Albrecht Behmel: Ich finde, es müssen wieder viel mehr Illustrationen in die Bücher – gleich welcher Gattung

Die folgenden fünf Fragen werden regelmäßig von den unterschiedlichsten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen. (Jedoch behalte ich mir vor, nicht alle Zusendungen zu veröffentlichen.)

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Albrecht Behmel und ich schreibe seit 1999 Vollzeit für Film, TV, Radio und Print (Arte, SR, Deutschlandfunk, etc.). In den Neunziger Jahren habe ich mit ein paar Kollegen einen der ersten deutschen Internet-Verlage gegründet, Student-Online, der sich auf die Publikation von wissenschaftlichen Rezensionen, Ratgebern und Studienarbeiten spezialisierte. Viele davon sind in den Druck gegangen. Wir hatten übrigens auch eines der ersten Online-Wörterbücher, Deutsch-Englisch und Spanisch. Allerdings waren wir mit unserer Version der e-Books und der Lexika leider etwas zu früh dran.

Derzeit beende ich eine Romanreihe über Berlin, wo ich 16 Jahre lang gewohnt habe. Die vier Bücher erscheinen im Frühjahr 2013 bei Chichili. Ich befasse mich ferner immer wieder mit wissenschaftlichen Themen der Zeitgeschichte und der Hochschulgeschichte. Im Moment arbeite ich an einem filmhistorischen Lexikon – natürlich alles unter Vertrag.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Bei Auftragsarbeiten ziehe ich mich in mein Büro zurück und schreibe den ganzen Tag über, bei kreativen, also eigenen Projekten schreibe ich meistens nachts, wenn meine (ziemlich große Familie) langsam zur Ruhe gekommen ist. Ich schreibe am liebsten zuhause und nicht, wie viele Kollegen das von sich sagen, in Cafés oder anderen öffentlichen Plätzen. Durchschnittlich verbringe ich mindestens sieben bis acht Stunden pro Tag am Rechner, allerdings nicht en bloc.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Wir sind im Frühjahr von Berlin in den Schwarzwald gezogen, wo wir ein großes Haus haben. Seitdem hat sich mein Output enorm gesteigert, Berlin ist eine Stadt, in der es sehr leicht ist, Zeit zu verschwenden.

Für mich ist neu, dass ich künftig zuerst digital und dann im Druck publizieren werde, früher war es immer anders herum. Darüber schreibe ich in meinem neuen Blog. In Bezug auf die Software, die ich als Autor verwende, habe ich eine Entdeckung gemacht: Scrivener, seitdem ich das Programm kenne, verwende ich MS-Word eigentlich gar nicht mehr.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Oh, da gibt es viele. Da ist zunächst einmal die Langsamkeit der deutschsprachigen Verlage, die einem Autor ganz schön zu schaffen machen kann. Selbst bei Manuskripten, die man auf Anfrage schickt, vergehen oft Monate bis eine Antwort kommt. Eine andere Schwierigkeit ist die Beschränkung auf kommerziell sinnvolle Themen. Wenn einen die Muse kneift, muss man sich ab und zu ganz schön disziplinieren, um keine interessanten aber irren Wahnsinnsprojekte anzufangen. Ein oft wiederkehrendes Problem ist zum Schluss, dass ich ständig nach Grafikern und Designern suche, die mit mir gemeinsam Projekte realisieren wollen. Ich finde, es müssen wieder viel mehr Illustrationen in die Bücher – gleich welcher Gattung.

Wo finden wir Sie im Internet?

Eigentlich bin ich sehr leicht zu googeln. Mein Blog ist hier: http://www.behmel.de

Bei Amazon: http://www.amazon.de/Albrecht-Behmel/e/B004585YHM/ref=ntt_athr_dp_pel_pop_1

Bei Facebook: http://www.facebook.com/albrecht.behmel

Und bei Xing: https://www.xing.com/profile/Albrecht_Behmel?sc_o=mxb_p

Vielen Dank für Ihre Zeit!

Bildquelle: Albrecht Behmel

6 comments

    • Albrecht Behmel says:

      oh, ich bin sicher, dass wir eine renaissance der illustrierten bücher erleben werden, stephanie, vor allem in bezug auf die e-books…

  1. « Ein oft wiederkehrendes Problem ist zum Schluss, dass ich ständig nach Grafikern und Designern suche, die mit mir gemeinsam Projekte realisieren wollen.»

    Hier ist ein Designer, der gern mehr auf dem Buchsektor machen würde!

  2. Joachim Sohn says:

    Hallo Albrecht, ein berechtigter Aufruf nach mehr Illustrationen. Gut gemachte Cover und Buchillustrationen können einen großen Mehrwert bedeuten. Ich habe meine Fantasy-eBooks (übrigens auch chichili ;)) auf Wunsch des Lektorats mit zahlreichen Illustrationen ausgestattet. Das hat nicht nur Spass gemacht und meine Skills im Digital-Painting verbessert sondern den Geschichten eine zusätzliche konzeptionelle und atmosphärische Dichte gegeben, die schon einem Production-Design für eine Verfilmung nahe kommen 😉

    Und gerade für den eBook-Bereich gilt: je interaktiver sie werden umso mehr Möglichkeiten ergeben sich auch, die Stories durch Bild und Bewegtbild zu bereichern und dadurch attraktiver zu machen bzw. sie durch ein Alleinstellungsmerkmal den Printprodukten gegenüber aufzuwerten.

    Hier gibt es eine schöne Slideshow zum Thema Buch und Illustrationen: http://www.youtube.com/watch?v=UwUB6NrOJ_w

    • Albrecht Behmel says:

      ja, vor allem, wenn man an die möglichkeiten denkt, die grafiker und autoren haben, um gemeinsam etwas auf die beine zu stellen, und zwar schon im vorfeld der arbeiten…. das finde ich ziemlich attraktiv. ich glaube auch, dass die e-books da viele möglichkeiten eröffnen werden, und zwar schneller als die reader das umsetzen können 🙂

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