Petra Hartmann: Angefangen mit dem Bücherschreiben habe ich schon, bevor ich schreiben konnte

Petra Hartmann
Petra Hartmann

Wer sind Sie und was machen Sie mit Büchern?

Ich bin Petra Hartmann, Jahrgang 1970, Autorin, besessene Schreiberin, Bücherwurm, Leseratte und unheilbar süchtig nach allem, was mit Schrift zu tun hat.
Seit ich mich zurückerinnern kann, habe ich Geschichten erfunden – und seit ich die Sache mit den Buchstaben kapiert habe, schreibe ich sie auf. Naja, angefangen mit dem Bücherschreiben habe ich sogar schon, bevor ich schreiben konnte: Mein erstes Werk war eine Bildergeschichte über einen Wal, einen Hai und einen Delphin, zu der meine Mutter auf einer damals noch recht modernen mechanischen Schreibmaschine tippte, was ich ihr diktierte. Es fing an mit „Ein Wal, der schwimmt im Wasser, da wird er immer nasser …“ Das ist dann allerdings nicht gedruckt worden.

Inzwischen habe ich mich eher der Prosa zugewandt. Bisher gibt es acht Bücher von mir, darunter drei Fantasy-Romane und zwei Märchensammlungen. Gerade erschienen ist mein Kurzroman „Darthula“, eine Geschichte, zu der mich die ossianischen Dichtungen von Macpherson inspiriert haben. Im Herbst kommt „Der Fels der schwarzen Götter“ heraus, ein Roman aus meiner Fantasywelt Movenna.

Wie verändern die digitalen Medien bzw. das Internet Ihre Arbeit?

Sehr. Nein, überhaupt nicht. Doch, ja, ich setze mehr Smilys als vor 20 Jahren, auch in handschriftlichen Texten … 😉

Im Ernst: Es gibt mit Ausnahme meiner ersten studentischen Gedichte und Kurzgeschichten in einer im Copyshop selbst gemachten Zeitschrift keinen literarischen Text auf meiner Veröffentlichungsliste, der nicht per Email transportiert wurde und für den ich nicht im Internet den richtigen Verleger oder Herausgeber entdeckt habe.

Ich suche zum Beispiel Ausschreibungen zu Wettbewerben oder Aufrufe zur Mitarbeit an Anthologien im Netz oder informiere mich über Ansprechpartner in Verlagen (unvorstellbar, wie Goethe und Heine ihre Verleger als Offliner finden konnten). Ich bin begeistert von den Recherchemöglichkeiten, liebe Wikipedia, www.wer-weiss-was.de und Google – wenn ich auch nicht auf den Großen Brockhaus, den Kindler und Paulys Realenzyklopädie verzichten möchte und mir aus dem Internet vor allem Quellen für eine unelektronische Recherche (vulgo: lesen) besorge. Ich bin fasziniert von den Möglichkeiten, Gleichgesinnte im Web zu treffen – in der Schule, an der Uni, ja selbst in meiner studentischen Schreibwerkstatt war ich doch eher ein Exot mit meiner Schreiberei.

Was sich dagegen für mich überhaupt nicht geändert hat: Meine Geschichten schreibe ich immer noch mit einem uralten Füller auf liniertem Papier, zuerst ins Unreine, dann in Schönschrift. Und erst ein paar Tage später wird es abgetippt. Das hat zum einen den Vorteil, dass man seine Sätze sehr genau anschaut und mehrfach überarbeitet, und zum anderen ist es außerordentlich hilfreich, dass man im Notizblock keine Facebookseiten anklicken kann oder sich während der Arbeitszeit auf Twitter verirrt.

Was ist ein typisches Problem bei Ihrer Arbeit, für das Sie eine Lösung suchen?

Dass der Tag nur 24 Stunden hat.
Dass man vom Surfen quadratische Augen bekommt.
Dass es im Netz so viel Ablenkung gibt.
Dass ich immer noch weniger Geld verdiene als Frau Rowling.
Dass Windoof seine Tücken hat.
Dass das Wort „dass“ einfach viel hässlicher aussieht als ein „daß“, aber nur wenige Verleger dafür Verständnis haben.
Dass meine Bücherregale überquellen, egal wie viel neue ich auch anschaffe. Und dass ich keine freien Wände mehr für weitere Regale habe.

Wo finden wir Sie im Internet?

www.petrahartmann.de
www.twitter.com/petrahartmann
http://tinyurl.com/petrasweblog

Bildquelle: Petra Hartmann
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Diese vier Fragen werden regelmäßig von Leuten aus der Buchbranche beantwortet und die Interviews werden hier im Blog veröffentlicht. Dadurch entstehen Beiträge, die zum einen Aufmerksamkeit auf jene lenken, die “was mit Büchern machen”, und die zum anderen die Veränderungen und Probleme in den verschiedenen Bereichen der Branche sichtbar werden lassen. Wenn Sie ebenfalls teilnehmen möchten, senden Sie Ihre Antworten und ein Bild von Ihnen in Ihrer Bucharbeits-Umgebung bitte an Leander Wattig. Als Inspirationsquelle könnten Ihnen die bisherigen Interviews dienen.

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