Thomas Feinen: Ich bin Leiter der Unternehmensentwicklung der DirectGroup Bertelsmann und Co-Geschäftsführer von pubbles

Thomas Feinen
Thomas Feinen

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Thomas Feinen, und mit Büchern mache ich –im beruflichen Kontext– genau genommen zwei Dinge: Ich bin zum Einen Leiter der Unternehmensentwicklung der DirectGroup Bertelsmann; das ist der Unternehmensbereich, der Buchhandlungen und Buchclubs sowie weitere Buch-Unternehmen in zwölf Ländern bündelt, und der eine gute Milliarde Euro Umsatz macht. Dazu gehört u.a. der Club Bertelsmann in Deutschland, die Basis für den Aufstieg von Bertelsmann als größtes Medienhaus in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Tätigkeit als Unternehmensentwickler ist besonders spannend, da es hier insbesondere um die Weiterentwicklung der traditionellen Geschäftsmodelle und die Übertragung unserer Kompetenzen in die digitale Welt geht. Neben der Entwicklung von neuen Ansätzen kümmere ich mich dabei vor allem um den Austausch zwischen unseren Tochterunternehmen – vor allem in Bezug auf digitale Geschäfte – und um die übergreifende Strategie der DirectGroup. Um einige spannende Ideen meiner Kollegen im deutschsprachigen Internet zu nennen: Die Community BuchGesichter.de, die literarische App BooksAround, den zeilenreich-Shop auf eBay, unser interaktiver Roman auf Facebook (in Kooperation mit Sebastian Fitzek) oder der schweizerische Buchshop RobinBook.ch. Da sieht man, dass viele Dinge auf der Basis entstehen, die der zu Unrecht als angestaubt geltende Buchclub (www.derclub.de) gelegt hat.

Mein zweiter Aufgabenbereich dahingegen ist sehr operativ: ich bin Co-Geschäftsführer von pubbles, der Online-Lese-Plattform. Dort mache ich ganz konkret was mit Büchern: Ich sorge dafür, dass möglichst viele von ihnen – in digitaler Form – auf technisch möglichst einfache Weise von möglichst vielen Menschen gelesen werden. Unsere iPad-App ist seit der Frankfurter Buchmesse 2010 live, die  iPhone-App erst seit wenigen Tagen, und in den nächsten Wochen kommen weitere Systeme dazu. pubbles hat heute 66 Zeitschriften- und Zeitungstitel und mehr als 30.000 eBooks im Angebot. Wir sind die ersten in Deutschland mit diesem Geschäftsmodell des eKiosks, der digitale Bücher- und Presseinhalte für den Nutzer aggregiert. Und der Markt für digitales Lesen ist sehr spannend, weil jetzt gerade große, tiefgreifende Veränderungen für die Buch- und Zeitschriftenverlagswelt stattfinden. Manche sprechen nicht zu Unrecht von tektonischen Verschiebungen, und wir sind mitten drin!

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Ich bin viel unterwegs, am pubbles-Unternehmenssitz in Hamburg und in Berlin und Gütersloh – aber immer wieder auch im Ausland. Daher habe ich wenige typische Tage. Privat wohne ich aber in Berlin. Vom Ort unabhängig beginne ich aber jeden Tag mit digitalen Informationen – News lesen, Emails, Twitter, Blogs und Facebook checken. Was mir an diesem abwechslungsreichen Alltag aber besonders wichtig ist, sind die Menschen, mit den ich zusammenarbeite, und dass es weitergeht und wir die Chancen der digitalen Welt weiter suchen und nutzen. Da passiert wirklich an fast jedem Arbeitstag etwas und häufig auch viel Unerwartetes.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Das schöne an meiner Arbeit ist, dass sie sich in den vergangenen Jahren von Theorie, Analysen und Business Cases hin zu Realität, Projekten und operativem Geschäft entwickelt hat. Das gilt nicht nur für die Geschäfte, an denen ich direkt beteiligt bin wie pubbles, sondern auch für die digitalen Geschäfte in den Tochterfirmen der DirectGroup: Von einer multimedialen Plattform, die in Spanien dieses Jahr sehr konkret wird, über eine frische eBook-Plattform in Tschechien (www.ebux.cz) bis hin zum Lesegerät Oyo und dem eCommerce-Geschäft unserer französischen Kollegen auf www.chapitre.com sehen wir überall, dass digitales Lesen kommt, sich entwickelt und die Menschen die Angebote auch nutzen. Dabei wandeln sich parallel die Geschäftsmodelle quasi im Halbjahrs- oder Quartalstakt. Sehr sehr spannend!

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein Grundproblem, wenn wir das Feld digitales Lesen nehmen, ist der Abgleich von drei Aspekten: erstens Theorie, zweitens Realität in den USA –ein wichtiger Markt, der Europa jedoch weit voraus ist–  und drittens die Realität in Europa: Wir haben in Analysen schon vor Jahren gewusst, dass Leute eBooks lesen werden. Und heute sehen wir in den USA, dass die Wachstumsraten beim eBook-Absatz gigantisch sind. Aktuell war im Februar eBooks erstmals die meist verkaufte Buchkategorie in den USA, noch vor Taschenbüchern. Aufgrund dieser Verdreifachung der Umsätze gegenüber dem Vorjahr gehe ich davon aus, dass wir 2011 in den Staaten einen zweistelligen Umsatzanteil von eBooks verzeichnen werden.

Aber die Realität in unseren Märkten sieht heute noch anders aus. Daher stellt sich die Frage, wie genau wir uns in Europa – und dann in jedem einzelnen Land – aufstellen, um zum richtigen Moment da zu sein? Vor diesem Hintergrund bringt jeder Tag neue, spannende Informationen und Erfahrungen, die unsere Ansicht und unsere Arbeit beeinflussen: Wie entwickeln sich eInk-Geräte im Vergleich zu den Tablets? Jetzt ist der deutsche Kindle da – was kommt noch an Lesegeräten? Wann wird Android als Betriebssystem iOS überholen? Werden sich enhanced eBooks durchsetzen? Wenn wir uns als Unternehmen, aber auch als Branche den Antworten annähern, wird alles gut, davon bin ich überzeugt.

Wo finden wir Sie im Internet?

Meine Firmen-Links sind www.directgroup-bertelsmann.de und www.pubbles.de. Mich persönlich finden Sie am besten auf Xing oder Linkedin, alle weiteren Kanäle kann man dann ja erkunden.

Bildquelle: Thomas Feinen
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Diese fünf Fragen werden regelmäßig von interessanten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.

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