Susanne Tenzler-Heusler: Die Stechuhr- und Meeting-Mentalität vieler Unternehmen ist längst nicht mehr zeitgemäß

Susanne Tenzler-Heusler
Susanne Tenzler-Heusler

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich heiße Susanne Tenzler-Heusler, bin 35 Jahre alt. und seit September 2009 Inhaberin der Kommunikationsagentur brandvorwerk-pr. Bücher, oder wie man heute sagt content, ziehen sich wie ein roter Faden durch mein Leben – privat wie beruflich. Ich habe sieben aufregende Jahre als Pressesprecherin der Leipziger Buchmesse gearbeitet und gleichzeitig die Pressearbeit für die damals weltgrößte Computerspielemesse GC-Games Convention in Leipzig aufgebaut. Büchermachen im ursprünglichen Sinne erlebe ich in dem Leipziger Verein Buchkinder e.V., den meine Agentur in der Öffentlichkeitsarbeit unterstützt. Das ist eine Schreib- und Buchwerkstatt, in der vier- bis 12jährige Kinder ihre eigenen Bücher schreiben und illustrieren. Ganz anders die Arbeit für die Buchmesse in Frankfurt. Die hat sich seit einigen Jahren das Thema Digitalisierung auf die Fahnen geschrieben und organisiert seit zwei Jahren die crossmediale Konferenz StoryDrive, die die Schnittstellen zwischen Buch-, Game- und Filmbranche behandelt. Mein Part dabei ist es, die Gamesbranche für die Konferenz zu begeistern. Ehrenamtlich leite ich die Regionalgruppe Sachsen/Sachsen-Anhalt/Thüringen des bundesweiten Arbeitskreises der Verlagspressesprecher.

Ganz aktuell aber beschäftigen mich gerade Kinderbücher, welche meine vierjährige Tochter abends vor dem Schlafen im Dutzend verschlingt.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den gibt es nicht, als Selbständiger ist man ja immer am Ball, immer bereit und jederzeit erreichbar. Letztlich dominieren die Zeitpläne meiner Auftraggeber meinen Arbeitstalltag. Das schließt Wochenenden ebenso ein wie gelegentliche Nachtarbeit. Hochzeiten wechseln sich mit ruhigeren Phasen ab.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Radikal. Zum einen aufgrund der Selbständigkeit, die es mir erlaubt, meine Arbeitszeit selbstbestimmter einzuteilen. Dabei genieße ich das Privileg, mir am Nachmittag Zeit für meine vierjährige Tochter zu nehmen und zu arbeiten, wenn sie im Bett ist. Das Schöne an meiner Arbeit ist aber auch, dass ich überall arbeiten kann: ich muss nicht pünktlich halb neun am Schreibtisch sitzen. Gerade in der Kommunikationsbranche von heute ist es völlig egal, von wo aus ich arbeite. Im Garten, auf dem Spielplatz oder im Café. Die Stechuhr- und Meeting-Mentalität vieler Unternehmen ist längst nicht mehr zeitgemäß und noch dazu völlig ineffektiv.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Ein zentrales Problem in meiner Arbeit ist der Widerspruch zwischen den vielen Möglichkeiten, die man als Agentur anbieten kann und den oftmals total verkrusteten, zeit- und kreativitätfressenden Strukturen auf der Kundenseite. Wenn man sozusagen als „Externer“ an Projekten arbeitet, muss man sich daran gewöhnen, dass man nicht das Tempo vorgibt, sondern vom Auftraggeber und seiner Schnelligkeit abhängig ist. Eine andere Beobachtung ist, dass der hohen Dienstleistungsbereitschaft der Selbständigen sehr häufig ein eklatanter Mangel an Wertschätzung und Respekt gegenübersteht – Motto „So ein bisschen PR macht man mit links“. Was leider in geradezu unanständigen Honorarangeboten mündet.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.brandvorwerk-pr.de
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Bildquelle: Susanne Tenzler-Heusler
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Diese fünf Fragen werden regelmäßig von interessanten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.

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