Cahal Armstrong über Whiteboards als nützliche “Hexenkessel” für Autoren

Cahal Armstrong über Whiteboards als nützliche "Hexenkessel" für Autoren Cahal Armstrong ist Indie-Autor (www.cahal.de) und berichtet uns hier über Werkzeuge und Instrumente, die das Autoren-Leben erleichtern können.

»Ideen zu haben ist himmlisch, sie auszuarbeiten die Hölle.«

Der belgische Schriftsteller Maurice Maeterlinck hat diese wohlbekannten Worte gesprochen, und damit sozusagen den Nagel einer jeden kreativen Arbeit auf den Kopf getroffen.

Alles beginnt mit einer Idee, die manchmal laut und mächtig daherkommt und später ganz leise und beschämt von dannen zieht, wenn man sie genauer in Augenschein nimmt. Oder sie schleicht sich leise in den Schatten des Bewusstseins an, wenn man mit den Gedanken abschweift und gar nicht so richtig »bei der Sache« ist.

In beiden Fällen muss man die Idee packen und begutachten, ihren Wert, ihre Gestalt erkennen und versuchen, sie vollständig zu erfassen. Scheint sie brauchbar und substantiell, ist sie dennoch kaum mehr als eine Möglichkeit, ein Initialfunke, der wirkungslos verpufft oder, bei richtiger Vorbereitung, ein infernalisches Feuer weiterer Einfälle entfachen kann.

Klingt alles sehr pyromanisch, aber hier sind vielleicht die Gemeinsamkeiten von Besessenen und Schriftstellern zu finden: Von der Idee bis zur Umsetzung ist es ein weiter Weg, der nur mit einer Form von leidenschaftlichem Trieb zurückgelegt werden kann. Wer nicht die Kraft aufbringen kann oder will, seine Idee mit Erfolg umzusetzen, wird unweigerlich scheitern.

Eine beliebte Frage an Schriftsteller ist daher, woher die Ideen für die Erzählungen kommen. Das lässt sich nur schwer beantworten, finde ich. Fakt ist jedoch, dass sie da sind. Also wohin damit, bevor sie zu einer fertigen Erzählung werden können?

Gerade als Indie-Autor, also als jemand, der sowohl Schriftsteller als auch Verleger ist, hat man eine wahre Flut von Ideen, die jeden Tag bewältigt werden wollen. Sei es die Idee zu einer neuen Geschichte, der Titel für ein neues Buch, Einfälle zum nächsten Cover, eine Marketing-Idee und vieles mehr.

Als jemand, der jahrelang in der Kreativbranche tätig war, habe ich einen guten Einblick in die Umsetzung und Ausarbeitung von Ideen. Die Hilfsmittel sind zahlreich: Scribbles, Mind-Maps, Storyboards, Skizzen, Notizbücher, Diktiergeräte. Als ich meinen ersten Kurzfilm gedreht habe, bedeckte sogar einmal ein Storyboard eine komplette Wand meines Arbeitszimmers, jede Skizze war dabei auf einen DIN-A4-Zettel gedruckt, der mit Notizen beschmiert oder sogar durchgestrichen oder gänzlich ausgetauscht werden konnte. Auf diese Weise entstand der Film Stück für Stück vor meinem inneren Auge. Als es dann zum Dreh kam, hatte ich die Ideen zu jeder Einstellung, jeder Szene im Kopf. Ich war gut vorbereitet und beendete den Dreh erfolgreich.

Ich habe mir, basierend auf dieser Erfahrung, vor Beginn meiner ersten Veröffentlichung ein großes Whiteboard angeschafft. Es ist etwas über einen Quadratmeter groß und hängt in unmittelbarer Nähe meines Schreibtischs. Nicht zu nah, damit ich den Überblick behalten, aber nah genug, dass ich es stets gut lesen und schnell erreichen kann. Dieses weiße Stück Metall ist mein »Hexenkessel«. Hier werfe ich all jene alchemistischen Zutaten zusammen, die aus dem Blei meiner Ideen manchmal Gold werden lassen.

Zu Anfang, noch vor meiner ersten Veröffentlichung, fanden sich hier vor allem Hinweise zur Erstellung von eBooks, der Formatierung, Dingen, die dabei beachtet werden mussten. Aber auch Einfälle zum Marketing, zum Aufbau meiner Webseite, eben zu allem, was für den schnöden Mammon von Belang ist.

Nach dieser Phase traten Geschichten und Erzählungen aus der Order-of-Burning-Blood-Reihe in den Vordergrund und schnell war eine Timeline und die Struktur der Erzählung notiert. Mind-Maps, also Stichwörter mit Kreisen darum, die mittels Strichen verbunden werden, halfen mir, Verbindungen herzustellen und den Überblick zu behalten. Bei der Erschaffung einer fantastischen Welt mit all ihren Mischwesen, gottgleichen Geschöpfen, der detaillierten Geographie und extrem hoch entwickelten Technologie wie Kabal war das nicht nur hilfreich, sondern absolut notwendig.

Inzwischen dient die Tafel, die ich mit verschiedenfarbigen Board-Markern malträtiere, zur Notierung einer Mischung aus Einfällen, die alle Bereiche meiner Tätigkeit als Schriftsteller und Selfpublisher beinhalten. So gelingt es mir, auf schnelle und einfache Weise Ideen zu bannen. Manche dieser Einfälle brodeln in meinem »Hexenkessel« so lange vor sich hin, dass ich die Worte nur noch mit einem Reiniger entfernen kann, andere wische ich schon nach ein paar Minuten oder Stunden wieder fort. Dabei hilft es enorm, den Blick immer wieder auf die niedergeschriebene Idee zu richten, sie erneut ins Bewusstsein zu rufen und dadurch ihren Wert kennenzulernen.

Auch als großer Notizzettel ist diese metallene Tafel genial und macht mich unmissverständlich auf Dinge aufmerksam, die ich mir unbedingt merken oder dauerhaft einprägen muss.

Wer also aus seinen Ideen mehr als nur temporäre Hirngespinste erzeugen will, kann mit seinem Whiteboard-Hexenkessel den Versuch unternehmen, aus Blei Gold zu machen.

Bei mir hat es jedenfalls geklappt.


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