Caroline Wick: Die Bereitschaft wächst gerade langsam, Illustratoren zu beschäftigen

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Caroline Wick: Die Bereitschaft wächst gerade langsam, Illustratoren zu beschäftigen

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Caroline Wick und ich bin freischaffende Illustratorin. Ich gestalte Cover für Bücher, eBooks, CDs, Plakate, Werbemittel, Sympathieträger und alles, wofür meine Kunden sonst noch Bilder und Zeichnungen brauchen.

Meine perönliche Leidenschaft gilt der Fantasy und Science Fiction, aber alles andere macht natürlich auch Spaß!

Angefangen habe ich gleich nach meinem Grafikdesign-Studium, nachdem ich zu meinem Glück relativ früh festgestellt habe, dass mir das Agenturleben nicht besonders liegt. Ich arbeite lieber frei, manchmal mitten in der Nacht, manchmal zehn Stunden am Stück – das kann man in einem Bürojob nicht machen. Deshalb habe ich mich 2004 als Grafikerin und Illustratorin im Raum Bremen selbständig gemacht und seitdem einen Riesenspaß an meiner Arbeit.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Meistens klingelt um 7 der Wecker. Wenn ich es dann bis um 8, halb 9 an den Schreibtisch schaffe, bin ich schon schnell. Dafür kann’s dann abends aber auch mal 22 oder 23 Uhr werden. Die erste Zeit kümmere ich mich um den Büro- und Papierkram, den man so erledigen muss, E-Mails, Telefonate, damit ich danach den Kopf frei habe für meine Kunden. Meistens arbeite ich digital, d.h. ich schließe mein Wacom an und los geht’s! Ab und zu wird’s auch noch “analog”, dann kommt der Airbrush, Bleistift oder Acrylpinsel dran, das wird aber immer seltener.

Den größten Anteil an meiner Arbeit nehmen die eBook-Cover ein, deshalb bin ich auch oft im Gespräch mit Kunden oder am Recherchieren, Lesen und Skizzieren, eigentlich der Teil, der mir am meisten Spaß macht. Herauszufinden, welche Ideen und Vorstellungen meine Auftraggeber haben, ist immer ziemlich spannend!

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Der digitale Anteil hat unglaublich zugenommen, erst einmal durch die ganzen Möglichkeiten, die sich in Sachen 3D und Zeichenprogammen entwickelt haben und dann durch die Vorteile nicht nur für mich, sondern auch gerade für den Kunden. Ich kann schnell am Rechner skizzieren, die Skizzen per Email an den Kunden schicken und habe innerhalb kürzester Zeit eine ziemlich genaue Vorstellung von dem, was der Kunde möchte. Änderungen sind an digialen Vorlagen natürlich auch schneller zu bewerkstelligen. Der ganze Workflow ist unglaublich flexibel. Das spiegelt sich vor allem im Zeitaufwand wieder und der wiederum macht sich beim Kunden im Geldbeutel bemerkbar.

Die Bereitschaft wächst gerade langsam, Illustratoren zu beschäftigen. Früher hat man uns für Kinderbücher geholt oder für Editorials und Handbücher, jetzt entdeckt man, wie vielseitig Illustration eingesetzt werden kann. Das liegt auch mit daran, dass sich der Stil langsam wieder ändert. Die letzten Jahre war alles sehr grafisch, gelegentlich sogar ein wneig unerkühlt, momentan wechselt das wieder zu eher “organischen”, handgemachten Sachen, die nun mal ein Illustrator besser kann als ein reiner Typograph oder Grafiker.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein richtig typisches Problem ist zum Beispiel, Autoren von der Wichtigkeit ihres Buchcovers zu überzeugen! Wie mache ich ihnen verständlich, dass es tatsächlich über das erste Wohl und Wehe eines Buches entscheiden kann?

