Birgit Freudemann: Gemeinsam mit meinem Partner betreibe ich seit 2006 ein freies Lektorat und Korrektorat

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Birgit Freudemann: Gemeinsam mit meinem Partner betreibe ich seit 2006 ein freies Lektorat und Korrektorat

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Birgit Freudemann. Gemeinsam mit meinem Partner Karl-Heinz Düvel betreibe ich seit 2006 ein freies Lektorat und Korrektorat mit dem großen Vorteil für unsere Autoren: Vier Augen sehen mehr als zwei.

Als gelernte Buchhändlerin bin ich von Anfang an vertraut mit allen Fragen rund um das Buch. Nach Folgetätigkeiten bei einer Zeitungs- und einer Zeitschriftenredaktion und anschließendem Studium der Philosophie, Ethnologie und Politik mit dem Abschluss Magister Artium (M.A.) habe ich aus familiären Gründen viele Jahre lang als freie Korrektorin für einen recht bekannten Verlag gearbeitet, in späteren Jahren ein Fernstudium in Kulturtourismus und Event-Management aufgenommen.

Diese Erfahrungen sind die Basis für unser Lektorat. Die von mir vertretene geisteswissenschaftliche und belletristische Sparte ist durch die fachliche Spezialisierung meines Partners um die Komponente Landwirtschaft (Schwerpunkt tropische, subtropische Landwirtschaft, Beratung sowie standortgerechter Landbau) erweitert worden.

Wir sind sowohl Ansprechpartner für freie Autoren der Belletristik, die ihre Romane und Erzählungen oder auch Lebenserinnerungen druckreif gestalten möchten, wie auch für Studierende und Geisteswissenschaftler, die ein Korrektorat ihrer Abschlussarbeiten benötigen. Wir nehmen uns auch gern der Manuskripte von Kinderbuch- und Fachbuchautoren an, lektorieren Webtexte und Filmtexte. In seltenen Fällen, in denen Autoren und Autorinnen keine eigene Datei erstellen können, übernehmen wir die Texterfassung noch vor dem Lektorat.

Gelegentlich schreibe ich selbst, z. B. Künstlerporträts. Überdies befasse ich mich seit Jahr und Tag mit der textlichen Aufarbeitung des künstlerischen Schaffens meines verstorbenen Mannes Werner Freudemann, weitere Details können nachgelesen werden unter: www.kulturimkonvent.de

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Sofern es die Auftragslage erfordert, arbeiten wir mitunter bis in den späteren Abend hinein mit wenigen Ausnahmen an jedem Tag der Woche, bearbeiten die vorliegenden Manuskripte, erledigen Korrespondenz und Telefonate, reagieren auf Anfragen, kümmern uns um Akquise, erstellen Angebote. Die Arbeit am Manuskript – sie erfordert Konzentration und Aufmerksamkeit – wird häufig unterbrochen von Anrufen einiger Autoren, die spezielle Fragen haben oder Rat suchen. Da neben der reinen Textarbeit die Autorenbetreuung ein wichtiger Bestandteil unseres Service ist, kümmern wir uns gern um die jeweiligen Belange – selbst rein private, das bleibt gar nicht aus.

Das Lesen und Bearbeiten der vorliegenden Texte ist sehr zeitintensiv, auch weil es immer wieder Recherchen oder Rückfragen bei den Autoren erfordert. Da uns die Zufriedenheit unserer Auftraggeber wichtig ist und generell die Textoptimierung uns am Herzen liegt, gehen wir sehr engagiert und einfühlsam vor. Die Autorin/der Autor sollen sich gut aufgehoben fühlen und in ihrem Text wiederfinden. Als großes Lob für unsere Arbeit verbuchen wir, wenn ein Autor nach erfolgtem Lektorat meint, wir hätten doch eigentlich fast gar nichts korrigiert, wir ihm aber nachweisen können, dass wir doch eine ganze Menge an Änderungen vorgenommen oder ganz in seiner Diktion neu formuliert haben.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Nachdem ich seit Kurzem ausschließlich als freie Lektorin beschäftigt bin, habe ich wesentlich mehr Zeit für unsere Klientel und ihre Manuskripte und kann auch mal eine berufsbezogene Fortbildung, einen Workshop oder ein Seminar wahrnehmen.

