Josef Roßmann: Wir bauen aus Büchern, aber auch Zeitungen und Zeitschriften, Apps für iPhone & iPad

Josef Roßmann
Josef Roßmann

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Josef Roßmann und hatte beruflich mit Büchern seit mehr als 10 Jahren nichts mehr zu tun. Bei meinem Germanistik- und Anglistik-Studium ging es fast nur um Bücher, danach als Redakteur bei einer bayerischen Regionalzeitung habe ich auch Buchrezensionen geschrieben, bin dann aber Ende der 90er dem Journalismus untreu geworden und in die Internetbranche gewechselt. In meiner Firma Unipush Media mache ich wieder sehr viel mit Büchern: Wir bauen aus Büchern, aber auch Zeitungen und Zeitschriften, Apps für iPhone & iPad von Apple und haben jetzt unsere erste interaktive Kinderbuch-App „Auf dem Bauernhof“ veröffentlicht, die sehr erfolgreich ist.

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Typischerweise bringt in unserer Branche jeder Arbeitstag etwas Neues, auch wenn man davon das meiste getrost gleich wieder vergessen kann. Was auf jeden Fall zu jedem Arbeitstag gehört, ist, die Download- und Verkaufszahlen unserer Apps bei Apple anzusehen. Freitags gibt es im AppStore immer die neuen App-Empfehlungen von Apple, die wichtig sind, um zu sehen, wohin die Reise geht. Wie in jedem jungen Unternehmen bin ich ständig am telefonieren, mailen und sprechen mit Kollegen, Entwicklern, Kunden und Partnern. In ruhigen Minuten halte ich Ausschau bei Twitter, Facebook und dem AppStore nach Neuigkeiten, die einen typischen Arbeitstag vielleicht doch überleben könnten.

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Ich habe nie zu denen gehört, die den Tod des Buchs orakelt haben angesichts der Flut kostenloser Informationen im Netz. Ehrlich gesagt hätte ich vor dem iPad aber auch nicht geglaubt, dass Bücher und Neue Medien irgendwann so zusammenwachsen wie auf diesem Gerät. Verlage haben das Internet immer als Bedrohung gesehen, mit dem iPad werden die Neuen Medien auch als Chance begriffen: Während im freien Internet Bezahlinhalte in der Breite nicht funktioniert haben, hat neben Amazon vor allem Apple ein System geschaffen, bei dem Leser für digitale Bücher bezahlen. Und bald werden Android-Tablets diesen Markt noch deutlich verbreitern. Schon jetzt ist klar, dass für diese Geräte immer mehr Bücher an Verlagen vorbei publiziert werden. Freie Autoren, Fotographen, Reisejournalisten, Marketingabteilungen von Unternehmen, ja selbst Gärtner und Köche erstellen gut laufende eBooks für iPad & Co. Der große Erfolg unserer Kinderbuch-App bestätigt für mich diese Entwicklung auf Basis harter Umsatzzahlen. Ich habe den Eindruck, dass viele Verlage nicht ahnen, welche Umsätze mit Büchern schon heute an ihnen vorbei laufen.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wir sind ständig auf der Suche nach Inhalten, die sich für eine Buch-App eignen. Neben Kinderbüchern, die auf dem iPad mit Abstand am gefragtesten sind, laufen nutzwertige und optisch anspruchsvolle Titel sehr gut: Kochbücher, Reiseführer, illustrierte Fachbücher, Titel von Promis. Wir sind daher offen für Anfragen, sei es von Kinderbuchautoren, Illustratoren, Fach- und Sachbuchautoren, Unternehmen, gerne auch von Köchen oder Gärtnern – und natürlich auch von Verlagen. In der Regel erstellen wir Apps als bezahlte Dienstleistung, wir sind aber auch nicht abgeneigt, selbst mit ins Risiko zu gehen, wenn es um interessante, spannende, skurrile oder außergewöhnliche Projekte geht, die Spaß machen.

Wo finden wir Sie im Internet?

Was wir genau machen, sieht man auf www.unipushmedia.net, unseren AppStore-Account mit einigen von uns gebauten Apps kann man hier aufrufen. Am besten erreichen kann man mich über XING. Bei Twitter (@josefrossmann) bin ich auch, mein Facebook-Profik wird kaum jemanden interessieren, da geht´s eher um private Dinge.

Bildquelle: Josef Roßmann
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Diese fünf Fragen werden regelmäßig von interessanten Köpfen der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Herausforderungen in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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