Aber ich verstehe die Autoren vollkommen: man hat gerade sein Buch fertig, wühlt sich durch das ganze Drum-Herum und denkt: auf den Inhalt kommt es an. Das ist natürlich auch völlig richtig, nur die meisten vergessen, dass der Leser ja nicht als erstes den Inhalt sieht, sondern das Cover. Und die Rückschlüsse, die er vom Cover auf den Inhalt zieht sind nicht zu unterschätzen! Zum einen: die Professionalität des Covers lässt nachgewiesenermaßen den zukünftigen Leser auf die Professionalität des Autors schließen. Dazu reicht es schon, wenn man sich bei einigen Büchern die Rezensionen auf Amazon durchliest und mehr als einmal über den Satz stolpert: “Das Cover hat einen guten Eindruck gemacht, da hab ich einfach zugegriffen”.

Und zum anderen: die ersten Sekunden entscheiden. Wenn das Cover da nicht auffällt (natürlich in einem positiven Sinne!) geht es im Wust der täglichen Neuerscheinungen völlig unter und dann kann der Inhalt so gut sein wie er will. Niemand wird es lesen, weil er vorher an anderen, auffälligeren, besser aussehenden Covern hängenbleibt.

Es ist wie mit Regalen voller Margarine. Eine reiht sich an die andre, alle sehen anders aus, aber im Prinzip sind alle Margarine. Was lässt uns nun ausgerechnet zu der einen greifen?

(Und jetzt alle zusammen:) Die Verpackung!

Nicht umsonst gibt es Produktdesigner!

Wenn uns die Inhaltsstoffe (bei eBooks, z.B. die Leseprobe) nicht passen, suchen wir weiter und greifen als nächstes zur zweitinteressantesten Margarine und so weiter und so fort, bis wir gefunden haben, was wir suchen. Und eine Sorte bleibt immer liegen, das kennen wir ja alle. Wenn es ums eigene Buch geht, dann soll das aber bitte nicht die Margarine sein, die noch drei Wochen nach Ablauf des Haltbarkeitsdatums im Regal vor sich hin dümpelt. Dazu hat man zu viel Herzblut, Zeit und Energie in seine Marga – äh, sein Buch investiert, oder etwa nicht?

Auf der anderen Seite gibt es natürlich noch die Kostenfrage. Gerade als Indie-Autor, der vielleicht am Anfang seiner Karriere steht und sich unsicher ist, ob er genug Geld damit verdient, ist es schwer zu sagen: ich investiere in einen Profi.

Ich habe lange darüber nachgedacht und nach Möglichkeiten und Lösungen gesucht. Dazu muss ich sagen: Bilder liegen mir am Herzen. Ich bin Illustrator aus Überzeugung, nicht weil man damit reich werden kann. Wenn ich manchmal auf Amazon “blättere” dreht sich mir das Herz um, was manche Autoren ihren Büchern durch die Cover antun. Dann möchte ich sagen: “Komm her, ich mach das umsonst für dich, nur bitte quäl’ deine Geschichte nicht so!” Natürlich würde ich innerhalb von ein paar Wochen bei Aldi an der Kasse sitzen müssen, aber das hält meine Finger nicht davon ab, gelegentlich mal zu jucken.

Ich habe schließlich eine recht schöne Lösung gefunden, denke ich, indem ich auf meiner Homepage unter anderem vorgefertigte eBook – Cover zu günstigen Preisen anbiete.

Für diejenigen, die sich doch einmal selbst daran wagen wollen, habe ich einen kleinen Ratgeber geschrieben (gibt’s auf Amazon für 99 Cent), damit wenigstens die größten Fehler vermieden werden können und der Autor ein Gefühl bekommt für das, was wichtig ist an seinem höchstpersönlichen Cover. Es ist keine Schritt-für Schritt-Anleitung sondern wirklich ein Ratgeber mit Tips. Am Ende ist ein Code, mit dem kann man sich bei mir melden und mir sein Cover mal zeigen. Dann schau ich mir das an und zeige eventuelle Schwachstellen auf, oder gebe sonstige Ratschläge.

Wo finden wir Sie im Internet?

Ich bin jederzeit unter www.caroline-wick.de und caro@caroline-wick.de erreichbar. Ich freue mich über jeden freundlichen Kontakt, wer Lust hat, kann mir gerne wegen gemeinsamer Projekte oder auch mit Fragen eine E-Mail schicken.

Bildquelle: Caroline Wick


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