Autoren werden zunehmend, fast möchte ich sagen zwangsläufig selbstbewusster in Bezug auf Veröffentlichung und nehmen gern die Möglichkeit wahr, im BoD-Verfahren ihr Manuskript zu publizieren. Sie erfahren häufig, dass sie so gut wie keine Chance haben, von einem ordentlichen Verlag anerkannt zu werden.

Verlage weisen ja mitunter darauf hin, dass sie mit Bergen von Manuskripten überhäuft werden und keine Zeit finden, frei eingereichte Werke auch nur ansatzweise zu lesen, folglich alle Manuskripte ohne Weiteres sofort “unter den Tisch fallen lassen”, – ein geradezu vernichtender Umgang mit schriftstellerischen Ressourcen und dem Kulturgut schlechthin.

Während wir in Folge früherer Bemühungen, einen ordentlichen Verlag zu finden, Exposé und Probeseiten im Auftrag unserer Autoren einreichten und vielleicht sogar Antwort erhielten – zwar stets Absagen, aber immerhin doch eine Reaktion –, werden wir heute von so manchen Lektoren/Lektorinnen angesehener Verlage völlig ignoriert. Ein bedenkliches elitäres Verhalten gegenüber Kollegen, die vermutlich gleiche Qualifikationen, gleiche Interessen hinsichtlich der Arbeit am Kulturgut Buch haben, nur eben keine Festanstellung in einem Verlag.

In der Konsequenz führt das dazu, dass wir, falls Autoren alles selbst in die Hand nehmen wollen – sei es im Selbstverlag oder via BoD –, zunehmend auch als Layouter und Setzer gefragt sein werden. Mit dem Erwerb der dafür erforderlichen Kompetenz, der Hard- und Software-Komponente bis hin zum druckfertigen Manuskript, werden wir uns folglich verstärkt befassen oder aber uns um Alternativen bemühen müssen.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein großes Problem ist die Honorargestaltung. Häufig treten Autoren/Autorinnen an uns heran, weil sie einerseits wissen, dass sie eine Textüberprüfung benötigen, im Prinzip aber am liebsten gar nichts oder nur ganz wenig dafür bezahlen möchten. Lektoratsanfragen lösen immer schon einen erheblichen Arbeitsvorgang aus und sei es nur das Querlesen des Textes für einen ersten Überblick zwecks Angebotserstellung. Bereits im Vorfeld ergibt sich oft umfangreicher, zeitraubender Klärungsbedarf, Überlegungen zum Text sind anzustellen und Konzentration auf das Sujet, oft gepaart mit wertvollen Gratisinformationen für den Autor. Am Ende erfolgt auf das Angebot keine Antwort oder eine stupende Absage, weil man die Arbeit woanders billiger einkaufen konnte. Lektoren erfahren also nicht immer die angemessene Wertschätzung, sondern finden sich im Tal des Preisdumpings wieder in dem Gefühl, dass ihre Qualitätsarbeit nicht im Vordergrund steht, sondern der niedrige Preis ausschlaggebend ist. Dieser Abwertung und Geringschätzung der Lektoratsarbeit würde ich gern gegensteuern.

Doch es gibt sie, die gar nicht so seltenen rühmlichen Ausnahmen: Der Klient, die Klientin akzeptiert das Honorar, lässt uns viel ‘freie Hand’ und freut sich aufrichtig über das letztendlich überzeugende Ergebnis unseres engagierten Arbeitens.

Wo finden wir Sie im Internet?

Meine Website: www.schreibwerkstatt-bf.de gibt Aufschluss über die Arbeitsweise unseres Lektorats und die Referenzen. Verschiedene Links leiten zu meinen journalistischen Arbeiten.

Ich bin auch in den Netzwerken: text-treff, Xing und LinkedIn zu finden und Mitglied im Verband freier Lektorinnen und Lektoren (VFLL)

Bildquelle: Birgit Freudemann


(Evtl. sehen Sie hier eine Anzeige. Mit Klicks unterstützen Sie unser kostenloses Info-Angebot. 🙏)

Kommentar schreiben