Cahal Armstrong: Ein Wiki muss her

Cahal Armstrong: Ein Wiki muss her Cahal Armstrong ist Indie-Autor (www.cahal.de) und berichtet uns hier über Werkzeuge und Instrumente, die das Autoren-Leben erleichtern können.

Das Frühjahr.

Wer jetzt aus dem Fenster blickt und das sprießende Grün bewundert, oder – wie ich – an Unkrautvernichtungsmittel denkt, weil die Terrasse von streitsüchtigen Chlorophyll-Monstern erobert wird, erkennt, dass stetes Wachstum das Herz erfreut … oder einen verzweifelt die Haare raufen lässt.

Bei Erzählungen ist es ähnlich ambivalent. Wenn man nicht ein wenig Ordnung hineinbringt, läuft man Gefahr, irgendwann den Überblick zu verlieren, so schön es auch ist, dass alles wächst und gedeiht.

Vor kurzem hat mich ein Fan der Nefilim-KI-Reihe gefragt, ob ich mir ein Wiki zu der Buchreihe vorstellen kann. Für mich war das im ersten Moment wie der Blick auf ein Beet voller Unkraut. Am Besten, das macht jemand anders. Nur ich nicht.

Dann fing die Arbeit am 6. Teil zur Nefilim-KI-Reihe an und schnell war mein Bildschirm zugekleistert mit Dokumenten, die wertvolle Informationen und Referenzen des inzwischen stark gewachsenen NKI-Universums enthielten.

Wie habe ich diese Beleidigung der Partik formuliert? Was war nochmal die exakte Bezeichnung dieser speziellen Schiffsklasse? Waren die Orbitgräber im Futarogg-System über dem fünften oder dem sechsten Planeten?

Ich suche, ich wühle, ich verschwende Zeit.

Wie bei allem, was ich tue, überlege ich mir also, wie man der Situation etwas Positives abgewinnen kann.

Natürlich! Ein Wiki muss her!

Nun gibt es immer noch Informationen, welche die heiligen Hallen meiner Festplatte nie verlassen werden, aber sehr viele von den Hintergrundinfos helfen nicht nur mir selbst, sondern sind auch für die Fans und Leser sehr interessant. Gerade bei Science-Fiction oder Fantasy gibt es reichlich Informationen, die man in ein Glossar oder sogar größere Anhänge einbringen kann. Wer »Der Wüstenplanet« von Frank Herbert oder J.R.R Tolkiens »Herr der Ringe« gut kennt, weiß genau, was ich meine. Doch die Informationen zu den Hintergründen dieser Romane sind schwer zugänglich oder laden nicht unbedingt zum Lesen ein. Im Fall von »Der Wüstenplanet« muss man sich zudem sehr glücklich schätzen, wenn man »Die Dune-Enzyklopädie« besitzt, die seit langer Zeit vergriffen ist.

Glücklicherweise gibt es im Internet-Zeitalter eine einfache Lösung für das Problem, wie man Ordnung in seine Informationen bringt und gleichzeitig einen schnellen Zugriff darauf herstellt. Ich habe mir also verschiedene Möglichkeiten angesehen, wie man ein Wiki einrichten kann. Beispielsweise kann man sogar die Software kostenlos nutzen, die Wikipedia einsetzt. Klasse – aber viel zu aufwändig, denn wenn man als Schriftsteller eines nicht hat, dann ist es Zeit. Man muss sehr sorgsam damit umgehen.

Die beste Lösung war aber schnell gefunden, nämlich ein Provider speziell für Wikis. Ich habe mich für www.wikispaces.com entschieden und hatte mein Wiki innerhalb von einigen Stunden mit einigen Dutzend Artikeln zu Orten, Technologien, Tierarten, Spezies etc. versorgt.

Perfekt!

Wichtig war in diesem Zusammenhang für mich, dass ich bei Wikispaces problemlos die Grundeinstellung einer CC-Lizenz durch meine eigenen Urheberrechtshinweise ersetzen konnte. Ebenso ist es ganz einfach, dafür zu sorgen, dass niemand sonst an den Texten arbeitet, was bei den meisten Wikis nur mit erheblichem Aufwand erreicht werden kann. Außerdem gibt es dort eine integrierte Backup-Möglichkeit per Mausklick, damit man die mühsam erstellten Informationen und Texte nicht wieder verliert. Nur die Suche wollte nicht gleich funktionieren, was sich nach einer E-Mail an den Support klärte. Die Such-Funktion braucht mehrere Tage, bis sie »warmgelaufen« ist, dann läuft sie aber. Einziger Wermutstropfen an der Sache ist, dass der Support ausschließlich englischsprachig ist.

So kann ich meinen Lesern jetzt ein interaktives Glossar zu all meinen Romanen bieten, und habe darüber hinaus die Möglichkeit, sehr einfach in den Beschreibungen zu meinen Welten zu suchen, um beim Schreiben dringend benötigte Informationen zu finden. Außerdem macht es Spaß, das Wiki aufzubauen, was ich gar nicht unbedingt vermutet hätte.

Das gezielte Suchen nach Namen und Begriffen fällt leicht, doch auch das Verfolgen von Links und Verknüpfungen macht Spaß und trägt zur Tiefe der Welt und damit langfristig zur Unterhaltung meiner Fans und Leser bei, was mir ganz besonders wichtig ist. Der Aufbau ist natürlich noch nicht abgeschlossen, viele Artikel können noch besser vernetzt werden, wenn insgesamt mehr Begriffe enthalten sind. Doch so ein Wiki darf in Ruhe wachsen.

Anders als das Unkraut auf der Terrasse. Das muss jetzt endlich weg.


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