Simone Dalbert: Das bayerische Mathematikbuch

Simone Dalbert

Simone Dalbert (www.papiergefluester.com) kann nicht ohne Bücher. Als Buchhändlerin bringt sie ihre Lieblinge täglich in Umlauf und steckt Kunden mit ihrer Begeisterung an. Hier gewährt sie uns nun Einblicke in die Welt des Buchhandels, die hinter den Kulissen die eine oder andere Kuriosität zu bieten hat.

Alle Jahre wieder sucht es uns heim. Nach sechs Wochen, in denen wir hauptsächlich mal spannende, mal entspannende Ferienlektüre empfehlen durften, wird jetzt wieder Lektüre der ganz anderen Art gesucht. Schulbücher stehen auf den Listen, leider oft genug nur mit vagen Angaben.

Der meist gesagte Satz im Schulbuchgeschäft dürfte wohl „Haben Sie die ISBN dazu?“ sein. Leider ist die Antwort darauf meistens „Nein“. Wer noch nie versucht hat, ein ganz bestimmtes Schulbuch zu finden, hat keine Vorstellung davon, wie viele unterschiedliche Versionen es gibt. Kurz gefasst, es sind so viele, dass ich immer wieder leicht nervös werde, wenn ich hellseherisch die richtige finden soll.

Meist werden die Eltern von ihren Kindern nur mit mangelnden Informationen zum Schulbuchkauf geschickt. „Ich suche das Arbeitsheft zum Französischbuch“ hilft uns leider nur wenig weiter, wenn nicht einmal der Titel des Buchs bekannt ist. Auf die vorsichtige Aussage, dass es ziemlich viele verschiedene Französischbücher gibt, ernten wir meist erstaunte Blicke. Ungläubige Blicke beantworten wir mit einer Führung zum Regal, wo die bei uns gebräuchlichsten stehen. Meist verabschiedet sich der Kunde dann vorerst, mit unserer Telefonnummer in der Hand, um zu Hause einen Blick auf das Buch zu werfen und dann telefonisch zu bestellen.

Manchmal glaubt man uns aber auch einfach nicht. So geschehen, als ein Kunde vor einer Weile „das bayerische Mathematikbuch“ bestellen wollte. Er selber kam aus einem benachbarten Bundesland, der Lehrer hätte gesagt, das bayerische Mathematikbuch sei das Beste. Das mag sein, aber Bayern ist groß, und selbst in kleineren Bundesländern gibt es mehrere verschiedene. Eines der vielen wollte er nicht haben, es musste „das bayerische Mathematikbuch“ sein.

Ein großes Lob muss ich der Lehrerin aussprechen, die sogar extra beim Verlag die ISBNs erfragte, um die Eltern ihrer Schüler mit mustergültigen Literaturlisten auszustatten. Leider teilte der Verlag ihr die Nummern der falschen Ausgaben mit. Scheinbar hatten die dort selbst schon den Durchblick verloren.

Trotzdem gebe ich die Hoffnung nie auf und frage immer wieder „Haben Sie die ISBN dazu?“

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