so wichtig, wie die Arbeit an den literarischen Projekten. Da wäre der Internetkram: Facebook scheint Pflicht zu sein. E-Mails beantworten, den Blog aktuell mit neuen Beiträgen füllen, all so was. Werbung für seine Bücher sollte man auch selber machen und sich nicht nur auf den Verlag verlassen. Dann die Lesungen. Die sind okay, machen Spaß, auch wenn sie (vielleicht mich im besonderen Maße) anstrengen. Bloß die Organisation, die Werbung, die Logistik und der Versuch dabei auch n bisschen Geld zu verdienen: manchmal wünschte ich mir da schon einen Manager oder so…

Wo finden wir Sie im Internet?

Bei Facebook. Da spielt ja jeder rum. Wichtiger ist meine Homepage: www.hermann-borgerding.de. Und mein Blog „Mein Mittelfinger für den Krebs“, in dem ich alle zwei, drei Tage einen neuen Post veröffentliche. Ansonsten bin ich noch mit Rezensionen bei lovelybooks.de zu finden. Und natürlich bei meinem Verlag (editionpaperone.de) und neuerdings auch über den Acheron-Verlag (acheron-verlag.de).

Bildquelle: Hermann Borgerding


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