Sebastian Grebe: Als Verlag in einer Nische ist unser typisches Problem die Sichtbarkeit unserer Produkte

Sebastian Grebe

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin bei der Kulmbacher Börsenmedien AG verantwortlich für den Buchbereich. Wir verlegen unter zwei Marken: Börsenbuchverlag und books4success. Börsenbuchverlag ist selbsterklärend: Hier geht es um Wirtschaft, Börse, Finanzen, Geld. Und das seit 1989. Ein bekannter Titel jüngeren Datums ist der „Cityboy“ von Geraint Anderson.

Books4Success ist deutlich jünger, das machen wir seit 2006. Hier geht es um alle Facetten des Erfolgs – von der eigenen Persönlichkeit bis zum erfolgreichen Abnehmen. Ein sehr bekannter Titel ist „Halt den Mund, hör auf zu heulen und lebe endlich!“ von Larry Winget, den wir als Taschenbuch sogar an Heyne lizenzieren konnten.

Einen Großteil unserer Titel bekommen wir aus dem anglo-amerikanischen Raum. Unser „machen“ beginnt also mit der Suche nach spannenden Titeln. Dann erwerben wir die Lizenz, lassen das Buch von einem freien Übersetzer in (hoffentlich) idiomatisch gutes und angenehm zu lesendes Deutsch umwandeln, finden einen knackigen deutschen Titel und setzen im Haus. Dann lassen wir das Buch drucken. Anschließend wird es noch einmal spannend: Wir müssen Presse, Buchhandel und Leser davon überzeugen, dass es ein tolles Buch ist, das man gerne liest und dessen Lektüre einen Sinn macht.

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Durch das Internet wird sehr viel mehr Information sehr viel schneller kommuniziert, die Welt wird sehr viel transparenter. Die Beziehung zwischen Autor, Verlag und Leser findet zunehmend auch online statt: Blogs, Soziale Netzwerke, Homepages und vieles mehr führen dazu, dass der Leser nicht nur Konsument der Inhalte ist, sondern auch deren Kritiker. Klingt für manche unangenehm, ist aber sehr hilfreich, wenn man sich diesem Dialog stellt.

Dazu kommt das eBook als neuer Distributionskanal. Ich denke, die Umwälzungen, die diese Innovation mit sich bringen wird, sind noch nicht einmal ansatzweise einzuschätzen. Die komplette Wertschöpfungskette muss neu durchdacht werden, Teile der Distributionskette sind auf einmal außen vor. Und auch der Inhalt an sich wird sich stark ändern: Wenn alles interaktiv sein kann, dann wird es irgendwann auch interaktiv sein. Die Autoren und Verlage werden also in nicht allzu ferner Zukunft auch Gedanken um die multimediale Aufbereitung der Inhalte machen müssen.

Der nächste spannende Moment kommt in ein paar Wochen, wenn die Konsumenten das iPad von Apple erstmals in der Hand halten. Viele Verlage sehen das iPad als Retter in der Not beim Thema Paid Content. Von daher wird Apple hier viel Unterstützung erfahren. Das wird zu einer starken Verbreitung führen und damit auch dem Thema eBooks sehr helfen.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Mitunter gibt es im Englischen nahezu perfekte Titel, für die es im Deutschen kein knackiges Äquivalent gibt. Das sind dann manchmal schwere Geburten. Als Verlag in einer Nische ist unser typisches Problem allerdings die Sichtbarkeit unserer Produkte. Wir können die besten Bücher der Welt verlegen, wenn der potenzielle Leser das nicht weiß, dann haben wir nichts davon.

Neben den klassischen Werbe- und Absatzwegen werden hier auch die sozialen Netzwerke immer wichtiger. Hier findet die angesprochene Interaktion zwischen Lesern und Verlagen statt.

Wo finden wir Sie im Internet?

Im Internet finden Sie uns unter www.boersenbuchverlag.de und unter www.books4success.de. Ebenfalls zu finden sind wir bei Facebook unter Börsenbuchverlag und books4success sowie bei Twitter unter @BoersenBuch und @books4success.

Bildquelle: Sebastian Grebe

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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.


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