Rebekka Kirsch: Ein Studentenleben ist (k)ein einfaches Dasein

Rebekka Kirsch: Ein Studentenleben ist (k)ein einfaches Dasein

Rebekka Kirsch hat sich in die Buchbranche verliebt. Auf dem Weg, ein Teil von ihr zu werden, stolpert sie als Studentin der Buchwissenschaft/Ökonomie über den ein oder anderen Stein, der dem Nachwuchs vor die Füße geworfen wird, – auch wenn sie versucht, ein paar Steine mit LooksIntoBooks aus dem Weg zu räumen. Sie erzählt uns hier nun Anekdoten aus dem Leben eines ambitionierten Nachwuchsmenschens.

Ein Studentenleben ist ein einfaches Dasein. Man besucht die selten statt findenden Vorlesungen oder Übungen, knüpft feuchtfröhliche Kontakte auf den unzähligen Partys die entweder mit seltsamen Mottos oder seltsamen Menschen aufwarten können und schläft bis in die Puppen. Ab und an muss man noch etwas kellnern oder an der Kasse rackern, ansonsten hat man freie Zeit bis zum Umfallen.

Natürlich hat man Zeit, aber „frei“ ist diese irgendwie nicht. Es sei denn meine Definition von „frei“ ist vollkommen aus der Luft gegriffen und der Duden erzählt fantastische Geschichten – wobei man letztere sicherlich gut verkaufen könnte. Ich habe ab und an das Gefühl, dass Mann und Frau, die entweder nicht studieren oder schon aus den Uni-Schuhen rausgewachsen sind, keinerlei Ahnung haben, was alles organisiert werden muss:

Will ich ins Ausland? Wenn ja, wann und wohin und mit welchen Mitteln und wann war da nochmal die Bewerbungsfrist? Wie lange und wie kläre ich das mit der Uni? Muss ich dann ein Semester länger studieren, weil ich einen Kurs verpasse? Praktikum – nur in den Semesterferien oder gleich ein halbes Jahr? Vermiete ich mein Zimmer in der Zeit, wie finanziere ich mein Leben während des Praktikums, wo bewerbe ich mich und wie kläre ich das mit der Uni ab?

Im Bachelor-Dasein gibt es nämlich Module: Die beinhalten Vorlesungen, Kurse, Übungen, Seminare und sonstige Sit-ins. Das Problem dabei ist jedoch, dass es Seminare oder Übungen gibt, die man erst nach der dazugehörigen Vorlesung besuchen soll/darf/kann. Und dann gibt es nicht alle Angebote in jedem Semester – manche nur im Wintersemester und manche eben nur im Sommersemester. Überhaupt nicht verwirrend zum Organisieren.

Das größte Problem stellt jedoch folgendes dar: die praktische Erfahrung in Form eines oder mehrerer Praktika bei einem Verlag oder Zwischenbuchhändler oder Buchhandlung oder oder oder. Denn in den Semesterferien, die manchmal 3 Monate und manchmal nur 1 Monat lang sind, planen viele Studenten ein Praktikum zu absolvieren. Aber ich habe das Gefühl, dass die meisten Arbeitgeber nur mitfühlend lächeln und dem suchenden Studenten die kalte Schulter zeigen – 3 Monate sind eigentlich zu kurz.

„Es fehlt die Zeit zur Einarbeitung.“ ist die gängige Erklärung für die Ablehnung einer Bewerbung. Verständlich, aber sollten die angebotenen Praktika vielleicht keine Arbeitsplatz-Ersatzmaßnahme sein, sondern tatsächlich nur einen Einblick in den Arbeitsablauf bieten? Denn ein halbes Jahr in einer anderen Stadt, eventuell sogar ohne Bezahlung (Wir wollen Praktikanten, aber die wirtschaftliche Lage, Sie verstehen schon.) und mit dem Problem der Uni-Organisation, das produziert Langzeit-Studenten.

Vergessen, einen Kurs vom nächsten Jahr vorzuziehen, bevor man ein Praktikum macht? Upsi, ein Semester dran hängen. Keine Zeit, 10 Klausuren in einem Semester zu schreiben? Tja, dann haste dein Bachelor halt nach 4 statt 3 Jahren. Etwas reifer sein schadet doch nicht.

Da lobe ich mir Studiengänge wie in Leipzig, die Praxiserfahrung fix in das Studium einbauen und man somit nichts „verpasst“. Zwar müssen wir in Erlangen auch Praxiserfahrung in einem gewissen ECTS-Umfang haben, aber es wird erwartet, diese in den Semesterferien zu machen. Und sicherlich dachte man sich: Studenten haben Zeit, haben keine Semesterferien-Jobs, Verlage schlagen sich um Kurzzeitpraktikanten und etwas mehr Druck im verkorksten Bachelor kann doch nicht schaden.

Ach, hoffen wir einfach, dass die Praxiserfahrung und das erlernte Organisieren von der längeren Studienzeit und dem abgehetzten Blick in unseren Augen etwas ablenkt, wenn wir uns bewerben.

Bildquelle: Rebekka Kirsch
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