Leo Fasbender: Der Austausch von Artikeln im Web ist ineffizient und er könnte mehr Spaß machen

Leo Fasbender
Leo Fasbender

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Mein Name ist Leo Fasbender, ich bin 22 Jahre jung, gebürtiger Deutscher (Straubing), eigentlich irgendwie Wiener, im Moment Media and Communication Student in London und CEO von Newsgrape, einem ziemlich umfangreichen Web-Projekt.

Mit Büchern kam ich sehr früh in Kontakt, als meine lieben Eltern – inzwischen bin ich ihnen sehr dankbar – meine tägliche Fernseh-Ration auf eine halbe Stunde einschränkten. So kam ich von Karl May und Jules Verne zu Tolstoi, Mann, Kafka, Sartre und all den spannenden Klassikern, bis ich mich seit kurzem auch mit Zeitgenossen wir Mercier oder Suter auseinandersetze. Während andere damals Astronauten werden wollten, schrieb ich meine ersten Kurzgeschichten und fand das Leben eines Schriftstellers viel verlockender.

Natürlich kam es anders als gedacht, aber der Bezug zum Schreiben ging nie ganz verloren und so kam es, dass ich vor zwei Jahren mit meinem Freund und Kollegen Felix Häusler ein kleines Online-Magazin aufgebaut habe. Über ein Facebook-Casting hatten wir bald über ein Dutzend Co-Autoren, Studenten aus ihrem jeweiligen Kern-Ressort, bis wir eines Tages, im Januar 2010, den Gedanken fassten, dass der Austausch von Artikeln im Web irgendwie ineffizient ist und er mehr Spaß machen könnte. Woraufhin wir vor 15 Monaten mit der Entwicklung von Newsgrape anfingen.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Nach dem Aufbau einer Leser-Community und Online-Casting der besten Schreiber arbeiten wir nun an einer weltweiten Gemeinschaft von Schreibern und Lesern, mit eigenen Artikeln und Zeitschriften, individuell von einem jeden von uns und für einen jeden von uns – zum Vorteil von allen, inklusive der etablierten Print- und Online-Medien.

Die Arbeit, die mit dem Aufbau einer solchen Web-Platform einhergeht, ist schwer zu umfassen, denn sie umfasst eigentlich alle erdenklichen Bereiche. Von technischen Fragen, zu Design, Personal-Entscheidungen, Presse-Arbeit, bis hin zu offensichtlichen Themen wie Finanzierung.

Mittlerweise konnten wir, dank einer gehörigen Portion Schaffenskraft, dem erfolgreichen Crowdfunding über Kickstarter und über 10.000 Stunden an Entwicklung von einem hochprofessionellen jungen Team mit Wurzeln in ganz Europa, vergangenen Monat eine “geschlossene” Pre-Beta der Plattform starten. Die dauert noch ca. zwei Monate. Während der Zeit kommen die User erst kurz auf eine Warteliste. Das ermöglicht uns, die Server langsam anzupassen und stark mit dem Feedback der ersten Nutzer zu arbeiten.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Das Grundproblem ist, dass man aus dem Austausch von Artikeln mehr machen könnte, sowohl für die Leser als auch für die Schreiber. Was mit Musik (SoundCloud), Videos (YouTube) und Fotos (Flickr) schon einfach funktioniert, ist mit Texten, also richtigen geschriebenen Beiträgen und nicht 140-Zeichen-Status-Updates, gar nicht so einfach. Das Problem ist, dass man als Blogger eine viel zu kleine Reichweite hat und dass die mühsam und über gute Artikel-Bewerbung erkämpften Leser nicht zurückkommen.

Newsgrape ist die erste wirklich mehsprachige Internet-Plattform, was alleine die Reichweite schon erhöht. Wichtiger ist aber das Magazin-System, mit dem man einfacher den je in einer Gruppe, unter einem gemeinsamen Banner, publizieren kann. Mit Chefredakteuren, Redakteuren und Kolumnisten, deren Artikel erst freigeben werden müssen, mit individuellem Design und allem, was man für eine kleine Redaktion braucht.

User können in mehreren Magazinen Mitglied sein, um Beiträge über verschiedene “Bühnen” zu präsentieren. Und als Leser kann man im “E-Go” sein eigenes Lieblings-Magazin erstellen, denn da kommen alle abonnierten Schreiber und Magazine zusammen. Außerdem werden alle Artikel nach Relevanz vernetzt und von einem innovativen Bewertungs-Algorithmus sortiert. Ein wichtiges Instrument ist dabei eine semantische Wort-Analyse, an der wir intensiv entwickeln.

Um es auf den Punkt zu bringen: Wenn man einen Beitrag mit anderen Menschen teilen will, heißt es nicht mehr Blog-Aufsetzen, Artikel-Bewerbung und SEO, sondern einfach schreiben und mehr Leser erreichen.

Ein weiteres Problem ist die Vergütung von Artikeln. Geschriebene Inhalte gehören zu den am kompliziertesten zu generierenden Inhalten im Web und es ist doch unfair, dass Firmen wie Google zwischen 40% und 60% der Werbe-Einnahmen behalten. Wir werden im Sommer unser Werbe-System vorstellen, das Autoren bis zu 75% der Einnahmen ihrer Artikel überweist, Werbenden neue Freiheiten gewährt und das Ganze über Semantik ausschließlich an die Inhalte anpasst. Newsgrape soll damit langfristig zu der besten Einnahmequelle für Autoren im Internet werden.

Wo finden wir Sie im Internet?

Newsgrape ist unter www.newsgrape.com zu finden. Ich habe ein Profil bei www.about.me/leo.fasbender

Bildquelle: Leo Fasbender
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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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