Klarissa Klein: Wie kommt man dazu, einen Verlag wie amative; publisher zu gründen?

Klarissa Klein
Klarissa Klein

Klarissa Klein hatte sich bei uns im April 2010 im Rahmen der Interview-Reihe vorgestellt. Inzwischen hat sie amative; publisher gegründet, einen “Verlag für anspruchsvolle Erotik- & Kriminalromane”. Über das Warum und das Wie berichtet sie hier:

Wie kommt man dazu, einen Verlag zu gründen?

Diese Frage ist für mich ganz einfach zu beantworten: Es war eine Gelegenheit, die ich nicht verstreichen lassen konnte. Bereits im Lektorat, und als Autorin tätig, kannte ich die Probleme in den Genres, die ich in meinem Kundenstamm vornehmlich betreute, sehr genau. Viele Autoren erotischer Manuskripte fühlen sich in dem Verlagsangebot nicht zuhause. Sie empfinden es als befremdlich, dass Erotik mit billigem Sex und schmuddeligen Ecken gleichgesetzt wird. Dass es nicht nur schwer ist, einen Verlag für sein Manuskript zu finden, ist dabei schon beinahe nebensächlich.

Im Bereich des Kriminalromans liegen die Umstände ganz ähnlich. Wer gegen den Strom schwimmt, hat kaum eine Chance bei Verlagen auch nur vorstellig werden zu können.

Der Leser bestimmt den Markt. Möchte man glauben. Die unglaublichen Erfolge mit nordischen Themen in den letzten Jahren lassen diesen Umstand ebenfalls vermuten. Aber viele Autoren möchten ihre Protagonisten nicht nach Schweden versetzen, damit ihr Roman verlegt wird. Nicht jeder kann sich mit den – zum Teil – komplizierten Themen identifizieren und möchte über Dinge schreiben, die in der Nachbarschaft passieren könnten. Dass dieser Trend nicht ganz von der Hand zu weisen ist, zeigen Krimifestivals wie die „Criminale“ im Rheinland und der „Mord am Hellweg“. Beides sind mittlerweile Conventions, die es zu einigem nationalen Ruf gebracht haben und die vor allem zeigen, dass die Autoren mit ihrer Einschätzung nicht ganz falsch liegen. Auch der Leser mag die Spannung aus heimischer Produktion!

Der Weg von der Idee einer Verlagsgründung hin zur Umsetzung ist dann ziemlich kurz. Die nötigen Unterlagen wurden besorgt, die entsprechenden Verbände kontaktiert und der erste Aufruf an Autoren gestartet. Dabei beginnt es ganz simpel: Die Gewerbeanmeldung dauert beim zuständigen Amt keine fünf Minuten und kann doch ein ganzes Leben verändern. Dieses Dokument ist dann der Schlüssel für alles Weitere. Die Anmeldung beim Börsenverein, damit man auch als ordentlicher Verlag geführt wird, die Meldung für die IHK kommt automatisch. Dass man Bankkonten eröffnet, Visitenkarten drucken lässt, Websites programmiert, ist heute schon so selbstverständlich, dass man sich darüber kaum noch Gedanken macht.

Über einige kleinere organisatorische Dinge sollte man sich noch klar werden, als da wären: Will ich wirklich in meinem privaten Briefkasten alle Post der Welt haben? Wir haben das verneint und uns ein Postfach mit separater Adresse zugelegt. Als Autorin hatte ich bereits Kontakt zu einigen Kollegen und in Form einer Empfehlung und dem Versprechen, dass unsere Autoren für ihre Veröffentlichung nicht zahlen müssen, erklärten sich diese netten Kollegen bereit, für uns Werbung zu machen und sich an Autoren zu wenden, von denen sie wussten, dass diese auf Verlagssuche sind. Ein Aufruf bei XING in entsprechenden Gruppen, sowie bei Facebook – mit dem Auftritt einer eigenen Seite – waren die wichtigstens Schritte zur Publikation gemacht. In den nächsten Tagen und Wochen werden wir uns noch an „die Uschtrin“ wenden, und hoffen, dass wir im nächsten Jahr in ihrem Verzeichnis erscheinen werden.

