Andy Lettau: Ich mache was mit Hörbüchern – ich habe den ACTION VERLAG gegründet

Andy Lettau
Andy Lettau

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Gestatten, mein Name ist Lettau, Andy Lettau. Ich mache was mit Büchern, genauer gesagt mit Hörbüchern. Ich habe den ACTION VERLAG gegründet. Gemeinsam mit einigen unbestechlichen Idealisten, allen voran Christoph Nolte. Bei ACTION VERLAG geht es um talentierte Nachwuchsautoren und deren meist unveröffentlichte Werke. Wir machen diese erlebbar in Form von Audiobooks. Im Community-Gedanken, im Produktions-Risikosplit für alle Beteiligten. Auch alte und erfolgreiche Hasen stoßen zu uns – um sich unter Pseudonym in Genres auszuprobieren, die ihnen vertraglich in größeren Verlagen untersagt sind.

Dass ich selber in kleinem Umfang Tops und Flops schreibe, ist eher am Rande erwähnenswert. Ich habe über einen gewissen Zeitraum und bedingt durch gewisse Kontakte Ghostwriting betrieben. Ich habe mich quasi literarisch prostituiert. Ich war jung und brauchte das Geld. Heute ist das anders. Ich brauche nur noch das Geld (lacht)

Wie hat sich Ihre Arbeit in den letzten Jahren bzw. in der letzten Zeit verändert?

Ursprünglich war ich Geschäftsführer einer Werbe- und Consulting-Agentur. Kundenverdummendes Werbetexten gehörte auch zu meinen Aufgaben. Mit ca. 40 ist eine Bombe in meinem Kopf explodiert – fast! Mir wurde bewusst, dass es im normalen Trott einfach nicht weitergehen kann. Eigenes Heim, eigene Mikrowelle, eigene Gartenzwerg-Bewässerungsanlage – das konnte unmöglich alles gewesen sein. Durch einen radikalen Schritt – weg vom sicheren aber blödsinnigen 08/15-Job, hinein in das Haifischbecken Literaturbetrieb – fand eine Art Wiedergeburt statt. Den Sprung ins kalte Wasser und den Neuanfang bereue ich nicht im geringsten.

Durch die Beschäftigung mit der Literaturbranche (und deren Eitel- und Gesetzmäßigkeiten) wurde mir aber schnell klar: Die Platzhirsche in der Branche gaukeln einer riesigen Leserschaft vor, was lesenswerte Literatur ist. Gut ist demnach, was mit viel Geld- und Werbeaufwand nach oben in die Charts geschmiert wird. Was auf Platz 1 steht. Was bereits in den USA in den Charts stand und nur noch als Lizenz eingekauft bzw. übersetzt werden muss. Was im Feuilleton oder bei Dennis Barscheck im TV besprochen wird. Danach werden bestimmte Autoren zu Selbstläufern. Bestimmte “Erfolgsautoren” könnten über poppende Schneeschnecken in Hintertupfingen schreiben, die Verlage würden vermutlich Etats für den Bestsellerangriff freischaufeln. Ich finde das ganz schön pervers und nicht sonderlich kreativ. Insofern kann einen die Branche und die ach so schöne Beschäftigung mit Literatur ganz schön desillusionieren. Aber andererseits: money makes the world go round, so ist das eben.

Übrigens: Ich bin kein krankhaft besessener Weltverbesserer. Noch nie gewesen. Ich suche Erkenntnisgewinn; ich will verstehen warum etwas so ist, wie es ist. Je mehr Fettnäpfchen auf dem Weg der Erkenntnis vor mir liegen, umso besser. Wenn mich Kolleginnen und Kolleginnen vom schreibenden Nachwuchs fragen, in welches Fettnäpfchen man Richtung Superverlagveröffentlichung man bitteschön nicht treten sollte, möchte ich nämlich Rede und Antwort geben können.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Wenn ich selber schreibe, gibt es keine Probleme. Alles lässt sich recherchieren. Falls nicht über`s Internet, so vor Ort, egal wo auf der Welt. Manchmal wünsche ich mir, das Lösen verlagstechnischer Dinge wäre so einfach wie das Entwickeln einer Fantasy-Story (mache ich nur als Ghostwriter): Fällt Dir nichts mehr ein, liegt am Wegesrand eine Zauberkugel oder ein magisches Schwert. Oder es wächst ein sprechender Baum aus dem Boden, der Dir mit seinen Ästen den richtigen Weg zeigt.

Wenn es also um das Lösen von Verlagsproblemen geht, weiß ich gar nicht wo ich zuerst anfangen soll. Wir stehen erst am Anfang, auf ersten Achtungserfolgen wollen wir uns nicht ausruhen. Es fehlt Kapital, um richtig anzugreifen. Um ein Bewusstsein für Underground-Literatur zu schaffen. Um aus Hörbüchern Bücher entstehen zu lassen. Um “richtig” wahrgenommen zu werden. Die Gefahr, die ich in unserem Wachstum sehe, ist die des Abweichens vom “ehrlichen” Weg. Werden wir durch kapitalbeschleunigende Vertriebs- und Marketingaktivitäten plötzlich zur wahrnehmbaren Größe im Markt, begehen wir ggf. Verrat an der eigenen Idee, der eigenen Philosphie. Andererseits bringt Erfolg Umsatz – und Cash. Und damit lassen sich Experimente finanzieren. Wir versuchen quasi die Quadratur des Kreises. Die ist aber – soviel ich weiß – bisher noch niemandem gelungen. Darin liegt aber der Reiz der Aufgabe.

Wo finden wir Sie im Internet?

In Suchmaschinen oder direkt auf www.action-verlag.com bzw. www.andy-lettau.de. Und besten Dank für das Interview!

Bildquelle: Andy Lettau
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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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