Oliver Dierssen: Meistens lese ich Bücher. Manchmal schreibe ich welche.

Oliver Dierssen
Oliver Dierssen

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Meistens lese ich Bücher. Manchmal schreibe ich welche. (Manchmal bedeutet: zweimal. 2009 und 2010 jeweils eins. Bei Heyne.) Ich bin Oliver Dierssen, dreißig Jahre, Arzt aus Hannover, nebenbei Schriftsteller. Ich schreibe über Menschen, die mit verschiedenem nicht klar kommen – mit ihren Eltern, mit ihrer Liebe, damit, auf Kinotoiletten von depressiven Vampiren bequatscht zu werden. Probleme eben, wie sie fast jeder kennt.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Vor 2009 war nicht viel mit Schreiben. Ein bisschen vielleicht, aber eben nicht mit sehr viel Zeit. Dann habe ich ein Manuskript bei einem großen Wettbewerb eingereicht, beinahe gewonnen, und alles ging ganz schnell: Agenturvertrag, Verlagsvertrag, zweite Auflage, Deutscher Phantastik Preis, dritte Auflage, noch ein Vertrag, noch ein Buch, noch ein Vertrag, da komme ich selbst gar nicht immer mit. Fühlt sich aber gut an, und es ist erstaunlich leicht, sich morgens um sechs an die Tastatur zu setzen und um halb elf in die Klinik zu fahren. Könnte man sich dran gewöhnen.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mein Problem ist, dass ich am mittelfrühen Vormittag wieder mit dem Schreiben aufhören muss und erst am nächsten Morgen wieder randarf. Da staut man eine Menge Energie an. Ideen finden ist eher nicht so das Problem – der große Vorteil daran, erheblich weniger Zeit zum Schreiben zu haben als man eigentlich bräuchte. Eine Schreibblockade ist sozusagen der Luxus, der sich an überlangen Tagen einstellt. Wenn nur drei Stunden da sind, darf man nicht lange fackeln, einfach Computer einschalten, zwei, drei Mails zum warmwerden und dann: Entspannen, nicht denken, arbeiten – das Zen des Schreibens. Ist wie Joggen. Der Anfang ist irgendwie blöd, aber am Ende kann man gar nicht aufhören.

Wo finden wir Sie im Internet?

Unter meinem Namen: www.oliver-dierssen.de und den zugehörigen üblichen Verdächtigen (facebook, twitter). Man muss echt aufpassen, dass diese gefräßigen Monster nicht die halbe Schreibzeit verschlingen.

Bildquelle: Oliver Dierssen
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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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