Stefanie Leo: Ich mach nicht nur was mit Kinderbüchern, sondern auch mit Buchhändlern

Stefanie Leo
Stefanie Leo

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Stefanie Leo und ich mach was mit Büchern, mit Kinderbüchern um genau zu sein! Begonnen hat alles ganz harmlos. Nach einer Ausbildung zum Schriftsetzer und zehn Jahren in Druckerei und Verlag, schob ich eine kurze Auszeit für den Nachwuchs ein. In dieser Zeit entstand die Website www.buecherkinder.de, auf der ich empfehlenswerte und mit meinem Vorlesenachwuchs erprobte Bilderbücher vorstellte. 2003, etwa ein Jahr nach Start der Website, kamen Kinder- und Jugendbücher hinzu, die ich von der Zielgruppe selbst bewerten ließ. Mittlerweile besteht die Kinder-Redaktion aus rund 30 jungen Mitarbeitern im Alter zwischen 8 und 20 Jahren, die Datenbank aus etwa 3.500 Büchern. Seit mehr als sechs Jahren biete ich Kinderbuch-Ausstellung in den Kitas der Umgebung an, fahre Bilderbuchkisten durch die Gegend und berate Schulbibliotheken bei der Anschaffung neuer Bücher. Und mit buchhändlerischer Verkehrsnummer ausgestattet, fühle ich mich sogar fast ein wenig wie ein Buchhändler 🙂

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Natürlich sieht nicht jeder Tag gleich aus. Gerade in der Zeit der Buchausstellungen oder beim Eintrudeln der neuen Vorschauen, sieht mein Arbeitstag gerne auch mal ganz anders aus. Aber ein relativ typischer Stefanie-Leo-Arbeitstag beginnt mit einer Tasse Kaffee und einer Runde sozialem Netzwerken via Smartphone. Etwa gegen halb 9 lande ich dann im heimischen Büro. Meistens bin ich jedoch nur zweiter, denn der Bürohund ist stets schneller. Rechner an, Mails checken und nun maximal 45 Minuten die Neuigkeiten auf Twitter, Facebook, Blogs und Co. sichten, auswerten und gegebenenfalls weiterverbreiten. Danach bin ich rigoros und stelle alle sozialen Netzwerke aus. Zu stark ist die Versuchung, den einen oder anderen Tweet zu kommentieren 😉 Jetzt kommt die Zeit der Buecherkinder-Datenbank. Neue Bücher werden aufgenommen, die Bewertungen der Kinder und Jugendlichen eingepflegt und die Belege an die Presseabteilungen der Verlage gemailt. Neue Bücher werden verpackt und an die Kinderredaktion geschickt. Um die Mittagszeit geht es dann erneut ins Social Web. Rezensionen erscheinen bei Facebook und Twitter, Kommentare werden dort und im Blog beantwortet und vielleicht ist ja sogar noch Zeit für einen neuen Beitrag im LovelyBooks Blog, für den ich seit gut einem Jahr schreibe.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Große Veränderungen haben sich für mich tatsächlich erst mit der Eroberung der Sozialen Netzwerke ergeben, da mein Berufsleben ja immer schon via Internet stattfand. Im November 2009 nahm das Social-Media-Schicksal jedoch seinen Lauf als ich mit Twitter begann, Anfang 2010 eroberte ich dann noch Facebook. Zuerst nur mit Privatprofil unterwegs, gesellten sich schnell die ersten Facebook-Seiten hinzu. FB-Buecherkinder informiert über neue Bücher in meinem Regal und später über die Rezensionen. FB-Was mit Kinderbüchern ist mir allerdings die liebste der Seiten, weil ich hier alles lesenswerte rund um das KiJuBu posten kann und die Interaktion mit mittlerweile über 1.500 Fans echt Spaß macht. Meine Aktivitäten im Social Web blieben allerdings nicht unentdeckt und führten in diesem Jahr zu einer mir bislang fremden Tätigkeit. Im Februar und Mai gab ich vor jeweils knapp 50 Buchhändlern ein Seminar zum Thema “Facebook, Twitter und Co. für Buchhandlungen”. Und auch nach den Seminaren werden die Buchhändler von mir in einer eigens erstellten Gruppe und einer Gemeinschaftsseite weiter begleitet. Ich freue mich immer wieder, wie aktiv viele von ihnen nach nur wenigen Monaten im Social Web sind. So bleibt es natürlich nicht aus, dass ich mich neben den Kinderbüchern seit einigen Monaten auch intensiv mit Facebook und seinen Möglichkeiten auseinandersetze.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Meine Twitter-Beschreibung lautet: Ehefrau, Jungs-Mama, Webseitenbetreiberin, (Kinder)Buchrezensentin, bibliophiler SocialWeb-Junkie, Bloggerin – diese Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer leicht und gerne könnte so mancher Stefanie-Leo-Arbeitstag auch 36 Stunden haben. Aber das ist sicherlich Klagen auf hohem Niveau und alleine bin ich mit diesem Problem auch nicht! Nein, ein typisches Problem habe ich eigentlich nicht. Wer im Netz und vor allen Dingen in und mit sozialen Netzwerken arbeitet, muss ständig am Ball bleiben, denn Veränderungen geschehen hier mitunter täglich. Diese stetige Entwicklung geht auch am Buchhandel nicht vorbei und ich bin wirklich sehr gespannt, wie es dort in den nächsten Jahren weiter geht.

Wo finden wir Sie im Internet?

Hach, eigentlich überall und jederzeit. Wahrscheinlich wache ich eines morgens auf und weiß ob meiner vielen Identitäten gar nicht mehr, wer ich bin 😉
www.buecherkinder.de
www.twitter.com/buecherkinder
www.facebook.com/steffi.leo
www.facebook.com/buecherkinder
www.facebook.com/wasmitkinderbuechern
www.facebook.com/facebuchhandlung

Bildquelle: Daniela Skrzypczak (demipress)
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Diese fünf Fragen werden regelmäßig von interessanten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.

5 comments

  1. Sehr schöner Blogpost über eine Ehefrau, Jungs-Mama, Webseitenbetreiberin, (Kinder)Buchrezensentin, bibliophiler SocialWeb-Junkie, Bloggerin Ihren Arbeitstag beschreibt und dabei vor allem Ihre Liebe zu Büchern – Kinderbüchern auch noch mit anderen teilt und Ihr Wissen weiter gibt. 

    • Stefanie Leo says:

      Ja, tatsächlich habe ich bemerkt, dass man als Quereinsteiger die Dinge rund um den Buchhandel doch oft noch aus Kundensicht betrachtet, was mitunter sehr hilfreich sein kann.

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