Ina Fuchshuber: 10 Gründe, warum eine Online-Veröffentlichung nicht schadet

Ina Fuchshuber
Ina Fuchshuber

Ina Fuchshuber ist Projektleiterin von neobooks – einer Internetplattform für Autoren, auf der die Leser bestimmen sollen, wer veröffentlicht wird. Sie sagt: “Das ‘verbrannte Manuskript’ ist nur ein Mythos.” Warum sie das so sieht, warum man auch vor Ideenklau keine Angst haben soll und wie gelungene Beispiele für ein Eigenmarketing aussehen können, beschreibt sie in einer 3-teiligen Artikelserie, die heute mit “10 Gründen, warum eine Online-Veröffentlichung nicht schadet” beginnt. In den nächsten beiden Wochen folgen Teil 2 (“Plagiate und Creative Commons – Risiken und Chancen“) und Teil 3 (“Selbstmarketing online: Gelungene Beispiele von Nachwuchs- und Bestsellerautoren.”)

Social Media, Web 2.0, Online-Livestream-Lesungen und virtuelle Lesezirkel – das Internet bietet viele Möglichkeiten, sich über Bücher auszutauschen und diese zu promoten. Viele Autoren scheuen sich aber aus unterschiedlichen Gründen, ihre Werke online zu präsentieren. In vielen Foren und Autorenzirkeln begegnet sie einem: die Angst vor dem „verbrannten Manuskript.“

Einmal eine Idee, ein Probekapitel oder sogar ein ganzes Werk online gestellt und es ist für immer wertlos, für eine Veröffentlichung bei einem Verlag verloren? Warum man diese Frage mit Nein beantworten muss, und wieso es sogar eine gute Idee ist, sein Werk online zugänglich zu machen, möchte ich an den folgenden Punkten aufzeigen.

1. Weil ein in der Schublade verstecktes Werk nicht wahrgenommen werden kann

Das Bild vom Autor, der sich schreibend in sein stilles Kämmerlein zurückzieht, ist in unserer heutigen Verlagswelt überholt: Besonders erfolgreich sind Autoren dann, wenn sie auf sich aufmerksam machen. Denn – so hart, so ehrlich: Niemand hat auf Ihr Werk gewartet. Während bei Bestsellerautoren der Erstverkaufstag zum wichtigen Marketinginstrument gehört, ist bei Nachwuchsautoren eine künstliche Verknappung kontraproduktiv. Je häufiger sich das Werk im Datenmeer des Internets findet, desto größer werden die Chancen, dass es auch wahrgenommen oder entdeckt wird. Dabei muss der Autor ja nicht zwangsläufig das gesamte Manuskript veröffentlichen, eine aussagkräftige Leseprobe und ein Exposé reichen vollkommen aus – und machen im Idealfall Lust auf mehr. Und hat man erst einmal Leser gewonnen, folgen sehr bald auch interessierte Verlage.

2. Weil Veröffentlichtes schon durch Leser vorgeprüft ist

Eine Online- oder PoD- Veröffentlichung ist immer der erste „Proof of Concept“ für ein Werk. Findet es schon im Internet eine Leserschaft, lässt sich für den Verlag das Potenzial eines Werkes und auch seine Zielgruppe leichter erkennen und in den meisten Fällen vergrößern. So wird die Leseprobe, der Videotrailer etc. zur besten Werbung für das Werk! Zudem erhalten Autoren, die ihre Werke schon ganz oder teilweise (online) veröffentlicht haben, Feedback von ihren Lesern und wissen somit ganz genau, was ankommt und was nicht. Ein guter Autor kann dadurch seine Zielgruppe genauer definieren und auf deren Bedürfnisse eingehen. Er lernt, seinen Stil zu variieren und kann ihn perfektionieren. Somit macht er sein Manuskript auch für die Verlage attraktiver.

3. Weil Verlage auch online nach potentiellen Bestsellern suchen

Lektoren beobachten den Markt sehr genau und gerade im Sachbuchbereich müssen sie schnell Trends aufspüren, die sie im Buch umsetzen können. Dazu nutzen sie natürlich das Internet: Wer ist der Meinungsführer zu diesem Thema im Internet, wer konnte mit seinem Blog, seiner Website, XING-Gruppe oder seinem selbstverlegten E-Book schon Leser begeistern? So werden sie auf Autoren mit Erfolgspotential aufmerksam. Seiten wie www.neobooks.com, wo Droemer Knaur nach neuen Talenten sucht, bieten da eine Plattform um sich online zu präsentieren.