Die Resonanz zeigte uns innerhalb von einigen Tagen, dass die Zeit für amative; publisher reif ist.

In dieser Zeit als junger deutscher Verlag werden wir immer wieder gefragt, warum wir nicht mit einem deutschen Titel auftreten. Diese Frage fasst unser Problem kurz und knapp zusammen. Denn unser Verlagsprogramm umfasst zwei Themen, die man zwar hervorragend miteinander kombinieren kann, aber ansonsten nicht viel Miteinander zu tun haben. Trotzdem haben beide etwas gemeinsam. Erotik und Kriminalroman wollen dem Leser ein bestimmtes Gefühl vermitteln. Die Erotik trägt sich genauso über die Spannung, wie über das Miteinander der Protagonisten in einem Kriminalroman. Aber wie soll man dies in einem Begriff zusammenfassen?

Leider gibt es in der deutschen Sprache zwar viele Begriffe, die diesen Umstand umschreiben, aber nicht benennen. Doch diese Begriffe lassen sich nur auf das eine, aber nicht auf das andere Thema anwenden.

So blieb nur der Griff in eine andere Sprache. In einem alten englischen Wörterbuch wurden wir fündig. amative. Eigentlich ein Begriff, der einen bestimmten Moment der Liebe beschreibt. Kribbelnd, aufregend, anregend, verwirrend und aufreizend. Aber diese Kombination sollte ein Kriminalroman genauso gut implizieren.

Und so war der Name gefunden: amative; publisher

Ende Januar werden wir mit unserer ersten Veröffentlichung auf dem Markt präsent sein. Mit unserer Serie „Kleine Morde“ möchten wir Leser erreichen, die kurze, intelligente Spannung in der U-Bahn oder dem Café lesen möchten.

Die Serie „Kleine Morde“ passt in jede Hosentasche, in – die meisten – Handtaschen und muss nicht großartig mit Lesezeichen versehen werden, damit man den Anschluss in der Geschichte nicht verliert.

Wir möchten mit dieser Serie jungen Autoren die Chance geben, sich einem breiten Publikum vorzustellen. Das Konzept dieser Serie wird so gestaltet sein, dass verschiedene Erzähler unter einem blutroten Cover jeweils eines ihrer Manuskripte bekannt machen können. Hierbei werden wir von amative; publisher nicht nur auf die großen elektronischen Verkaufsplattformen zurückgreifen, sondern auch in die Buchläden vor Ort gehen. Gerade Letzteres bedeutet Fußarbeit und abgelaufene Kilometer. Buchhändler vor Ort davon zu überzeugen, einem unbekannten Verlag und noch unbekannteren Autoren ein Plätzchen ihres Verkaufsraums zur Verfügung zu stellen, ist harte Knochenarbeit. Doch wir wollen nicht nur denjenigen Lesern unsere Bücher präsentieren, die einen Internetzugang haben. Wir möchten auch auf Mundpropaganda von begeisterten Lesern setzen. Dass wir dazu auch Lesungen hier in Arnsberg planen, ist dabei selbstverständlich. Die Leser sollen wissen, woher das Produkt kommt und dass es gute deutsche Handarbeit ist.

Erste Gehversuche haben uns gezeigt, dass unser Format für die „Kleine Morde“, gut angenommen wird,

Einen kurzen Überblick, welche Schritte man noch gehen muss und kann, damit ein Verlag auf beiden Beinen stehen kann, kann man unter anderem auch bei Facebook verfolgen.

Somit kann die spannende Reise von amative; publisher und seinen Autoren starten.

 

Bildquelle: Klarissa Klein


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