Chris M. Wagner: Mein Antrieb? Spuren hinterlassen.

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Chris M. Wagner, 39 Jahre alt, ich bin Familienvater, Softwareentwickler bei einer bayerischen Behörde und ich mache was mit Büchern. Ich schreibe Bücher. Ich bin Autor. 2011 veröffentlichte ich meinen ersten richtigen Roman, einen Mystery-Thriller. Und auch der Romantitel »Social Network. Die Bibliothek des Schicksals« vereinigt die beiden Grundbausteine meines Arbeitslebens: Software und Bücher. 2006 begann ich ernsthaft mit dem Schreiben. Mein Antrieb? Spuren hinterlassen. Ich bin überzeugt, dass jeder Mensch auf irgendeine Art und Weise Spuren hinterlassen möchte. Der Maurer über seine Bauten, die Mutter über ihre Kinder, der Mörder über seine Gräueltaten, der Komponist über seine Melodien und der Autor über seine Texte. Was ist ein Leben wert, das die Welt gänzlich unverändert hinter sich lässt? Darum schreibe ich. Meine Romane sollen unterhalten. Und unter Umständen schaffe ich es, in der Erinnerung meiner Leser Spuren zu hinterlassen. Ich arbeite daran. Auch mein nächster Roman wird ein Mystery-Thriller werden. Das Genre passt zu mir. Den Leser packen, durch magische Momente schleudern und ihn mit einem kriechenden Schauder über dem Rücken zurücklassen. Ja, so kann ich mir spannende Unterhaltung vorstellen. Wo hinterlässt Du deine Spuren?

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

4:45 Uhr raus. Kurz nach fünf aus dem Haus. Und ab in den Bus. Wer im öffentlichen Nahverkehr zur Unzeit einen aufgeklappten Laptop sieht, der könnte einen jungen Autor vor sich haben. Mehr Zeit gibt mein Arbeitstag dafür nicht her. Den Rest des Tages bewege ich mich zwischen Bürostühlen, Datenbanken und Programmcode, während sich in meinem Hinterkopf die Ideen für verrückte Geschichten zusammenbrauen. Für mich passt beides – das Schreiben und das Programmieren – irgendwie zusammen. Und da ich vom Programmieren Ahnung habe, versuche ich, das Thema auf meine Storys zu übertragen. Auf dem Nachhauseweg geht wieder was. Und wenn ich nicht gerade selbst ein Buch lese oder aufgrund müder Augen ein Hörbuch höre, dann schreibe ich. Bis ich abends endlich wieder bei meiner wundervollen Familie bin. Dann wird nicht geschrieben – fast nicht. Dann zählen meine Frau und meine Töchter. Zuhause machen wir alle was mit Büchern. Wir lesen viel.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Ich habe eine Weile als Entwickler und Forenadministrator für Neobooks gearbeitet. Das ist eine Internet-Plattform, powered by Droemer Knaur, die es jungen Autoren möglich macht, über einen Rezensions-Wettbewerb an einen Verlagsvertrag zu kommen. Da habe ich erlebt, wie Autoren ganze Freundeslisten aus unterschiedlichen sozialen Netzwerken in Bewegung setzen, um sich in dem Wettbewerb nach oben zu schieben. Das hat tatsächlich funktioniert! Die Macht sozialer Netzwerke darf nicht unterschätzt werden. Wer sich intensiv mit den Strukturen sozialer Netzwerke auseinandersetzt, hinter die Kulissen der Gefällt-mit-Buttons schaut, der entdeckt dort versteckte Möglichkeiten, die Macht dieser Netzwerke für sich zunutze zu machen. Allerdings muss man auch dafür bezahlen – mit seiner Zeit. Ja. Soziale Netzwerke kosten viel Zeit. Und wer die Zeit nicht aufbringen kann, der wird in diesen Netzwerken nur schwer erfolgreiches Marketing betreiben.

Heutzutage ist es unerlässlich für junge Autoren, sich mit den sozialen Netzwerken auseinanderzusetzen. Facebook und Twitter werden zum täglichen Werkzeug im Kontakt mit dem Leser und moderne Verlage erwarten von ihren Autoren, diesen Kontakt aufrechtzuerhalten. Vor allem Kleinstverlage geben auf diese Art und Weise viel Marketing an ihre Autoren ab. Der Autor wird zur Verlagsvertretung. Es ist ein Deal, der sowohl dem jungen Autor als auch dem kleinen Verlag zugute kommt.

Ich finde, dabei sollte nicht vergessen werden, was der Autor eigentlich ist: Schriftsteller.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ich suche beinahe ständig das perfekte Thema für ein Buch. Finde ich ein Thema, dann frage ich mich: Gab es das schon? Kann man aus diesem Ereignis die nötige Tiefe für einen ganzen Roman schaffen? Interessiert das überhaupt jemanden? Ich habe schon einige Romane nicht zu Ende gebracht, weil sich der rote Faden irgendwo in sich selbst verloren hat. Und einiges ist zurück in die Schublade gewandert, da es gut irgendwann Teil einer größeren Sache werden könnte. Oder auch nicht. Wo steckt sie nur, die Geschichte, die jeder lesen will, die aber noch niemand geschrieben hat? Bei meinem Roman »Social Network. Die Bibliothek des Schicksals« denke ich, so ein Thema gefunden zu haben: Pass auf, was du tust – denn das Netz kennt dich.

Wo finden wir Sie im Internet?

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Chris M. Wagner

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