4. Weil eine Idee noch kein ganzes Buch ist

In der Zusammenarbeit zwischen professionellem Lektorat, Autor und Leserschaft kann die Idee zum erfolgversprechenden Buch gefeilt werden; aber auch ein vollständiges Manuskript lässt sich noch immer abrunden und perfektionieren. Charaktere lassen sich verändern, dem Handlungsverlauf besser anpassen. Handlungsorte können variieren, oder genauer gezeichnet werden. Hier und da ein neuer Handlungsstrang hinzugefügt oder weggelassen werden. Oder aber „lediglich“ die Sprache, die Sätze verfeinert oder der Geschichte adäquat angepasst werden. Kein Buch wird so abgedruckt, wie es eingereicht wurde.

5. Weil es Leser gibt, denen der Internet-Daten-Dschungel zu unübersichtlich ist

Es gibt durchaus Leser, die keine Lust haben, sich durch den Internet-Daten-Dschungel zu forsten, um dann nach langer Suche oder nur per Zufall einen Text zu finden, den sie ansprechend finden. Diese Leser schätzen die Qualitätskontrolle und Vorselektion durch die Verlage ihres Vertrauens. (Das bereits online veröffentlichte Werk ist also keineswegs verbrannt, sondern gewinnt in seiner neuen Form sogar an Wert.) Aber auch Dschungel-Expediteure bauen auf Qualitätskontrolle ihrer Lieblingsverlage und sind dann gewillt, für diese Qualität auch zu zahlen – viele Wege führen zum Buch.

6. Weil die Leserschaft durch eine Selbstveröffentlichung längst noch nicht ausgeschöpft ist

Nicht alle potenziellen Leser treiben sich im Netz umher. Und von denen, die das tun, stoßen nicht zwangsläufig alle genau auf Ihr Buch. In der Welt neben dem Netz gibt es also immer noch viele potenziell interessierte Leser, die Ihr Buch lieben könnten. Und Verlage wissen, wo und wie man ein dieses Publikum erreichen kann. Sie generieren in Zusammenarbeit mit Marketing und Vertrieb eine Bühne und Aufmerksamkeit für das (e-)Buch – denn das ist ihr Beruf.

7. Weil Verlage etablierte Multiplikatoren der Branche sind und wichtige Distributoren kennen

Verlage wissen, wer ihre Bücher wo am besten verkaufen kann. Sie stehen in Kontakt mit wichtigen Distributoren und verfügen über die Kenntnis der entsprechenden Strategie, bzw. können diese leichter generieren. Sie wissen also, wo welches Buch am besten platziert werden sollte, damit es eine möglichst hohe Wahrnehmung erfährt.

8. Weil Verlage Kontakte zu wichtigen Veranstaltungspartnern und zur Presse haben

Auch im Bereich Veranstaltungs- bzw. Event-Management sowie zu etablierten Medien haben Verlage gute Kontakte und dienen als „Türöffner“. So können die Ideen des Autors mit denen des Verlags verknüpft werden und durch die Kontakte des Verlags ansprechend auf eine Bühne gebracht werden, ganz gleich ob es sich um eine Lesung, eine Buchpräsentation (auf der Messe) oder ähnliches handelt.

9. Weil kein Verlag nur unveröffentlichte Werke annimmt

Auf keiner Verlagswebseite werden Sie den Satz finden, dass nur unveröffentlichte Manuskripte angenommen werden. Auch bei Agenturen spielt das keine Rolle – lediglich einige Literaturwettbewerbe verlangen unveröffentlichte Werke. Warum? – Alle o.g. Gründe zeigen, dass ein aktiver Autor, der für und mit seinem Werk Marketing betreibt und ein aktiver Verlag am besten zusammenarbeiten. Immer da, wo ein Werk sein volles Marktpotential noch nicht ausgeschöpft hat und seine gesamte Zielgruppe noch nicht erreicht, lohnt sich eine weitere Verbreitung. Wie sonst wären auch Taschenbuchlizenzen denkbar? Hier zeigt sich am besten, dass ein veröffentlichtes Werk nicht gleich einem Werk ist, das bereits alle seine Leser erreicht hat.

10. Weil es zahlreiche Beispiele für erfolgreiche Werke gibt, die bereits on- oder offline veröffentlicht waren

„52 Wochenenden“ von Jens Friebe erschien zunächst online, dann bei KiWi und schließlich im Verbrecher Verlag jeweils als Printprodukt. „Lucy im Licht“ von Markolf H. Niemz erschien zunächst als Print-on-Demand-Titel und wurde später erfolgreich von Droemer Knaur verlegt – genau wie Nele Neuhaus, die von PoD- zur Bestsellerautorin wurde. Das Kochbuch „Delicious Days“, erschienen bei G|U, entstand aus dem gleichnamigen Blog – ebenso der Roman „Anleitung zum Entlieben“ von Connie Lubek, erschienen bei Ullstein und viele weitere mehr.

Haben Sie literarische Texte online veröffentlicht? Wie waren die Reaktionen von Lesern und Verlagen/Agenten? Ich bin gespannt auf Ihre Erfahrungen und Meinungen zum Thema.

Bildquelle: Ina Fuchshuber


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